Wer vergewaltigt wurde, könnte in den USA künftig keine Krankenversicherung bekommen

Es war eines von Trumps wichtigsten Vorhaben, Obamacare abzuschaffen. Kommt seine Gesetzesänderung durch, könnten Krankenkassen künftig Opfer sexueller Gewalt ablehnen.

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Kaum ein Projekt war unter Republikaner*innen so verhasst wie Obamacare. Seit der Einführung kündigten sie an, es abzuschaffen und zu ersetzen. Doch der erste Versuch der Trump-Administration war so schlecht, dass er es nicht in den Kongress schaffte. Trump blies die Abstimmung kurz zuvor ab, weil die notwendigen Stimmen aus der eigenen Partei fehlten.

Die Grand Old Party werkelte weiter und versucht am heutigen Donnerstag, einen zweiten Entwurf durch das US-Repräsentatenhaus zu bekommen. Doch dieser Entwurf ist noch schlimmer als der erste. Sollte er durchkommen und schließlich der Kongress ihn absegnen, könnten Versicherungsunternehmen künftig Menschen abweisen, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Die Entscheidung darüber, ob die Firmen beziehungsweise die öffentlichen Versicherungen dies tun können, wird Sache der Bundesstaaten.

Rolle rückwärts

Diese Praxis, Menschen aufgrund ihrer medizinischen Vorgeschichte abzulehnen, war in den USA üblich. Von Bundesstaat zu Bundesstaat war sie unterschiedlich geregelt. New York oder Vermont verboten es den Unternehmen etwa, Menschen wegen ihrer Vorerkrankungen abzulehnen. Dafür waren die Beiträge dort höher.

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Zu den Vorerkrankungen, die in anderen Bundesstaaten zur Ablehnung berechtigten, gehörten etwa Krebs, Arthritis oder auch Spätfolgen von Vergewaltigungen, etwa posttraumatische Belastungsstörungen oder sexuell übertragbare Krankheiten.

Als sie wieder zu sich kam, lag sie am Straßenrand, ihr Körper übersät mit Schnittwunden und Prellungen.“

Erst die Einführung von Obamacare im Januar 2014 schaffte diese Praxis ab. Welche Folgen die Rolle rückwärts für Betroffene haben könnte, zeigt die Geschichte von Christina Turner aus dem Jahr 2009. Die damals 45-Jährige verbrachte den Abend in einer Bar in Fort Lauderdale in Florida. Dort ließ sie sich von zwei Männern auf einen Drink einladen. Als sie wieder zu sich kam, lag sie am Straßenrand, ihr Körper übersät mit Schnittwunden und Prellungen.

Die Männer hatten ihr offensichtlich K.-o.-Tropfen verabreicht und sie anschließend vergewaltigt. Sie suchte einen Arzt auf, der ihr für einen Monat ein Medikament gegen eine Ansteckung mit HIV verschrieb. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Mit ihrem Gang zum Arzt hatte sie sich praktisch unversicherbar gemacht. Als sie kurz darauf ihre Versicherung verlor und auf der Suche nach einer neuen war, erhielt sie Absagen.

„Melden Sie sich in drei Jahren wieder“

Der Grund: eine mögliche Infektion mit dem HI-Virus, einer direkten Folge der Vergewaltigung. Wie Alternet schreibt, sagten ihr die Versicherungsunternehmen, dass sie sich in drei Jahren wieder melden könnte. Sie müsse nachweisen, nicht das Virus in sich zu tragen. Fast drei Jahre später fand Turner wieder eine Versicherung, weil sie sich zum Glück nicht angesteckt hatte.

Kommt die MacArthur-Meadows Amendment genannte Gesetzesänderung heute durch das Repräsentantenhaus und später durch den Kongress, würden Menschen wie Christina Turner nicht durch die Folgen der Vergewaltigungen leiden, sondern auch noch dafür bestraft – weil sie keine Versicherung finden, die sie aufnimmt.


Mehr zum Gesundheitssystem der USA und wie Trump es ändern möchte, gibt es in diesem Interview mit dem Experten für Gesundheitspolitik, Simon Haeder, bei n-tv.

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