Wie diese zwei Rollstuhlfahrer gemeinsam um die Welt reisen

Geduld und Abenteuerlust führen Maciej und Michal sogar bis in die Anden.

Südamerika ist kein leichtes Pflaster. Erst recht für zwei Jungs, die in Rollstühlen sitzen. Doch das schreckt Maciej Kaminski und Michal Woroch nicht ab. Die zwei jungen Polen haben einen Geländewagen für ihre Zwecke umgebaut und bereisen damit derzeit für ein halbes Jahr die Anden, den Regenwald, verschiedene Klimazonen und beeindruckende Landschaften und Flussebenen. Auf ihrem Blog kann man den beiden virtuell nachreisen, denn so wollen sie andere mitnehmen, sie an ihren Erlebnissen teilhaben lassen und ihnen Mut machen. Ihre Message: Wer reisen will, kann das auch in einem Rollstuhl. Alles was man braucht, ist Abenteuerlust und sehr viel Geduld. Maciej und Michal überwinden Grenzen – auf Kontinenten, in Köpfen und Körpern.

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Vor über zehn Jahren haben sich der Pokerspieler Maciej, 31, und der Grafik-Designer Michal, 32, in einer Klinik in Polen kennengelernt und beschlossen: Wir wollen auf Reisen gehen und die Rollstühle, an die wir gefesselt sind, werden nicht Grund sein, warum wir es nicht tun. Also kauften sie sich ein Auto und fuhren damit drei Monate durch 13 Länder Europas. Der Trip war aber nur ihr Warm-up. Zurück in Polen hatte sie das Reisefieber längst wieder gepackt. Ihr nächstes Ziel sollte Südamerika sein.

Vorbereitung ist alles: Die beiden bauten einen 1996er Land Rover Defender um. Der Geländewagen ist mittlerweile Fahrzeug und Wohnmobil in einem, hat eine eingebaute Heizung, eine Kochmöglichkeit und ein Zelt auf dem Dach. Defe, wie sie ihren Wagen nennen, ist ausgestattet mit zwei Lifts. Einer, der sie in den Wagen befördert, ein weiterer, der sie aufs Dach hochmanövriert, wo sie schlafen. Außerdem haben Maciej und Michal das Schalt- in ein Automatikgetriebe umbauen lassen. Sie können Bremse und Pedale mit ihren Händen bedienen.

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Um finanzielle Unterstützung zu erhalten, stellten Maciej und Michal ihr Projekt im März 2015 der Jury des Andrzej Zawada-Awards vor. Zawada war ein polnischer Bergsteiger, der Award unterstützt junge Menschen auf besonderen Abenteuern. Die beiden konnten die Jury überzeugen, gewannen den Award und somit eine kräftige Finanzspritze für ihren Wheelchair-Trip.

Nach zwei ganzen Jahren Vorbereitung ging es am 9. November vergangenen Jahres endlich los. Maciej und Michal stiegen in den Flieger von Polen nach Buenos Aires; Defe wurde in einem Container übers Meer geschifft. Von hier führte ihre Tour durch ganz Argentinien, runter bis ans Cape Horn, das Traumziel von Maciej. „Bei diesem Trip geht es weniger um Sightseeing, vielmehr geht es um die Erfahrung, Menschen, die Landschaft und natürlich um körperliche Herausforderungen. Wir wollen diese große Distanz überwinden, wir wollen lernen, bestmöglich mit unseren Rollstühlen zurechtzukommen und unsere Köpfe freibekommen“, erzählt er.

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Vom südlichsten Punkt Chiles ging es weiter an der Pazifikküste hoch über Bolivien bis nach Peru. „Reisen im Rollstuhl bedarf viel Geduld. Man muss lernen, zu warten und dabei nicht frustriert werden. Oft braucht man Hilfe und in 99 Prozent der Fälle bekommt man diese auch“, so Maciej. Geduld mussten sie während der vergangenen Monate häufig beweisen. Sie mussten sich an die Höhenmeter der Anden gewöhnen, was ihnen einfacher fiel als die Hitze und Feuchtigkeit im Dschungel auszuhalten. Auch Defe machte Probleme. Nachdem sie den Titicacasee zwischen Bolivien und Peru passierten, musste er in Arequipa für zwei Tage in einer Werkstatt repariert werden. Die Kraftstoffpumpe war defekt. Ein funktionierender Wagen ist für die beiden essenziell. Die Regensaison fiel dieses Jahr heftig aus, viele Straßen waren überflutet. Einmal steckten die beiden für zwei ganze Tage im Schlamm fest, bis sie mit Hilfe von Einwohnern wieder herausgezogen wurden.

Mittlerweile befinden sie sich noch in Peru, ihre nächste Etappe führt sie weiter nach Panama. Das wird die vorerst letzte Etappe ihres abenteuerreichen Trips sein, wenngleich auch bestimmt nicht ihr letzter Trip. „Das Ziel einer Reise ist nicht einfach nur, ans Ziel der Reise zu kommen. Sondern die Reise an sich. Land, Leute und vor allem sich selber kennenzulernen. Wir sitzen im Rollstuhl und müssen dadurch viele Schwierigkeiten bewerkstelligen. Aber das Reisen bringt Körper und Geist weiter. Wir wollen zeigen, dass auch für Menschen mit Behinderung nichts unmöglich ist“, so Maciej.

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