Wie 12.000 Tonnen Orangenschalen aus Nichts einen Urwald machten

In den 1990er Jahren starteten Ökolog*innen und eine Saftfirma ein Experiment in Costa Rica. Kurz darauf wurde es abgebrochen und geriet in Vergessenheit. 16 Jahre später reiste ein Forscher an den Ort zurück und fand eine kleine Überraschung vor.

Berge von Orangenschalen. Screenshot: Planet Green/Twitter

Das Projekt stammt aus den Köpfen des Ehepaars Daniel Janzen und Winnie Hallwachs. Sie sind beide Ökolog*innen an der University von Pennsylvania. In den 90er Jahren arbeiteten beide für Costa Ricas Área de Conservación Guanacaste, einem Naturschutzgebiet im Nordwesten des Landes. Sie wollten dabei helfen, den Nationalpark zu schützen.

Knapp außerhalb des Naturschutzgebiets begann die Firma Del Oro im Jahr 1995 mit der Produktion von Orangensaft. Janzen und Hallwachs schlugen der Saftfirma einen Deal vor: Wenn sie einen Teil ihres Grundstücks an das Schutzgebiet abtreten würden, dürften sie im Gegenzug kostenlos Biomüll im Park entsorgen. Die Saftfirma willigte ein. Die Abmachung war, in regelmäßigen Abständen 1.000 LKW-Ladungen Orangenschalen auf ein Gebiet von drei Hektar Boden abzulegen – einer Fläche so groß wie etwa vier Fußballfelder. Sie war aufgrund von Überweidung und Rodung unfruchtbar geworden. Dort sollten die Schalen ohne weitere Verarbeitung verrotten.

Das Projekt geriet in Vergessenheit

So gut der Gedanke war, so erfolglos war dessen Umsetzung. Zwei Jahre später, nach der ersten Entsorgung von 12.000 Tonnen Orangenschalen, musste das Projekt 1997 abgebrochen werden. Der konkurrierende Saftproduzent Ticofrut hatte geklagt und Del Oro vorgeworfen, das Naturschutzgebiet zu verschmutzen und klagte. Costa Ricas oberstes Gericht gab Ticofrut recht. Das Projekt war somit zu Ende, die erste Ladung Schalen wurde nie aus dem Nationalpark entsorgt und geriet in Vergessenheit.

[Außerdem auf ze.tt: Kacken für den Umweltschutz]

16 Jahre später: Ein junger Wissenschaftler namens Timothy Treuer war auf der Suche nach einem Forschungsprojekt in Princeton. Er hatte von dem Schalenprojekt gehört und beschloss, kurzerhand nach Costa Rica zu fliegen, um dort nach der Orangenmülldeponie zu suchen.

Was er fand, waren keine Orangenschalen. Die waren verschwunden. Auch der unfruchtbare Boden war weg. Das Gelände „war so überwuchert mit Bäumen und Schlingpflanzen, dass ich noch nicht mal das drei Meter große Schild sehen konnte, das die Versuchsfläche markierte, obwohl es nur wenige Meter von der Straße entfernt war“, erzählt Treuer. Das ehemals karge Gebiet war zu einem dichten Pflanzenteppich geworden.

Da war es, Treuers neues Forschungsprojekt. Die Veränderungen waren dramatisch. „Während ich in angrenzenden Gebieten über Steine und totes Gras lief, musste ich mich auf der Orangenschalen-Deponie durchs Unterholz kämpfen und einen Pfad durch Wände von Rankpflanzen schlagen.“ Treuer macht es sich ab nun zur Aufgabe, diese Veränderungen zu dokumentieren und zu messen.

Orange is the new green

Seit seinem ersten Besuch bei der Deponie 2013 reiste er 15 weitere Male zurück, um vor Ort zu arbeiten. Als Mess-Referenez diente ihm das Gelände auf der anderen Straßenseite, wo damals keine Orangenschalen verrottet waren. Der Vergleich machte deutlich, wie gut die Schalen als Dünger dienten: dreimal so viele Baumarten als auf ungedüngtem Boden, 176 Prozent größere Menge an Holz-Biomasse, deutlich mehr Nährstoffe im Boden.

Das Fachmagazin Restoration Ecology veröffentlichte die Studie Ende August. Co-Autor David Wilcove erhofft sich darin, dass es in Zukunft noch viele weitere Möglichkeiten geben werde, tropische Wälder mithilfe von Resten aus der industriellen Nahrungsmittelproduktion zurückzuholen. Schließlich sei das das bestmögliche Recycling.