Wie du eine Demo organisierst

Hunderte wollen in Köln gegen Gewalt an Frauen demonstrieren. Eine der Organisatorinnen hat mit uns über Formalitäten gesprochen, Nervosität und Motivation.

Oliver Berg/AFP/Getty Images

Demonstranten in Köln. Oliver Berg/AFP/Getty Images

Darf eine Privatpersonen einfach so eine Demo anmelden, wer genehmigt diesen Antrag und an welchem Ort lädt man seine Mitstreiter ein? Wir haben uns umgehört und mit einer Initiatorin gesprochen, die am Wochenende eine Demo gegen sexuelle Gewalt am Kölner Bahnhofsvorplatz plant.

Die 21-Jährige Laura Stöckmann organisiert bei Facebook eine Demonstration gegen sexuelle Gewalt am Kölner Hauptbahnhofsvorplatz. Motiviert hat sie die Silvesternacht, die sie bis heute nicht versteht. Sie hat uns ein paar Fragen zu ihrem Vorhaben beantwortet.

ze.tt: Du lädst über Facebook zu einer Demonstration ein. Was hat dich motiviert?

Laura Stöckmann: Das, was in der für mich sonst schönsten Stadt der Welt – meiner Heimat – in der Silvesternacht passiert ist, war unbeschreiblich und absolut widerwärtig. Mit der Intention, einen schönen, friedlichen und glücklichen Abend miteinander zu verbringen und begrapscht, beklaut, beschimpft und gedemütigt wieder nach Hause zu kommen, sollte niemand auf der Welt, hier in Deutschland, hier in unserem Köln, erleben müssen.

Als erst drei Tage später die ersten Berichte veröffentlicht wurden, habe ich mich früh morgens gefragt: Warum gibt es noch keine Demonstrationen? Warum zeigt diesen Frauen niemand, dass wir geschlossen hinter ihnen stehen? Dass sie nicht alleine sind? Ich habe mich gleich danach an den Laptop gesetzt und eine Veranstaltung im – für mich dafür sinnvollsten sozialen Netzwerk – erstellt: Facebook.

Hast du schon einmal eine Demo organisiert?

Nein, noch nie. Ich war auch eher hilflos als „organisiert“. Aber irgendwo muss man anfangen, oder?
Also habe ich mich informiert und auf der Busfahrt sogar schnell noch ein Plakat gestaltet. Einfach um meiner Veranstaltung eine Art Wiedererkennungswert zu geben.

© Laura Stöckmann
© Laura Stöckmann

Wie geht es dir jetzt?

Sehr gut. Zu meiner eigenen Überraschung. Erst war ich hilflos, dann hatte ich Angst. Erst, dass nicht genügend Leute zusammenkommen könnten. Dann vor Rechtsradikalen, die die Veranstaltung stören könnten. Und davor, dass die Demonstration gar nicht erst stattfinden darf. Jetzt, nachdem die meisten Bedenken genommen und die meisten Hürden geschafft sind, bin ich stolz auf mich, die Sache angegangen zu haben und auch stolz auf all die Menschen, die mitmachen und sich so für ein Anliegen einsetzen wollen.

Hast du auch Angst, dass die Veranstaltung eskalieren könnte? Oder du Ärger mit der Polizei bekommst?

Ich muss gestehen, dass ich zuerst eher Angst davor hatte, dass ich die Einzige bin, die am Hauptbahnhof stehen wird, was ja immer noch passieren kann. Schließlich haben mich viele Freunde angeschrieben und mir die selbe Frage gestellt, bezogen auf Gegendemonstrationen und Rechtsradikale.

Ich hoffe einfach, dass alles gut geht. In meiner Mail an das Polizeipräsidium Köln habe ich nochmals betont (wie auch schon mehrfach zuvor in der Facebook-Veranstaltung), dass ich keine Pegida- oder Pro-NRW-Mitglieder dabei haben möchte. Und keine Megaphone, Lautsprecher, Böller. Ob das was nützt? Ehrlich gesagt: keine Ahnung.

Welche Rückmeldungen hast du im Netz auf deinen Aufruf bekommen? 

Ich bin unglaublich positiv überrascht und gerührt von all den Kommentaren, Beiträgen und privaten Nachrichten, die mich erreicht haben. Ich bekomme mindestens stündlich Nachrichten, in denen mir Leute schreiben, dass sie es toll finden was ich vorhabe, und für was ich mich einsetze. Zu sehen, wie die Veranstaltung geteilt wird, wie mich Leute auch auf der Arbeit und im Freundeskreis darauf ansprechen, wie schnell sich das alles verbreitete, war einfach klasse und hat mich immer mehr in dem bestätigt, was ich auf die Beine stellen wollte.

Negativ auf mich und das was ich erreichen möchte bezogen, war eigentlich keine Rückmeldung. Aber all die „Alle Flüchtlinge müssen raus“ und „ Alle Ausländer sind böse“-Kommentare hatten für mich nichts in meiner Veranstaltung verloren. Mir geht es um sexuelle Gewalt an Frauen. Immer und überall. All den Rechtsradikalen geht es nicht um die Opfer. Denen geht es nur darum, dass ihre Vorhersagen sich bewahrheiten und sie einen Grund haben, weiter auf alles nicht-Deutsche loszugehen.

Welche Dinge müssten wir beachten, wenn wir selbst eine Demo anmelden wollen?

Zuerst einmal nach seriösen Internetseiten Ausschau halten, sich informieren und wirklich alles, was man findet, genau und aufmerksam durchlesen. Es steckt viel mehr dahinter, als ich anfangs dachte und ist mit ein wenig Arbeit und auch Stress verbunden. Man ist verantwortlich für etwas. Muss sich kümmern, und Sorge tragen.

Das wichtigste: Eine Demonstration muss bis zu 48 Stunden vorher bei der Stadt Köln/dem Polizeipräsidium Köln (oder wo auch immer man eine Demonstration geplant hat) angemeldet werden. Dafür gibt es Anmeldungsformulare, in denen man Informationen über sich selbst und die Veranstaltung angeben muss.

Was erhoffst du dir von der Demonstration?

Dass ich nicht alleine auf dem Bahnhofsvorplatz stehe. Ansonsten eigentlich nur friedliches Beisammensein, für eine gemeinsame Sache zusammenstehen, den Opfern und allen Frauen Kölns zeigen, dass wir an sie denken und niemals jemand in unserer Stadt allein gelassen wird.