Wie Elektro-DJ Alle Farben durch seinen Erfolg krank wurde

Erfolg gilt in unserer Gesellschaft als erstrebenswert. Die Auswirkungen sind aber nicht immer positiv und können sogar krank machen. Für den DJ ‚Alle Farben‘ führte der Erfolg zu einem Burnout.

Für das, was wir heute als Erfolg bezeichnen, dienten ursprünglich Begriffe wie Sieg oder Glück. Im Laufe der Zeit, insbesondere durch die Industrialisierung, veränderte sich die Bedeutung des Wortes.

Am Erfolg messen wir das Gelingen unseres Lebens

Heute ist Erfolg das Erreichen von selbst gesetzten Zielen. An unseren Erfolgen messen wir das Gelingen unseres Lebens und ob wir damit zufrieden sind oder nicht. Unzählige Ratgeber beschreiben Wege, die Angeblich schneller zum Erfolg führen. Dabei ist nicht gesagt, dass sich die vom Erfolg verursachten Veränderungen positiv auf unser Leben auswirken.

Erfolg definiert sich in jeweiligen Branchen unterschiedlich. Im Sport sind es gewonnene Wettbewerbe, beim Film die Zuschauerzahlen in den Kinos und in der Musik misst man sich an verkauften Platten. Erfolg verändert aber auch die Lebensumstände. Nicht jeder kann mit wachsender Verantwortung auf Anhieb umgehen oder fühlt sich beim Arbeiten unter Druck wohl – anders gesagt: Erfolg ist nicht immer der Schlüssel zum Glück.

Das Maß aller Dinge?

Die negativen Auswirkungen von Erfolg hat auch der Elektro-DJ Alle Farben durch seine Karriere erfahren. Lange Zeit spielte er auf illegalen Elektropartys in Berlin. Partys, die nicht kommerziell waren und in leerstehenden Fabriken, im Park oder in Sparkassenfilialen stattfanden.

Sein erstes Album „Synesthesia – I Think in Colours“ ging dann im Jahr 2014 durch die Decke. Und plötzlich änderte sich sein ganzes Leben.

Die zunehmende Masse an Terminen und Stress fiel ihm zunehmend zur Last. Am Wochenende musste er auf riesigen Bühnen performen und in der Woche unaufhörlich die Marketingmaschinerie der Musikindustrie bedienen.

„Es war keine schöne Zeit für mich“

Alle Farben war darauf nicht vorbereitet. Die gesamte Situation übte einen riesigen Druck auf ihn aus: „Ich konnte den Erfolg der Single ‚She moves‘ nicht genießen. Als dann die Meldung kam, dass sie Gold war, war ich überhaupt nicht begeistert. Auf dem Foto auf dem ich meinen Gold Award halte, lächele ich auch gar nicht. Es war einfach keine schöne Zeit für mich“, erzählt der DJ.

Durch eine Pause und professionelle Hilfe schaffte er es, mit den Herausforderungen umzugehen.

Heute lebt er achtsamer, hat seine Ernährung umgestellt und macht Sport. Das hat ihm geholfen, seinen Erfolg nicht nur zu bewerkstelligen, sondern auch genießen zu können: „Ich kenne jetzt meine Grenzen viel besser. Ich freue mich mittlerweile auch auf harte Touren, weil ich sage, da würde ich gerne mal hin oder auf diesem Festival möchte ich mal spielen. International stellt sich immer mehr Erfolg ein, die ersten größeren Steps in Amerika passieren. Eigentlich ist gerade alles ziemlich rosig.“