Dieser Mann vereint Obdachlose wieder mit ihren Familien – und holt sie dadurch von der Straße

Kevin Adler hat eine Mission: Er will, dass obdachlose Menschen wieder zu ihren Familien finden. Deshalb startete er nach dem Studium ein tolles Projekt.

© Miracle Message | Screenshot | Youtube

Kevin Adler (l.) half Perry Thornley dabei, seinen Sohn Joey wiederzufinden. © Miracle Message | Screenshot | Youtube

Ein paar Informationen und ein Handyvideo. Mehr braucht Kevin Adler nicht von den Obdachlosen, die er anspricht. Einfach so, ganz offensiv, ohne Berührungsängste. „Ich kenne das Wort ‚Fremde‘ nicht“, sagt er. „Jeder ist jemand für irgendjemanden. Und jeder hat eine Familie.“

Genau die ist für Kevin der Schlüssel: Sie sei das Einzige, das den Menschen ohne Job, Wohnung und Perspektiven von der Straße hilft. Kevin startete im Jahr 2014 ein bisher einzigartiges Projekt: Miracle Messages.

Das Konzept ist so einfach wie genial: Kevin zieht los und nimmt eine Video-Nachricht der obdachlosen Menschen für ihre Verwandten oder Lieben auf, mit denen sie seit langer Zeit keinen Kontakt mehr hatten. Danach macht er sich mithilfe von Social Media auf die Suche und versucht, ein Wiedersehen zu arrangieren. Der Denkanstoß war Kevins eigene Geschichte. Sein Onkel war 30 Jahre lang obdachlos, ehe er vor einigen Jahren verstarb. Für ihn jedoch war er nie „ein Obdachloser“, wie er sagt. Sondern einfach sein Onkel.

Nach dem Studium der Politik- und Sozialwissenschaften verschrieb Kevin sich deshalb ganz seiner Idee der „sozialen Bewegung“. Sein Ziel: Bis zum Jahr 2021 soll ein Prozent der obdachlosen Weltbevölkerung wieder mit ihren Familien vereint sein.

Ein Mensch nach dem anderen

In der USA ist Obdachlosigkeit ein sehr großes Problem. Rund 500.000 Menschen leben dort auf der Straße, meldeten offizielle Stellen im Jahr 2014. Die Dunkelziffer könnte aber um ein Vielfaches höher liegen, schließlich werden Obdachlose häufig gar nicht erst registriert. Amnesty International geht davon aus, dass über 1,5 Millionen Menschen betroffen sind – das entspräche etwa einem Prozent der US-Gesamtbevölkerung. Vor allem in den Großstädten verschlimmert sich die Lage stetig. In Los Angeles etwa wuchs die Obdachlosigkeit im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent, es leben dort mittlerweile über 40.000 Menschen ohne Dach über dem Kopf.

Für Kevin heißt das: selbst anpacken. Mit einem vierköpfigen Team nahm er in den zwei Jahren seit der Gründung von „Miracle Messages“ 70 Video-Nachrichten von Obdachlosen auf, konnte davon 30 erfolgreich an Angehörige weitervermitteln. Laufend kommen neue Videos hinzu. Er hat in Eigenregie mehr als 20 große Obdachlosenheime in verschiedenen Städten organisiert, die ihm bei der Organisation helfen. Finanziert wird das Projekt von Crowdfunding-Einnahmen und der Netroots Foundation. Mittlerweile können sich auch User bei Kevin melden und ehrenamtlich mithelfen – und als „Detektiv“ nach den Angehörigen oder Freund*innen der Obdachlosen suchen oder einfach Video-Nachricht aufnehmen und zu „Miracle Messages“ senden.

15 Menschen verhalf Kevin seit der Projekt-Gründung zu einem Wiedersehen mit ihren lange aus den Augen verlorenen Familien. Nicht immer verlaufen diese positiv, berichtet Kevin, oft enden sie im Streit. Wie im obigen Video zu sehen, konnte Kevin einen Menschen in einem Fall tatsächlich innerhalb nur eines Tages von der Straße holen.

Wie auch immer die Gespräche verlaufen: Für Kevin ist jeder Mensch, der den Weg zurück nach Hause findet, den Aufwand wert – auch wenn es nur einer ist, sagt er.