Wie sich der erste Dreier anfühlt

Liebe zu dritt? Aufregend! Ein Paar und eine Frau erzählen, wie sie die jeweils anderen Personen fanden, worauf es ihnen ankam und wie der Sex zu dritt war.

© Screenshot Youtube WTF Hollywood

Nicht für jeden sind Zungenküsse bei einem Dreier okay. Für diese drei aus dem Film "Threesome" schon. © Screenshot Youtube WTF Hollywood

Ein Dreier ist eine der klassischsten SexfantasienAuch Leonie (21) wurde irgendwann neugierig. „Wie ist das wohl zu dritt? Ist das nicht komisch? Wer macht wann was?“, fragte sie sich. Lange Zeit war es für sie nur eine vage Idee. „Ich kannte ein paar Freunde, die hatten es ausprobiert. Viele waren es aber nicht. Die, die es getan hatten, fanden es cool.“ Aber wenn sie genauer nachfragte, blieben viele ihrer Fragen unbeantwortet. Aus der vagen Idee wurde der Wunsch, es selbst auszuprobieren. „Ich wollte Antworten, wollte wissen, wie es ist“, sagt die Studentin.

Leon (30) und Jana (20) sind seit zwei Jahren ein Paar. Auch sie finden das Thema Dreier spannend. Ihren ersten Dreier hatten sie nach ein paar Monaten Beziehung. „Ich weiß noch, wie nervös ich war“, erzählt Jana. „Ich wusste nicht, was mich erwartet.“ Leon war entspannter, für ihn war es nicht das erste Mal zu dritt. Für das Paar war es auch kein Problem, eine passende dritte Person zu finden. „Die suchen wir immer über Plattformen im Internet. Irgendwann wird man da immer fündig.“

Zwei Frauen mit einem Mann oder zwei Männer mit einer Frau?

Für Leonie war das nicht so simpel. Sie machte sich Gedanken über die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Nicht nur die Frage, ob zwei Frauen mit einem Mann oder zwei Männer mit einer Frau. Es stellte sich für sie auch noch die Frage, wer mit wem? Jeder mit jedem? Auch die beiden Männer? Weil sie schon immer daran interessiert war, auch mal einer Frau näher zu kommen, wollte sie gerne einen Dreier mit einer zweiten Frau.

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Aber wo die passenden Leute dafür finden? Der eigene Freundeskreis erschien Leonie unpassend. „Im Internet wurde ich nicht fündig. Ich habe es aber auch nur halbherzig auf Datingapps versucht, weil mir der Gedanke das mit völlig Fremden zu tun, eigentlich nicht gefällt.“ Auch wollte sie es auf keinen Fall probieren, während sie in einer Partnerschaft war. „Ich wollte nicht eine dritte Person suchen, ich wollte die dritte Person sein“, erklärt sie. Aber sofort meldeten sich bei ihr neue Bedenken: „Die kennen sich gut. Ich bin dann völlig allein.“ Auch diese Vorstellung behagte ihr nicht. Viel besser fände sie es, wenn es ganz spontan passiert. Nach einer Party oder einem gemütlichem Filmabend.

„Mundküsse sind tabu“

Jana und Leon wissen: Spontan passiert das wirklich selten. „Einmal haben wir jemanden nach einer Party mitgenommen, aber das war ein totaler Reinfall“, erzählt Leon. Jana ergänzt: „Er hat sich nicht an Absprachen gehalten und dann haben wir ihn weggeschickt.“ Aber auch mit Internetbekanntschaften ist es nicht einfach. „Wir haben klare Vorstellungen: Die Person sollte Nichtraucher sein, Verhütung ist ein absolutes Muss und Mundküsse sind tabu“, erklärt Leon. Und Jana sagt: „Wir wollen, dass Mundküsse zwischen uns bleiben.“

Wenn sie dann ein bisschen hin und her geschrieben haben und alle Beteiligten mit den Bedingungen einverstanden sind, kann es zu einem Date kommen. „Wir haben vorher schon Bilder getauscht, um zu gucken, ob es passt, aber immer ohne Kopf und nie ganz nackt.“ Die sogenannten Dates finden bei Jana und Leon zu Hause statt. Sie richtigen das Wohnzimmer gemütlich her, stellen Wein parat, aber verstecken auch Pfefferspray für den Fall der Fälle. Aber nicht jedes Mal kommt es wirklich zu einem Dreier, weil die Chemie nicht immer stimmt. „Es müssen drei Leute Zeit haben und sich aufeinander einstellen, das ist aufwendiger als zu zweit“, begründet Leon.

„Beide sind gute Küsser und Liebhaber“

Für Leonie kommt es ganz anders. Zwar nicht ganz ungeplant, aber doch spontaner. An einem Nachmittag lag sie mit einem Kumpel, mit dem sie gelegentlich Sex hat, im Bett und erzählte ihm von ihrem Wunsch. Er sagte ihr, dass er spontan zwar keine Frau kennen würde, die darauf Lust hätte, aber sein bester Freund und er würden seit längerem mal einen Dreier haben wollen. „Eigentlich war das erst nur so daher geredet von uns dreien.“ Aber eines Samstagabends brachte ihr Kumpel Nils seinen besten Freund Tim dann wirklich mit.

„Tim ist kleiner als ich, hat aber hübsche Gesichtszüge und ist gut gebaut. Ich begrüßte ihn direkt mit einer Umarmung, um Nähe und Offenheit zu zeigen. In meiner Wohnung setzte ich mich zwischen die beiden aufs Sofa. Vorher hatte ich extra alles vorbereitet: Leise Musik und nur Hintergrundbeleuchtung, damit es nicht zu hell ist. Auf meinem Wohnzimmertisch stand etwas zu trinken. Die Umgebung stimmte. Und zum Glück entstand auch schnell ein Gespräch. Ich erzählte Nils ein paar Neuigkeiten und probierte vor allem, Tim kennenzulernen. Ihn kannte ich ja vorher nicht. Nach etwa einer halben Stunde Gespräch war es dann so weit.

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Das war der Moment, vor dem ich am meisten Angst gehabt hatte. Weil ich einfach nicht wusste: Wie fängt man an? Zum Glück war Nils direkt. Irgendwann küsste er mich einfach. Das war bekanntes Terrain. Und auch Tim kannte keine Scheu und rückte näher an mich ran. Dann war es ganz leicht. Ich löste mich von Nils und küsste Tim. Alles passierte ganz automatisch. Ich hatte gar keine Zeit mehr, irgendwas komisch zu finden. Beide sind gute Küsser und Liebhaber, und zum Glück sehr direkt.

Ich küsste sie abwechselnd, ließ mich streicheln und streichelte zurück. Wir zogen uns aus. Meine Frage nach dem „Was genau man zu dritt macht“, wurde beantwortet. Wir drei, alle Anfänger beim Thema Dreier, machten alles mehr oder weniger abwechselnd. Beide Jungs waren nicht am anderen Geschlecht interessiert. Deswegen stand ich im Mittelpunkt. Während ich mit einem schlief oder mich oral befriedigen ließ, küsste oder verwöhnte ich den anderen.

Es gab diese Momente, als sich die Jungs gegenseitig die Kondome reichten oder als wir aufgrund der Sommerhitze eine Trinkpause einlegen mussten und dann haben wir alle gelacht. Was ich auch lustig fand, ist, dass man beim Blasen nur bedingt den Rhythmus bestimmen kann, wenn man durch die Stöße eines anderen bereits einen Rhythmus vorgegeben bekommt. Das ist dann ganz anders als im Normalfall.“

„Wenn mal nicht alles so steht wie es soll, ist das gar nicht schlimm“

Für Jana und Leon ist ab und zu einen Dreier zu haben mittlerweile zur Routine geworden. „Es ist jedes Mal anders, aber das macht es so spannend“, erzählt Jana. Und Leon sagt: „Meist macht Jana den ersten Schritt, indem sie beginnt uns zu berühren. Aber immer erst nach einem Kennenlerngespräch.“ Bisher hatten Jana und Leon nur die Konstellation zwei Männer, eine Frau. „Es ist nicht so einfach, eine weibliche dritte Person zu finden, aber weil ich bi bin, ist das kein Problem“, sagt Leon.

Ihm liegt besonders am Herzen, es der dritten Person angenehm zu machen. „Sie soll sich bei uns wohlfühlen. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das sein kann.“ Leon hatte seinen ersten Dreier im Alter von 22 Jahren mit einem Pärchen. Den beiden war es leider nicht gelungen, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen und sie ihn kritisierten ihn noch obendrein.

„Ich möchte nicht, dass sich jemand bei uns so fühlt, wenn zum Beispiel mal nicht alles so steht wie es soll, ist das gar nicht schlimm.“ Er hat gelernt, dass es hilft, alles mit Humor zu nehmen, denn dann nimmt man der Situation die Anspannung und ist nicht mehr so ernst. „So können sich alle viel besser fallen lassen.“ Jana sagt: „Wir sehen Sex zu dritt als Bereicherung für unser Liebesleben. Wir finden es toll, den Partner so auch nochmal anders zu erleben. Dadurch ist man sich letztendlich nur noch näher.“

„Eine Frau zu küssen ist eigentlich wie bei einem Mann – und doch ganz anders“

Leonie und ihre Bettgefährten verbuchen ihr gemeinsames Erlebnis als kleines Abenteuer. „Klar kann ich mir vorstellen, das nochmal zu machen, aber ich muss es nicht ständig machen.“ Ihr zweites Mal war dann, wie sie selbst sagt, „endlich mit einer Frau“. „Ich hatte echt Glück. Wir haben uns in einer Kneipe kennengelernt und sind ins Gespräch gekommen.“ Auf Anhieb verstanden sich die drei. Sie flirteten ein bisschen und merkten, dass alle offen sind. Zum Sex zu dritt kam es dann aber erst ein paar Wochen später.

„Lisa und Max sind sehr aufgeschlossen“, sagt Leonie, die das sehr entspannend fand. „Lisa und ich konnten uns erstmal miteinander ausprobieren und Max hat sich im Hintergrund gehalten.“ Ein sehr aufregendes Erlebnis für Leonie: „Eine Frau zu küssen, ist eigentlich wie bei einem Mann und doch anders. Alles ist viel weicher und zärtlicher. Ich fand es toll ihre Haare im Gesicht zu spüren.

Ihre beiden Dreier fasst Leonie so zusammen: „Ich bin froh, diese Erfahrungen gemacht zu haben. Es ist zwar nicht jedermanns Sache, aber ich finde jeder, der daran Interesse hat, sollte es ausprobieren. Gesellschaftliche Schranken darf es nicht mehr geben. Sich frei ausleben dürfen, gehört zu einer offenen Gesellschaft.“