Wie Lena wegen ihres Ex-Freundes Probleme mit der Schufa bekam

Lena* lebte fünf Jahre mit ihrem ersten Freund zusammen; einem Mann, der nicht mit Geld umgehen konnte. Sie trennte sich und studierte im Ausland. Als sie zurückkam, erwartete sie eine böse Überraschung.

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In ihrer damaligen Beziehung leistete Lena eine Unterschrift mit weitreichenden Folgen. madochab / photocase.de

Die 26-jährige Lena schrieb ze.tt eine Mail, um uns ihre Geschichte zu erzählen. Sie handelt von einem Ex-Freund, einem überzogenen Bankkonto und der Schufa. Wir haben uns ihren Fall angesehen und mit den Beteiligten gesprochen. Die Geschichte zeigt, welche Probleme unüberlegte Unterschriften machen können, aber auch welche Lösungen es gibt.

„Ich war 17, als ich zu meinem ersten Freund zog. Er war damals 22 Jahre alt und bewohnte eine 2-Zimmer-Wohnung in einer Kleinstadt in Süddeutschland. Zu Beginn dachte ich, es wäre der Mann fürs Leben. Wir teilten die Wohnung, das Bett und kümmerten uns um seine Katze. Während ich im Gymnasium fürs Abi lernte, ging er arbeiten.

Ich merkte damals noch nicht, dass er Dinge vor mir verheimlichte. Er hatte zu dieser Zeit schon große Schulden und bekam häufig Mahnungen. Dennoch kaufte er ständig weiter ein: einen neuen Computer und ein neues Auto. Zu Beginn beeilte er sich noch, immer vor mir am Briefkasten zu sein, um dort die Rechnungen herauszufischen, so dass ich sie nicht sehen konnte.

Ich fand überall Mahnungen: im Schuhschrank, im Handschuhfach, in der Schreibtischschublade.

Irgendwann kam ich dahinter und sprach ihn darauf an.  Er gestand alles und gelobte Besserung. Er sagte, er habe mich nicht belasten wollen und es mir deshalb nicht gesagt. Nach dem Abi wollte ich eigentlich studieren gehen, aber ich blieb, weil er es sich nicht leisten konnte, umzuziehen. Ich begann in der Qualitätssicherung einer Elektronikfirma und führte ein Leben wie eine verheiratete Frau: Wäsche waschen, kochen, Rechnungen bezahlen.

Zu dieser Zeit eröffneten wir gemeinsam ein Konto bei der Postbank, von dem die Kosten für unsere Wohnung abgingen. Ich gab ihm das Geld meist bar, er überwies.“

Ein gemeinsames Konto in einer Beziehung kann sinnvoll sein. Allerdings sollte beiden bewusst sein, dass auch beide Partner haften. Auf Anfrage von ze.tt schreibt die Postbank: „Gemeinschaftskonten werden bei der Postbank als Oder-Konten geführt. Jeder Inhaber ist selbstständig berechtigt, allein und unbeschränkt zu verfügen. Für die Verbindlichkeiten haften die Kontoinhaber als Gesamtschuldner, das heißt, die Postbank kann von jedem einzelnen Kontoinhaber die Erfüllung sämtlicher Ansprüche fordern.“ Eine Tatsache, die Lena später noch Probleme bereiten sollte.

Zum Studium nach Wien

„Mein Freund war nicht alkohl- oder spielsüchtig, aber er konnte einfach nicht mit Geld umgehen. Wir haben uns deshalb ständig gestritten. Immer öfter gab es Probleme, weil er unsere Rechnungen nicht bezahlte. Uns wurde das Telefon abgestellt und als ich eines Tages von der Arbeit kam, stand der Gerichtsvollzieher vor der Tür und sagte, dass wir seit einem halben Jahr die Stromrechnung nicht bezahlt hätten. Wir saßen zwei Tage im Dunkeln in unserer Wohnung. Erst dann konnte ich mich überwinden und habe mir Geld von meinen Eltern geliehen, damit wir die Rechnung zahlen konnten. 

Irgendwann entschied ich mich, mir meinen Traum zu erfüllen und zu Studieren – obwohl ich wusste, dass er nicht mitkommen konnte. Ich ging nach Wien und studierte Psychologie. Nach fast fünf Jahren beendete ich unsere Beziehung, was mir sehr schwer fiel, aber erst als ich in Wien war, merkte ich, wie unglaublich frei und gut ich mich fühlte.

Um unser gemeinsames Konto kümmerte ich mich nicht mehr. Man kann mir hier bestimmt Dummheit oder Naivität vorwerfen, aber ich wollte mich damals einfach nicht mehr damit befassen und endlich das Leben einer normalen Studentin führen. Ich glaubte ihm, als er sagte, er würde das Konto auflösen.

Hätte Lena auf Nummer sicher gehen wollen, hätte sie das gemeinsame Konto aufgelöst. Normalerweise ist dafür die Unterschrift beider nötig. Zur Not geht es aber ohne Einverständnis des anderen. Wenn nur ein Kontoinhaber das Konto kündigt und der zweite Kontoinhaber sich weigert, wird das Konto mit einer Frist von zwei Monaten gekündigt“, teilt die Postbank mit.“

Rückkehr nach Deutschland

„Nachdem ich den Bachelor in Wien gemacht hatte, kam ich im März 2016 zurück nach Deutschland, um meinen Master zu machen. Dafür wollte ich natürlich wieder ein Konto in Deutschland haben. Mein damaliges hatte ich vor dem Umzug nach Österreich gekündigt. Doch als ich eine Bank betrat und ein Studierendenkonto eröffnen wollte, sagte mir der Angestellte, dass dies nicht möglich wäre, weil es bei der Schufa einen negativen Eintrag geben würde. Es würde ein unbezahltes Saldo bestehen und ich hätte mich vertragswidrig verhalten. 

Da ich nie Mahnungen erhalten hatte, wusste ich nicht, wem ich Geld schuldete. Die Schufa konnte mir telefonisch keine Auskunft geben, also bestellte ich eine Datenübersicht, die vier Wochen später eintraf. Daraus ging hervor, dass unser damaliges Konto bei der Postbank ein Saldo von 800 Euro aufwies. Ein Anruf bei der Postbank ergab, dass die Bank das Konto geschlossen hatte und die Schuld an einen anderen Gläubiger verkauft hatte. Dies hätte ich den zugestellten Briefen entnehmen können. Bevor ich nach Wien gegangen war, hatte ich mich bei meinen Eltern angemeldet, dort waren jedoch keine Briefe angekommen.“

Daten von 66 Millionen Deutschen

Ob diese Briefe verschickt wurden oder nicht, lässt sich von ze.tt im Nachhinein nicht mehr prüfen. Fest steht, dass es gesetzliche Vorgaben gibt, wann ein negativer Eintrag bei der Wirtschaftsauskunft Schufa erfolgt. „Offene Forderungen dürfen nur an die Schufa gemeldet werden, wenn vorher zweimal gemahnt wurde und die betroffene Person die Forderung nicht abgestritten hat,“ sagt ein Sprecher. „Zudem muss sie in der ersten Mahnung über die bevorstehende Übermittlung von Informationen an die Schufa informiert werden und zwischen der ersten Mahnung und der zweiten Mahnung müssen mindestens vier Wochen liegen.“

Ein negativer Eintrag bei der Schufa kann durchaus Probleme bereiten. Wer zum Beispiel ein Konto eröffnet, etwas auf Raten kauft oder einen Handyvertrag abschließt, wird bei der Schufa registriert. Wenn nun eine Bank ein Konto eröffnet, wird sie zunächst Daten von der Schufa abfragen. Unternehmen können so prüfen, wie gewissenhaft Kunden ihre Rechnungen bezahlen. Ist dort hinterlegt, dass jemand kreditunwürdig ist, wird die Bank in den meisten Fällen kein Konto anbieten. Die Schufa hat nach eigenen Angaben Daten von rund 66 Millionen Deutschen – 90 Prozent von ihnen haben keinen negativen Eintrag.

„Ich kontaktierte meinen Ex-Partner und er gestand mir, unser damaliges gemeinsames Konto bis zum maximalen Dispo ausgeschöpft zu haben. Er hatte nun einen Schuldenberater, der die Forderungen an alle seine Gläubiger verwalte. Die Schulden für das Postbank-Konto zahle er monatlich ab. Da es ihm inzwischen beruflich besser ging und ihm sein Verhalten von damals sehr leid tat, versprach er mir, seinen Berater zu kontaktieren und diese Einzelschuld komplett zu bezahlen. Es vergingen dann drei Wochen, bis er mit sagte, dass er die komplette Summe begleichen würde. Wenig später schickte er mir auch einen Überweisungsbeleg.“

Zwischen den Stühlen

Was nun folgt, ist für ze.tt nicht genau zu rekonstruieren. Bis jetzt ist es Lena nach ihren Angaben nicht möglich, ein reguläres Konto zu eröffnen. Das dürfte vor allem daran liegen, dass sie mit vier verschiedenen Personen kommuniziert, die alle in ihren Fall verwickelt sind und voneinander abhängen.

  1. die Schufa, die den Eintrag löschen soll,
  2. der Rechtsanwalt Ralf Heyl, dem die Postbank die Schulden verkauft hat,
  3. der Schuldnerberater ihres Ex-Freundes, der dessen Forderungen verwaltet,
  4. ihr Ex-Freund, der das Geld zahlt.

Dass eine Bank Schulden weiterverkauft, ist nicht ungewöhnlich. „Ob wir einen Vorgang zur weiteren Bearbeitung an ein Inkassounternehmen oder an Rechtsanwalt Heyl übergeben, hängt von der Höhe der Forderung ab“, schreibt ein Sprecher der Postbank auf Anfrage. Ab welchem Betrag das geschieht, möchte er aber nicht sagen. „Auch ist die Höhe der Forderung ausschlaggebend dafür, ob eine Meldung an die Schufa veranlasst wird.“

Damit die Schufa Lenas negativen Eintrag löscht, benötigt sie eine Bestätigung des Rechtsanwaltes, dass der ausstehende Betrag vollständig zurückgezahlt wurde. Der Rechtsanwalt bekommt das Geld wiederum vom Schuldnerberater, den Lenas Ex-Freund beauftragt hat.

Doch selbst wenn der Betrag zurückgezahlt ist, verschwindet Lenas Eintrag nicht sofort. Er erhält zwar den Hinweis „erledigt“, ist aber noch für alle Vertragspartner sichtbar. „Die Löschfristen sind gesetzlich geregelt und abhängig vom jeweiligen Grund, mit dem der Eintrag erfolgt, zum Beispiel wird ein Kredit taggenau nach drei Jahren nach der Rückzahlung aus dem Datenbestand gelöscht“, sagt der-Schufa-Sprecher. Sie sollen den anderen Unternehmen zeigen, dass in der Vergangenheit etwas nicht ordnungsgemäß abgelaufen ist.

Die Lektion

„Gemäß der Schufa bin ich so vertrauenswürdig wie ein Heroinabhängiger. Ich bekomme kein Konto, kann keine Wohnung mieten und nichts im Internet bestellen. Ich bin Veganerin und beziehe manche Sachen von anderswo. Da muss ich das Geld immer meinem Bruder geben und er bestellt es für mich. Ich lebe wie eine Oma, die das Geld unter dem Kopfkissen hat. Das Gehalt in meinem Nebenjob in der Schweiz bekomme ich bar. Ich habe dem Chef etwas vorgemacht mit Überweisungsgebühren und einem Unterschied zwischen Franken und Euro.“

Tatsächlich kann man seit Juni 2016 auch mit einem negativen Schufa-Eintrag ein Konto eröffnen, das sogenannte Basiskonto. Es funktioniert auf Guthaben-Basis (hat also keinen Dispo) und ermöglicht Überweisungen und Lastschriften. Manche Banken verlangen Gebühren für dieses Konto, andere nicht. Lena sagt, dass es in ihrem Ort nur zwei Banken gibt, die beide Gebühren verlangen und dass sie es nicht einsieht, als Studentin Geld für ein Konto zu zahlen.

„Die Beziehung zu meinem Freund hat mich schon geprägt. Mein nächster Freund muss auf jeden Fall mit Geld umgehen können. Noch heute bin ich nervös, wenn ich zum Briefkasten gehe. Kognitiv ist man mit 18 Jahren noch nicht so weit, aber die Unterschrift gilt auch in diesem Alter schon und das kann weitreichende Folgen haben. Die Schufa vergisst nicht so schnell.“ 

* Name geändert


Mehr Informationen über das Basiskonto gibt es bei der Süddeutschen Zeitung.

Die Schufa hat ein FAQ zusammengestellt zu den Löschfristen und weiterem, das du hier findest.

Du hast auch Probleme mit der Schufa? Dann schreib mir eine Mail an manuel.bogner@ze.tt.