Wie ich meinen Freund auf einer Sexparty kennenlernte

Sex beim ersten Date? Auf gar keinen Fall, meinen viele. Doch vor Kurzem habe ich jemanden auf einer Sexparty kennengelernt. Mittlerweile sind wir ein Paar. Wie konnte das nur passieren?

Meistens finden wir die Liebe dort, wo wir sie nicht vermuten. © katdoubleve / photocase.de

Ein Freund hat bei sich zu Hause eine Sexparty organisiert. Über Grindr hat er ein paar Leute eingeladen, Drinks, ein paar Snacks und Kondome besorgt. Am Abend sind dann tatsächlich mehr als 20 Typen erschienen. Und irgendwann waren alle nackt und hatten Sex.

Zugegeben: Zu Beginn war die Stimmung ein bisschen komisch. Alle wussten, dass sie irgendwann mit den Männern, die im Raum waren, Sex haben würden, aber wann und wie es losgehen sollte, war erst mal nicht so richtig klar. Manche Gäste wirkten anfangs ein bisschen zurückhaltend und schüchtern. Für viele war es die allererste Sexparty. Um die Stimmung etwas zu lockern und uns besser kennenzulernen, begannen wir mit harmlosen Trinkspielen, die aber recht schnell immer sexueller und freizügiger wurden: Erst spielten wir ein paar Runden Ich-hab-noch-nie, später Flaschendrehen und Sex-Bingo mit Ausziehen und Anfassen. Schlussendlich waren einfach alle nackt und betrunken. Und irgendwann lagen fünf Typen ineinander verschlungen im Bett meines Kumpels und machten wild miteinander rum.

Bei einer Sexparty weiß man ja nie so genau, wer kommt

Ich war der erste, der an diesem Abend auf der Party erschien. Der Gastgeber war ja ein guter Freund von mir und hatte mich gebeten, schon etwas früher da zu sein. Der Vorteil, wenn du als einer der ersten auf einer solchen Party erscheinst, ist: Du hast genug Zeit, um dich auf die Situation einzulassen und kannst die Gäste, die reinkommen, in aller Ruhe abchecken. Bei einer Sexparty weiß man ja nie so genau, wer kommt. Man hofft einfach, dass zumindest ein paar Typen dabei sind, die einem gefallen.

Als es dann an der Tür klingelte und M. den Raum betrat, dachte ich nur so: Omg, voll hübsch!“

Als es dann zum erstem Mal an der Tür klingelte und M. (mein aktueller Freund) den Raum betrat, dachte ich nur so: Omg, voll hübsch! Und da die anderen Typen noch auf sich warten ließen, hatten wir genug Zeit, um miteinander ins Gespräch zu kommen. Wir merkten dabei sofort, dass wir total auf einer Wellenlänge waren, ganz ähnliche Interessen hatten und uns verdammt gut verstanden. Am Ende sprachen wir einfach über alles. Sogar über Politik. Auf einer Sexparty. Kein Witz.

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Wir verbrachten den ganzen Abend zusammen. Auch als es später zum Sex kam. Einmal hatten wir kurz einen Dreier mit meinem Kumpel, ansonsten blieben wir für uns. Manchmal gibt es solche Momente, in denen du merkst, dass einfach alles passt. Und auf dieser Sexparty erlebte ich einen genau solchen Moment mit M. Wir hatten intensive Gespräche, wilden Sex, tauschten danach Nummern aus und verabredeten uns gleich für den nächsten Tag auf einen Kaffee. Und nach ein paar Wochen des Kennenlernens, Ausgehens und Miteinander-Schlafens, war aus uns tatsächlich ein Paar geworden.

Warum ist Sex beim ersten Date ein Tabu?

Als ich Freunden erzählte, wie und wo wir uns kennengelernt haben, waren die meisten erst einmal skeptisch: „Auf einer Sexparty? Und du meinst wirklich, das ist was Ernstes?“ Sex beim ersten Date ist ganz offensichtlich für viele immer noch ein Tabu. Aber warum eigentlich?

Eigentlich bin ich ziemlich glücklich, über die Art und Weise, wie ich M. kennengelernt habe. Bei normalen Dates versucht man ja möglichst unschuldig rüberzukommen und seine Sexfantasien so gut es geht zu verbergen. Zwischen M. und mir war das zwangsläufig nie groß ein Thema. Natürlich erzählen wir nicht jeder*m von unserer ersten Begegnung auf der Sexparty. Als mich zum Beispiel meine Eltern fragten, wo wir uns kennengelernt haben, antwortete ich lediglich „auf einer Hausparty“. Das war ja nicht einmal gelogen. Nur das kleine Wörtchen Sex fehlte eben.

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Ich hatte nie damit gerechnet, mich in jemanden zu verlieben, den ich auf einer Sexparty kennengelernt habe. Eigentlich war es sogar undenkbar. Doch dann kam M. Ist es am Ende denn nicht immer so, dass man die Liebe dort findet, wo man sie am wenigsten vermuten würde?

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