Wie aus einer lächerlichen Hausaufgabe ein Plädoyer für die Ehe für alle wurde

Er sollte schreiben, warum Homosexuelle nicht heiraten sollten. Stattdessen entschied er sich für eine Lektion in Menschenrechten.

So sieht das Machwerk aus. Screenshot: reddit / averagesmurf

Niemand liebte es, nach der Schule noch Hausaufgaben zu erledigen. Bei aller Liebe zur Didaktik: Meistens war es bloß Quälerei. Und das änderte sich nicht zum Besseren, wenn die Aufgabe, die einem gestellt wurde, furchtbar war.

So erging es laut eines reddit-Threads auch einem jungen Schüler in den Vereinigten Staaten. Als Neuzugang an einer katholischen Highschool wurde er angeblich mit einer Aufgabe konfrontiert, die man nur mit Kopfschütteln beantworten kann. Laut eigener Aussage sollte für ein Essay die These „Warum die Ehe für alle falsch und gefährlich ist“ bearbeitet werden. Na schönen Dank auch.

So nicht, Leute

Statt sich dem Willen des Lehrpersonals zu fügen und eine improvisierte Argumentation zusammen zu klöppeln, entschied er sich jedoch für einen Gegenangriff: Er legte ein 127 Seiten starkes Werk mit dem Titel „Die Ehe für alle ist großartig“ vor.

Schon die Einleitung dürfte ein Schlag für die Lehrenden gewesen sein – die Arbeit beginnt mit einem Bibelzitat, das treffender nicht sein könnte: „Lernet Gutes tun, trachtet nach Recht, helfet dem Unterdrückten“ (Jesaja 1:17). Im weiteren Verlauf erklärt er – mit beeindruckender Quellenarbeit – wie genau die Kirche zu ihrem Schluss kommt, dass eine homosexuelle Partnerschaft Sünde und warum jeder ihrer Standpunkte anfechtbar sei.

[Außerdem bei ze.tt: Rumänien will Ehe-Verbot für Homosexuelle in der Verfassung verankern]

Sein Fazit ist einfach, aber bestechend: „Sie [die Bibel] wurde in mehreren Sprachen, verschiedenen literarischen Formen und kulturellen Rahmenbedingungen geschrieben, die sich von denen unserer Zeit unterscheiden. […] Über den Verlauf der Geschichte hinweg haben diese Unterschiede dazu geführt, dass die Bibel genutzt wurde, um verschiedenste Dinge zu unterstützen – einschließlich einiger wirklich abstoßender Dinge, wie Sklaverei.“ Am Ende ist auch das Wort Gottes eben eine Frage der Auslegung.

Alles Quatsch

Der krönende Abschluss ist ein Kapitel, in dem er all die Bullshitargumente entkräftet, die allzu oft angeführt werden, um homosexuelle Liebe und Partnerschaften zu entwerten. Die Botschaft der Bibel sei nicht der Hass gegen andere, sondern die Liebe:

„Bis hierher haben wir bewiesen […], dass weder Gott noch Jesus noch die Bibel etwas dagegen haben, dass zwei gleichgeschlechtliche, sich liebende und einander treu ergebene, monogam lebende Individuen zusammen sind und sich im Bund der Ehe vereinigen.“

[Außerdem bei ze.tt: Zwei italienische Nonnen verlassen das Kloster – um zu heiraten]

Ob er die Arbeit tatsächlich eingereicht hat, kann natürlich nicht überprüft werden, und auch welche Note er erhielt, wollte der Verfasser nicht verraten. Die Arbeit hat er allerdings in voller Länge veröffentlicht. Gut so!

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