Wie ein CSU-Politiker es schafft, drei Menschengruppen in einem Satz zu diffamieren

„Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese.“ Dieser Satz hätte so auch im AfD-Ortsverein fallen können. Er kam aber von dem Generalsekretär der CSU.

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Wer mit einem Finger auf andere zeigt ... © dpa

Die Grenzen zwischen der CSU und der AfD verschwimmen immer mehr. Zumindest was die Aussagen der Parteimitglieder angeht. Andreas Scheuer setzte jetzt ein besonders ekliges Topping auf die jüngst gar nicht so christlich-soziale Rhetorik der CSU.

Der Mann ist CSU-Politiker im bayrischen Passau und sitzt dort seit 2002 im Stadtrat. Außerdem ist er Bundestagsabgeordneter, CSU-Generalsekretär und: Mitglied im Rundfunkrat des ZDF.

Die Mitglieder dieses Rundfunkrats sollen die „Einhaltung des gesetzlichen Sendeauftrags“ überwachen und im Sinne eines „Vielfaltssicherungskonzepts den Zugang zum Programm“ für verschiedene gesellschaftlich relevante Gruppen garantieren. Salopp gesagt: Schauen, dass das, was beim ZDF ausgestrahlt wird, niemandem wüst über den Fuß fährt. Scheuers Aussage verstößt also gegen genau das, wogegen er laut seiner Jobbeschreibungen nicht verstoßen sollte.

Das schaffen nicht mal gute Rapper

Ein Blick auf die genaue Formulierung seiner Diffamierung lohnt sich:

  • „Das Schlimmste ist ein fußballspielender, ministrierender Senegalese. Der ist drei Jahre hier – als Wirtschaftsflüchtling.“ Ok, wow: Hier werden Fußballspieler, Ministranten (also gläubige Menschen) und Afrikaner in einem Satz herabgesetzt. Nicht einmal Rapper schaffen es, gleich drei Menschengruppen in einem Satz zu beleidigen. Dazu noch der Zusatz „Wirtschaftsflüchtling“, weil ja alle Menschen, die aus dem Senegal zu uns kommen, sich generell bereichern wollen.
  • „Den kriegen wir nie wieder los.“ Ein Paradebeispiel für stumpfen, rausposaunten Rechtspopulismus.

Das wirklich Schlimme an der Sache ist, dass man mittlerweile gar nicht mehr zu unterscheiden vermag, woher solche Aussagen jetzt eigentlich kommen, würde man sie einfach so hören. Die Phrasen so mancher prominenter CSU-Parteimitglieder unterscheiden sich bisweilen kaum noch von denen, die AfD-Anhänger*innen von sich geben.

Scheuer fühlt sich missverstanden

Der aus dem Senegal stammende SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby sagte zu Scheuers Aussage: „Er zeigt damit, dass ihm auch integrierte Flüchtende nicht gefallen“. Und ein Pfarrer rät Scheuer zum Jobwechsel:

Und Generalsekretär Scheuer selbst? Fühlt sich jetzt missverstanden. Es sei doch nur eine „bewusste Zuspitzung“ gewesen. Andere würden das vielleicht eher „gezielte Diffamierung“ nennen. Aber auch das ist man seit dem Schießbefehl-Fauxpas der AfD mittlerweile ja gewohnt: Aussagen, die später „gar nicht so gemeint“ waren.