Wie unterschiedlich sind wir Menschen wirklich?

Der Fotograf Mark Laita porträtiert scheinbar extrem unterschiedliche Menschen. Und fordert Betrachter*innen auf, Gemeinsamkeiten zu finden.

Was unterscheidet uns Menschen voneinander? Inwiefern bin ich anders als die türkischstämmige Spätiverkäuferin unten an der Ecke oder als der deutsche Abgeordnete, den ich regelmäßig in der U-Bahn treffe? Ist es unser Beruf, an dem wir die Trennlinie ziehen? Unsere Herkunft, unsere Kleidung, unser Einkommen? Was genau ist es, was einen Homo sapiens vom anderen unterscheidet?

[Außerdem auf ze.tt: Keine Reaktion ist so aufrichtig wie das Weinen]

Eine Frage, die irgendwie offensichtlich und doch schwer zu beantworten ist. Der 57-jährige Fotograf Mark Laita aus Detroit fragte sich ähnliches und stellt Porträts von Menschen gegenüber, die unterschiedlicher nicht sein könnten. In seinem Fotoprojekt Created Equal stehen Nonnen neben Prostituierten, Pfarrer neben Rassisten, ein Professor für Philosophie neben einem Automechaniker. Dabei war das Ziel dabei nicht, Gegensätze aufzuzeigen, sondern Gemeinsamkeiten zu finden. Seine Kunst dreht sich um die Frage: Was verbindet uns trotz all der Unterschiede?

Verurteilungen sind unerwünscht

„Ich fotografiere das, was ich an meinem Land liebe: seine Bewohner. Damit meine ich die Individuen, die sich nach mehr als 200 Jahren Freiheit und Unabhängigkeit, Erfolg und Misserfolg entwickelt haben“, sagt Laita. Seine Fotoprojekt ist eine Sammlung dieser Geschöpfe: tragisch und wunderbar, gewöhnlich und extrem, und alle sind Bewohner*innen desselben Landes.

„Ich stelle diese Fotos nicht gegenüber, um irgendjemanden zu verurteilen“, sagt Laita. Vielmehr sollen sich die Betrachter*innen überlegen, was zwei Individuen gemein haben könnten. „Ich finde es einfach unendlich interessant, dass zwei kleine Mädchen hier aufwachsen können, und die eine eine katholische Nonne und die andere eine Prostituierte wird.“ Die Bilder sollen dazu anregen, wie und warum jemand einen bestimmten Weg in seinem Leben geht und nicht, sie dabei aber nicht verurteilen.

Für die insgesamt 210 Porträts von US-Amerikaner*innen hat Laita acht Jahre gebraucht. Er reiste mit einem kleinen Reise-Fotostudio, einer einzigen Beleuchtung und einem grauen Hintergrund durch die US-Bundesstaaten. Letzteres sollte die Neutralität und Konsistenz aller Bilderpaare erhalten. Laitas Botschaft an alle Betrachter*innen: Wir sind alle gleich. So lange, bis unser Umfeld, unsere Umwelt und Lebensumstände, unser Schicksal uns zu dem formt, das wir heute sind.