Wie soll Wintertourismus ohne Schnee funktionieren?

Die deutschen Skigebiete kämpfen gegen die Folgen des Klimawandels. Ein Kampf, den sie verlieren werden, sollten sie nicht bald neue Strategien entwerfen. Ein Gespräch mit dem Grünen-Politiker Markus Tressel über den Tourismus nach dem Schnee.

© FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images

Schnee auf den Bergen ist nicht mehr selbstverständlich. © FABRICE COFFRINI/AFP/Getty Images

Noch vor wenigen Wochen hat in München Kunstschnee helle Begeisterung ausgelöst. Der Künstler Philipp Messner installierte mithilfe von drei großen Schneekanonen das Kunstprojekt „Clouds“ auf der Wiese vor der Alten Pinakothek. Die Besonderheit: Die Kanonen hatten nicht nur Schnee auf die Fläche befördert, sondern auch Lebensmittelfarbe. Blau, gelb und rot glänzte das Arreal in der bayrischen Landeshauptstadt.

Echter Schnee als Ausnahme

Was auf den ersten Blick sehr unnatürlich wirkt, ist nach Abzug der Lebensmittelfarbe eigentlich gar kein ungewöhnliches Schauspiel. Selbst im Süden Deutschlands, dem Alpenvorland, einer traditionell dem Wintersport verbundenen Region, werden im Winter Unmengen an Kunstschnee aufgeschüttet, um das Ski-Fahren zu ermöglichen. Echter Schnee wird immer mehr zur Ausnahme. Schuld ist der Klimawandel. Heute ist bereits die Hälfte aller deutschen Skigebiete auf künstliche Beschneiung angewiesen und diese Zahl wird künftig noch weiter steigen.

Die immer wärmeren Temperaturen zwingen die Skigebiete zum Umdenken. Ein Prozess, der bitter notwendig ist. Auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hat die Bundesregierung bekannt gegeben, dass neun von zehn Skigebieten in Deutschland nicht mehr schneesicher seien. In Gebirgsregionen soll die Temperatur um mehr als zwei Grad steigen, somit dürfte sich die Schneegrenze verschieben und nur noch ein Bruchteil der Orte könnte weiterhin dauerhaft vom Wintersport leben.

Notwendige Neuorientierung

Besonders hart wird es die Mittelgebirge treffen, denen der Klimawandel die Grundlage für das Ski- und Snowboardfahren entzieht. Ein Lösungsansatz, um sich mit diesem Trend zu arrangieren, ist das Entwickeln neuer Alternativen zum Schnee, wie etwa „Bioglizz„. Hierbei handelt es sich um Algen, die auf einem Untergrund aus Textil und Schaumstoff wachsen. Noch befindet sich das Projekt in der Forschungsphase und ob grüne Ski-Hänge auch langfristig eine Lösung darstellen, wird von einigen Beobachtern angezweifelt.

Dauerhaft werden die Auswirkungen des Klimawandels wohl nur zu verkraften sein, wenn die Tourismus-Branche der deutschen Mittelgebirge neue Konzepte entwickelt, die die Regionen trotz höherer Temperaturen und mangelnden Schnees attraktiv für Besucher machen. Den Fokus zum Wandern und zu Wellness-Angeboten zu verschieben, ist sicher eine Möglichkeit.

Sie müssen sehr stark auf Qualität und auf andere Themen setzen. – Markus Tressel, Grünen-Politiker

Wie die Zukunft der deutschen Skigebiete ohne Schnee aussehen kann, hat detektor.fm-Moderator Thibaud Schremser mit dem Politiker Markus Tressel besprochen. Er sitzt für die Grünen im Bundestag und ist ihr Sprecher für Tourismuspolitik und ländliche Räume.

Redaktion: Markus Vorreyer, Andre Beyer