Wie sich ein Bore-Out anfühlt? Es frisst langsam dein Selbstbewusstsein auf

Wenn die Arbeit uns permanent unterfordert, kann es zum Bore-Out kommen – und damit nicht nur ein Mangel an Selbstbewusstsein, sondern auch körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen oder Magenschmerzen.

© Photocase.com/wishzones

Zu viel Stress am Arbeitsplatz schadet – aber zu wenig auch. © Photocase.com/wishzones

Wenn Langweile im Büro ein Dauerzustand ist

Den Moment erlebt sicher jeder einmal: Die Arbeit macht keinen Spaß, die Aufgaben langweilen einen, es ist nichts los heute, ein Sommerloch mit wenig Aufträgen kündigt sich an.

Solche Tagen kommen vermutlich in den besten Firmen vor, sie kommen und gehen, und mögen sicherlich einmal entspannend sein. Problematisch wird es, wenn diese Situation jeden Tag auftritt. Denn dann kommt es zum Bore-Out, das Schlafstörungen, Magenbeschwerden, Motivationsprobleme und vieles mehr zur Folge haben kann.

Das Selbstbewusstsein sinkt und man fühlt sich nur noch nutzlos

Ich kann ganz ungeschönt sagen: „Work sucks“ – und das seit mehreren Monaten. Warum? Diese Frage ist leicht zu beantworten: Ich habe zu wenig Arbeit, absolut keine Auslastung, bin unterfordert und das Tag für Tag.

„Da kann man sich doch freuen“, „Ich würde echt gerne mit Dir tauschen.“ „Ach, wie schön das mal wäre.“ Das sind Sätze, die ich immer wieder höre, wenn ich von meiner derzeitigen Arbeitssituation berichte. Aber glaubt mir: Das will keiner! Sicher, der Umkehrfall mit Arbeits-Overload und ständigem Termindruck ist mit Sicherheit genauso hart und kann ebenso an die Substanz gehen, aber auf der Gegenseite ist das Gras auch nicht grüner, im Gegenteil:

Das Selbstbewusstsein sinkt. Tag für Tag. Man fühlt sich überflüssig, nutzlos und irgendwann hält man sich selbst für unfähig und als eine Versagerin auf ganzer Linie. Hinzu kommt das schlechte Gewissen: Die Kolleg*innen neben einem arbeiten, schieben Überstunden, während man selbst im Internet surft und die nächste Urlaubsreise plant. Irgendwann entwickelt man eigene Taktiken, um vorzugeben, dass man arbeitet. Programme im Hintergrund öffnen, die man schnell anklicken kann, wenn der Chef oder eine Kollegin vorbeilaufen. Oder man schreibt private E-Mails und Blogeinträge, dann tippt man wenigstens und wirkt geschäftig. Das ist natürlich absolut dämlich – aber vor einem Kollegen, der täglich Überstunden schiebt, zuzugeben, dass man selbst nichts zu tun hat, fühlt sich an wie versagt zu haben.

Bin ich Teil eines Machtspieles?

Um das zu ändern, habe ich das Gespräch mit meinem Chef gesucht – und zwar mehrfach! Zuletzt in aller Deutlichkeit; dass ich gehe, wenn sich nichts tut. Auch habe ich selbst Lösungsvorschläge angebracht und gesagt, dass doch Kollege XY  Unterstützung bräuchte und ob ich hier nicht helfen kann. Oder aber, man könnte die Stunden reduzieren –  doch alles vergebens. Meine Vorschläge sind im Sande verlaufen und es hat sich in zehn Monaten nichts verändert.

Worum es hier geht? Vermutlich Machtspiele, jede*r Mitarbeiter*in mehr im Team bedeutet Macht, mehr Verantwortung und unterm Strich wahrscheinlich auch mehr Geld. Da werden solche Kollateralschäden in Kauf genommen – auch wenn ich das eigentlich niemandem wirklich unterstellen will, aber in der Verzweiflung ist das die einzig logische Erklärung.

Wenn man irgendwann selbst nicht mehr weiß, wo die eigenen Stärken liegen

„Tu doch was!“ Das hört man zwar nicht oft, aber schwingt irgendwie immer mit. Ich schreibe Bewerbung über Bewerbung und das jeden Tag. Und selbst wenn ich dem Ganzen zwischendurch überdrüssig werde, mache ich weiter, bewerbe mich wieder und wieder. Aber wo will ich eigentlich hin, was will ich machen? Einfach nur arbeiten, irgendwas – das ist auch keine Lösung. Also bin ich auf der Suche, ständig – nach mir selbst, nach meinen Wünschen, Talenten und Stärken. Das Problem: All diese Dinge sind tief vergraben und die Tage anstrengend, trotz nicht vorhandener Arbeit, der Kopf ist voll und ich kann nicht nachdenken – es ist ein Teufelskreis.

Wie kommt man da raus? Ich habe meine Konsequenz gezogen, ich werde wohl springen, abspringen vom Schiff, das mich sonst irgendwann untergehen lässt. Einen Monat noch, vielleicht zwei, und dann… Immer wieder sage ich mir: „Es ist besser, glücklich zu sein und weniger Geld zu haben, als jeden Tag das Gefühl zu verspüren, dass wieder ein Tag der kostbaren Lebenszeit vergangen ist, den man nicht so nutzen konnte, wie man ihn gerne genutzt hätte.“ Es kommt an, langsam. Ich hoffe, ich finde etwas, das mich glücklich macht und habe den Mut, dann auch tatsächlich zu springen und dem Trott zu entkommen.


Von Miss Bored auf EDITION F.

Hier könnt ihr EDITION F auf Facebook folgen.