Wie du dich aufrichtig mit Minderheiten solidarisierst

Wer solidarisch ist, fühlt sich mit den Ideen, Haltungen und Zielen anderer verbunden. Sich als Hetero gegen Homophobie, als Mann für den Feminismus, als Weiße*r gegen Rassismus einzusetzen, ist nobel. Ein paar Dinge gibt es jedoch zu beachten.

© John Dow / photocase.de

Solidarität ist die Zärtlichkeit mit den Unterdrückten. © John Dow / photocase.de

Mithelfen im Kampf für Gleichberechtigung, gegen Sexismus, Rassismus, Homophobie. Nach dem Attentat von Orlando erlebe ich häufiger, wie Freunde und Bekannte sich diese Frage stellen. Sie wollen sich solidarisch zeigen, wissen aber nicht genau, wie. Hier sind 4 Tipps für aufrechte Solidarität.

1. Werd dir deiner Privilegien bewusst

Das wird schnell falsch verstanden, weil es klingt, als ob du mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurdest, nie hart arbeiten musstest oder für irgendetwas kämpfen. So ist das aber gar nicht gemeint. Privilegiert ist, wer aufgrund des eigenen Geschlechts, der Sexualität oder Hautfarbe über gewisse Situationen nie nachdenken muss, beziehungsweise manche Dinge nie erlebt.

Wer heterosexuell ist, wird zum Beispiel nie aufgrund seiner Sexualität in der S-Bahn bedroht und attackiert. Männer bekommen keine Gewaltdrohungen, weil sie ein Fußball-Spiel kommentieren, Weiße werden seltener aufgrund ihrer Herkunft pauschal für kriminell gehalten. Bevor du dich für die Rechte anderer einsetzt, solltest du dich fragen, welche Rechte du bereits hast, die anderen verwehrt bleiben.

2. Klappe halten und zuhören

Klingt banal, ist aber gar nicht so einfach. Hör dir so viele unterschiedliche Perspektiven an, wie du kannst. Unterdrückung und Ungleichbehandlung sind vielschichtig und zeigen sich in den unterschiedlichsten Situationen. Das bedeutet nun wieder nicht, dass von jetzt an jedes Argument eines schwulen Kumpels richtig ist.

Wer zuhört, bekommt neue Perspektiven aufgezeigt. Im besten Fall öffnen sich neue Welten. Denk dran: Perspektiven und Erfahrungen hören, ja. Erwarten, dass deine Gesprächspartner*innen dir ein Genderseminar oder eine Geschichtsstunde zur Kolonialzeit geben und dich ausbilden – nein. Deine Hausaufgaben musst du leider alleine machen. Falls du keine Bekannten hast, mit denen du reden kannst: Dank social Media und einschlägigen Blogs gibt es genug Lesestoff für dich.

3. Dräng dich nicht in den Vordergrund

Nach dem Attentat von Orlando hat Nick Jonas eine Mahnwache in New York besucht und seine Anteilnahme ausgedrückt. Das ist solidarisch. Einziges Problem: Dadurch, dass er (weiß, hetero) sprach, nahm er den Platz zweier schwuler Latinos, die sonst geredet hätten. Schwule Latinos sind eine gesellschaftliche Gruppe, die oft ignoriert wird. Dieses Mal eben durch die Solidarität von Nick Jonas.

Dräng dich nicht in den Vordergrund, sondern unterstütz die Arbeit der Menschen, mit denen du dich solidarisierst. Es sind Menschen, deren Stimmen sonst an den Rand der Gesellschaft gedrückt oder ignoriert werden. Wenn du doch im Rampenlicht stehst – nutze es genau dafür: unterdrückte Stimmen sichtbar zu machen.

4. Solidarität kennt keine Pause

Es gibt keine Teilzeit-Feminst*innen. Niemandem hilft es, wenn du vor deinen schwulen Freunden eine Allianz bildest, aber nachts nach drei getrunkenen Bieren homophobe Witze reißt. Denn genau hier fängt der aktive Part deines Jobs an: Als Solidarisierer solltest du deinen direkten Freundeskreis unterrichten und Sexismus, Homophobie und Rassismus anprangern, wo er dir begegnet. Beispielsweise in den Kommentarspalten deines Newsfeeds oder wenn jemand beim Feiern einen frauenfeindlichen Witz macht.

Die Menschen, mit denen du solidarisch bist, sind oft einfach müde und genervt von den Anfeindungen um sie herum – sie haben keinen Bock mehr auf die Diskussion, warum beispielsweise „schwul“ kein passendes Synonym für „scheiße“ ist. Sie wollen nicht mehr ständig argumentieren müssen, dass nicht jeder Schwarze ein Drogendealer ist oder das eine Frau auch Respekt verdient, wenn sie gerne Sex hat. An dieser Stelle brauchen wir deinen Heldenmut! Erklär es deiner Umgebung.

Eine Sache noch…

Mein*e liebe*r Verbündete*r! Du kannst nicht alles richtig machen, nicht alles wissen. Niemand kann das. Du wirst Fehler machen und dafür kritisiert werden. Passiert das, sei dankbar dafür. Bitte um Entschuldigung, nimm die Kritik auf – und weiter gehts.

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