Wie Sport uns schlauer macht

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Nein, es ist NICHT zu kalt zum Radfahren.aussi97/photocase.de @ étape courte mais intense

Es ist die frische Luft, es ist die Bewegung, es ist der Muskelaufbau und die Fitness: Wer stark, glücklich und klug sein will, der sollte sich nicht schonen. Wissenschaftler wissen, welche Sportart uns gut tut.

Wenn ich im Studium Angst vor Prüfungen hatte, sagte meine Mutter immer: Geh laufen. Meistens war meine Laune natürlich viel zu schlecht, um ernsthaft vor die Tür zu gehen. Aber gelegentlich habe ich doch auf sie gehört und dann hatte sie natürlich Recht – Bewegung macht auch den Kopf fit.

Finnische Wissenschaftler wollen herausgefunden haben, welcher Sport uns schlauer macht. Beziehungsweise: welcher Sport Ratten schlauer macht. Denn an denen haben die Forscher um Medizinerin Miriam S. Nokia ihre Experimente ausgeführt. Das Ergebnis: Bewegung tut dem Gehirn gut. Wenn wir Sport treiben, können neue Nervenzellen entstehen, berichten die Neurologen in der aktuellen Ausgabe des Journal of Physiology.

So haben die Mediziner experimentiert

Eine Gruppe von männlichen, ausgewachsenen Ratten bekam ein Mittel injiziert, das neue Gehirnzellen markiert, berichtet die New York Times. Dann begann das Sportprogramm.

Die Laborratten bekamen entweder Laufräder in ihre Käfige – Cardio-Training – oder sie wurden, mit gewichtet belastet, Leiterchen hinaufgeschickt – Krafttraining. Andere wurden auf Laufbänder gesetzt und mussten rennen, wenn sie nicht runterfallen wollen, quasi High Intensive Interval Training. Sechs bis acht Wochen lang trainierten die Tiere, bevor die Wissenschaftler die Aktivität der Nervenzellen maßen. Eine Gruppe Ratten durfte faul rumgammeln, sie diente den Wissenschaftlern als Vergleich.

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Hinterher untersuchten sie Gewebe aus den Gehirnen unter dem Mikroskop. Die meisten jungen Nervenzellen fanden die Wissenschaftler bei jenen Ratten, die freiwillig gelaufen waren. Und: Je mehr Strecke die Kleinen zurückgelegt hatten, desto größer der Effekt. Die Ratten, die aufs Laufband gesperrt wurden, hatten ebenfalls mehr Nervenzellen gebildet – zumindest im Vergleich mit ihren faulen Kollegen. Bei jenen Ratten, die mit Gewichten trainieren, fanden die Wissenschaftler keine messbaren Effekte.

Und gilt das auch für Menschen? Die Versuchsleiterin hält das für gut möglich. Eine andere Studie aus dem Jahr 2013 fand ähnliche Effekte bei Menschen; damals wurden die Hormonspiegel junger Erwachsener gemessen.

Diese Sportart ist gut für uns

Wenn wir unseren Körper mit Ausdauersportarten fit halten, dienen wir unseren Nervenzellen besonders gut. Das haben sogar Studien mit Zwillingspaaren schon ergeben. Heißt: Laufen, Radfahren, Crosstrainer. Ausdauersportarten allgemein helfen unseren Gehirnzellen, sich besser zu vernetzen. Wichtig ist den Wissenschaftlern zufolge übrigens, dass wir die Aktivität regelmäßig wiederholen.

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Dann verbessert sich unsere Konzentrationsfähigkeit und komplexe Aufgaben fallen uns leichter, fanden Forscher der Deutschen Sporthochschule in Köln heraus. Sie testeten erst, wie gut Studenten Aufgaben lösen konnten und schickten sie dann auf ein Trainingsfahrrad. Danach sollten die Studenten erneut Aufgaben lösen. Und das gelang im Schnitt deutlich besser.

Was nicht so gut funktioniert

Wichtig ist übrigens, dass wir es freiwillig tun. Fühlen wir uns beim Sport gehetzt, entsteht Stress. Und der schadet unserem Gehirn. Dieser Effekt lies sich beim Rattenexperiment übrigens auch beobachten. Studienleiterin Nokia sieht in Stress und körperlicher Überlastung einen der Gründe, warum die Ratten im High Intensity Interval Training nicht besser abschnitten, als die inaktiven Ratten.