Wie Gregor seine Depression mit Vitamin D3 in den Griff bekam

Knapp drei Jahre litt Gregor (43) unter Depressionen. Psychologische Hilfe brachte ihn nicht weiter. Erst als er Vitamin D3 einnahm, verbesserte sich sein Zustand.

Durch die Behandlung mit Vitamin D3 konnte Gregor seine Depression bekämpfen. Foto: Pexels | CC0 Lizenz

Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und fehlende Lebenslust: Es gibt viele Symptome, die bei Depressionen auftreten können. Laut aktuellen Zahlen der WHO leiden deutschlandweit rund 4,1 Millionen unter der Volkskrankheit. Gregor war einer von ihnen. Seinen damaligen Zustand in besonders schweren Phasen beschreibt er so: „Ich konnte mein Bett nicht mehr verlassen. Ich wusste nicht, woher ich diese Kraft nehmen sollte. Ich fühlte mich leer.“ Er verließ sein Bett sechs Tage lang nicht. Das sei sein Tiefpunkt gewesen, sagt er.

Ohne Grund immer trauriger

Gregor arbeitet als Lehrer an einer Realschule, unterrichtet dort Sport und Englisch. Seinen Beruf habe er schon immer gerne gemacht. „Es war alles in Ordnung, mein Leben war schön. Und doch wurde ich ohne triftigen Grund immer trauriger.“ Monatelanges Bitten seiner Frau Birte brachte Gregor schließlich dazu, einen Psychologen aufzusuchen. Bis zum ersten Termin litt er bereits anderthalb Jahre unter seinem Zustand. Er hoffte, seine Fragen in der Therapie beantworten zu können. Doch nach vier Monaten brach er ab. Sein Zustand verbesserte sich nicht. „Wir fanden keine Lösungen, aber es gab ja eigentlich auch keine konkreten Probleme, für die wir welche gebraucht hätten.“

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Obwohl Gregor frustriert war, war er trotzdem davon überzeugt, dass es eine Ursache für sein Befinden geben musste. Er recherchierte auf eigene Faust. „Ich wühlte mich tagelang durchs Internet. Depressionen, Symptome, Ursachen, Bekämpfung – alles, was mir nur einfiel, warf ich Google um die Ohren.“ Und dann sei er auf das Vitamin D3 gestoßen und konnte kaum glauben, zu welch erschreckenden Folgen ein Mangel führen kann.

Natürliches Vitamin D reicht oft nicht aus

In Deutschland haben rund 60 Prozent der Bevölkerung keinen optimalen Vitamin-D-Spiegel, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Zum Vitamin D gehört das Prohormon D3, die wichtigste physiologische Form des Vitamin D. Häufig als Sonnenschein-Hormon bezeichnet, bildet es sich im Körper hauptsächlich durch Sonnenlicht.

„Auch in den Sommermonaten reicht die UVB-Bestrahlung in Deutschland nur dann aus, um die Speicher zu füllen, wenn eine genügend große Hautfläche in der Mittagszeit der Sonne exponiert wird – das entspricht etwa 15 Minuten ohne Sonnencreme, da ab Lichtschutzfaktor 15 die Vitamin D-Bildung blockiert wird“, sagt Prof. Dr. Jörg Spitz, Facharzt für Nuklearmedizin, Ernährungsmedizin und Präventionsmedizin. Ansonsten seien die Strahlen so schwach, dass nicht genügend Vitamin D gebildet werde.

Zwar können 20 Prozent zusätzlich durch die Nahrung aufgenommen werden, allerdings reicht diese Zufuhr nicht aus, um die Vitamin-D3-Speicher auch ohne Sonnenlicht dauerhaft zu füllen. Um das fehlende D3 über die Nahrung auszugleichen, müsste man täglich rund 400 Gramm Lachs, mindestens 20 Eier, 20 Liter Milch oder 2,5 Kilo Käse zu sich nehmen.

Emotionale Probleme durch Vitamin D3-Mangel

Eine Unterversorgung mit Vitamin D3 zeigt sich in unterschiedlichen körperlichen und psychischen Symptomen: reduzierte Leistungsfähigkeit, ein tiefes Gefühl von Traurigkeit oder Nervosität, Schlafstörungen. Obwohl Gregor anfangs nicht glauben wollte, dass ein Hormonmangel die Ursache für sein Leid sein könnte, wollte er trotzdem nichts unversucht lassen und ließ mit einem Bluttest seinen D3-Spiegel bestimmen. Der Wert lag bei 17 Nanogramm pro Milliliter.

Die Empfehlungen, wie hoch der D3-Spiegel sein sollte, gehen auseinander. Prof. Spitz rät zu 40 bis 60 Nanogramm pro Milliliter, Prof. Dr. Harald Schneider, Internist, Endokrinologe und Diabetologe aus München, empfiehlt einen Wert, der über 20 liegt. Er sagt aber auch: „Viel hilft nicht immer viel. Bei einer zu hohen Dosierung, also einem Wert über 45 Nanogramm pro Milliliter, kann es vor allem bei älteren Menschen zu schweren Nebenwirkungen kommen.“

Um den gesunden Spiegel zu halten, empfehlen Experten, Vitamin D3 in Form von Präparaten einzunehmen. Dazu rät auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Gregor erhielt eine besonders hohe Anfangsdosierung, um den langjährigen Mangel kurzfristig auszugleichen. Die Kritik an Vitamin D3, nämlich die Gefahr der Überdosierung, hält Prof. Spitz für übertrieben. „Ein toxischer Blutspiegel kann erst dann erreicht werden, wenn jemand täglich beispielsweise 40.000 IE einnimmt, das ist die zehnfache Menge der Regeldosis.“

Studien belegen positive Wirkung von D3 auf Depressionen

Bei Gregor scheint der D3-Mangel die Ursache für sein psychisches Leid gewesen zu sein. Nach drei bis vier Wochen verbesserte sich sein Zustand deutlich. „Ich hatte wieder Antrieb, fühlte mich leichter und war fröhlicher. Das alte Lebensgefühl kam zurück.“

Laut Prof. Spitz besteht auf der Basis weltweiter wissenschaftlicher Untersuchungen ein klarer Zusammenhang zwischen D3-Mangel und physischen oder psychischen Erkrankungen. „Es gäbe – vorsichtig geschätzt – 20 Prozent weniger sogenannte Zivilisationskrankheiten, wenn die Vitamin-D-Speicher der Menschen gut gefüllt wären.“ Jede Zelle brauche Vitamin D3, auch die Zellen im Gehirn. Im Falle einer Depression kann unter anderem eine Entzündung der Gehirnzellen vorliegen.

Gregor ist nicht der Einzige, bei dem sich ein Zusammenhang zwischen D3-Mangel und Depressionen gezeigt hat. In einer holländischen Studie, die 2008 von WJ Hoogendijk durchgeführt wurde, untersuchte das Team 1.282 Teilnehmer*innen zwischen 65 und 95 Jahren. Die Auswertung der Blutergebnisse aller Teilnehmer*innen zeigte: Diejenigen, die unter depressiven Symptomen litten, hatten einen durchschnittlichen D3-Wert von 19 Nanogramm pro Milliliter, also ähnlich niedrig wie Gregor mit 17 Nanogramm pro Milliliter. Sie lagen damit 14 Prozent unter dem Wert der nicht-depressiven Studienteilnehmer*innen. Das Ausmaß der Depression war signifikant von der Höhe des Vitamin D-Spiegels abhängig.

Ob sich die Zufuhr von Vitamin D3 positiv auf Menschen mit psychischen Erkrankungen auswirken kann, wurde in weiteren Studien untersucht, unter anderem in einer Untersuchung von Mozaffari Khosravi im Jahr 2013. Alle 120 Teilnehmer*innen zwischen 20 und 60 Jahren hatten einen Vitamin D3-Spiegel von unter 40 nmol/l (das entspricht 16 Nanogramm pro Milliliter), sollten drei Monate vor Beginn der Studie keine Antidepressiva oder Ergänzungsmittel zu sich genommen haben und unter leichten bis mittelschweren depressiven Symptomen leiden. Ergebnis: Die Teilnehmer*innen, die mit Vitamin D3 behandelt wurden, galten nach der Behandlung als klinisch unauffällig. Ihre Symptome hatten sich also gebessert.

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Obwohl die Studien Ergebnisse über die Wirkung von Vitamin D3 auf Depressionen zu liefern scheinen, so warnt Prof. Schinner, Facharzt für Innere Medizin Endokrinologie und Diabetologie, dass es sich in den ersten beiden Studien lediglich um Beobachtungsstudien handele, die durch viele methodische Fehler verfälscht werden können. Aus diesen Gründen seien internationale Fachgesellschaften wie zum Beispiel die Endocrine Society (US-amerikanische Fachgesellschaft für Endokrinologie) zurückhaltend bezüglich Wirkungen von Vitamin D außerhalb des Kalziumstoffwechsels. Prof. Schinner: „Sie empfehlen erst weitere Studien, um mögliche Wirkungen jenseits des Skelettsystems abschließend zu beurteilen.“

Mehr Aufklärung ist nötig

Dass ein Vitamin D3-Mangel allerdings nicht in allen Fällen die Ursache für Erkrankungen sein muss, betont Prof. Spitz ebenfalls: „Vitamin D3 ist die Vorstufe eines körpereigenen Hormons und keine Wunderdroge.“ Trotzdem sei die Mehrheit der Bevölkerung nicht ausreichend aufgeklärt und greife daher bei vielen Gesundheitsproblemen auf Antibiotika und Antidepressiva zurück. „Da freut sich die Pharmaindustrie, aber dass die Medikamente teilweise überflüssig sein können, wissen die Betroffenen meistens nicht.“

Die Pharmaindustrie sei auch der Grund, warum so wenig Menschen um die Wirkung des Hormons wissen. „Wenn eine namenhafte Arzneifirma das Vitamin D3 aktuell entwickelt hätte und vermarkten könnte, wüsste heute jeder Bescheid, die Wirkung wäre unumstritten und es gäbe nur positive Berichte. Der Patentschutz ist aber längst abgelaufen.“ D3 sei naturgegeben und bringe der Pharmaindustrie deshalb nicht so viel Gewinn wie andere Präparate.

Gregor sagt: „Meine Freunde nehmen mittlerweile Ergänzungspräparate und auch meine Eltern habe ich davon überzeugt. Denn nur die wenigsten wissen, dass Vitamin D3-Mangel zu vielen Krankheiten auch im Alter führen kann.“ Dass er vor gut einem Jahr auf den Vitamin D3-Mangel gestoßen ist, ist das Beste, was ihm hätte passieren können, sagt er. Jetzt möchte er Aufklärungsarbeit leisten. „Ich war selbst so überrascht und hatte keine Ahnung, welche Auswirkungen ein Hormonmangel haben kann. Ich wünsche mir, dass mehr Leute informiert werden.“

Mittlerweile hat er den von Prof. Spitz empfohlenen Wert erreicht. „Das fehlende Hormon hat meine Depressionen verursacht, das weiß ich heute. Ich möchte niemals sagen, dass das immer und in allen Fällen die Ursache für Depressionen ist. Aber unsere Unterversorgung in Deutschland ist bewiesen und kann eine mögliche Ursache für viele unterschiedliche Beschwerden von Kopf bis Fuß sein.“


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