Wie ein Plakat in einem Fitnessstudio gegen Menschen mit Migrationshintergrund hetzt

Ein Fitnessstudio in Güstrow schließt „Mitbürger mit Migrationshintergrund“ aus. Am Ende will es niemand gewesen sein.

Links ein Bild des Studios 2015, rechts die aktuelle Verlautbarung. © Screenshot Facebook und Twitter

„Liebe Mitglieder, auf Grund jüngster Ereignisse (Terrorverdacht + Festnahmen) & zum Schutz unserer Mitglieder, werden wir ab SOFORT keine Mitbürger mit Migrationshintergrund mehr aufnehmen. Wir bitten euch um Verständnis. Für Fragen stehen euch gerne zur Verfügung. Euer EasyFitness Team“, steht mit Filzstift auf die Flipchart geschrieben. Darunter sind Bilder und ein Artikel über den Polizeieinsatz in Güstrow geheftet, bei dem drei Verdächtige festgenommen wurden.

Das Bild verbreitet sich auf Twitter und Facebook. Viele User*innen sind entsetzt, andere stimmen zu. Erst am Mittwoch wurden wegen „Verdacht der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ drei Menschen in Güstrow festgenommen. Die Beamt*innen durchsuchten Wohnungen nach Sprengstoff, fanden bisher allerdings nichts. Nach wie vor gibt es keine offiziellen Angaben, vermutet wird ein islamistischer Hintergrund. Gerüchten zufolge soll einer der Verdächtigen in diesem Studio trainiert haben.

Das Fitnessstudio selbst äußerte sich mittlerweile auf Facebook zu der Sache: „Der an die Öffentlichkeit gelangte Inhalt ist nicht mit uns, den Betreibern des Clubs, abgesprochen und spiegelt auch nicht die Philosophie von EasyFitness wieder.“ Von wem das Plakat stammt, bleibt offen.

Liebe Facebook – Community, wir möchten uns zunächst in aller Form für den Inhalt entschuldigen, der sich über…

Posted by EasyFitness.de Güstrow on Wednesday, July 26, 2017

Der Hauptgewinn bei der Body-Challenge…

Posted by EasyFitness.de Güstrow on Dienstag, 4. August 2015

„Hauptsache, er sieht nicht aus wie aus der IS“

Aufgrund der schlechten Qualität der Aufnahme und der fehlenden ursprünglichen Quelle hat ze.tt bei den Betreibern nachgefragt. „Wir können nur sagen, dass wir nichts damit zu tun haben und dass wir uns davon distanzieren“, sagte die Mitarbeiterin am Telefon. Sie würden sich auch nicht erklären können, woher das Bild komme. Wer das Bild gepostet haben könnte, werde derzeit von ihnen geprüft.

Der taz wurde hingegen eine andere Auskunft gegeben: „Der Mitarbeiter betonte, dass ich die Reaktion verstehen müsse. Ich fragte ihn, woran er denn Menschen mit Migrationshintergrund erkenne und für wen die Regel gelte. Was wäre beispielsweise mit Franzosen? ‚Hauptsache, er sieht nicht aus wie aus der IS‘, sagte er. In genau diesen Worten.“

Nach den Recherchen der taz, fragte ze.tt ein zweites Mal bei dem Fitnessstudio nach. Eine andere Mitarbeiterin erklärte: „Uns geht das selbst alles tierisch auf den Sack.“ Sie wüsste nicht, mit wem die Kollegin von der taz gesprochen haben könnte. Generell gebe es bei ihnen gar keine männlichen Mitarbeiter, die am Telefon Auskunft geben würden. Ihre einzige Erklärung: Sie wurden gehackt.

 Wir sind hier keine Nazis, um das mal klarzustellen.“

Auch wenn die Mitarbeiterin immer wieder betonte, dass das Studio nichts mit dem Plakat zu tun habe, entstand doch der Eindruck, dass sie der Aussage darauf nicht abgeneigt ist. Sie hätten ohnehin eh genug von denen im Studio, erklärte sie beispielsweise. Auf die Frage, wen sie mit denen meine, antwortete sie „die Ausländer halt“. Ob einer der Tatverdächtigen bei ihnen trainiert habe, konnte sie nicht beantworten. Auch wie die Stimmung im Studio sei und ob sich Mitglieder beschwert hätten, dazu wollte sie keinen Kommentar abgeben. Sie wirkte genervt. „Wir sind hier keine Nazis, um das mal klarzustellen“, fauchte sie zum Schluss.