Wie ihr den Arbeitstag gut übersteht

„Wir nehmen jeden Tag unser Herz mit zur Arbeit“, sagt die Stanford-Dozentin Leah Weiss. „Und manchmal wird es verletzt.“ Sie hat ein paar Tipps, mit denen wir unsere Jobs besser aushalten.

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Bist du ehrlich zu dir selbst und machst, was du willst? Pexels/CC0

Eigentlich sollten wir lieber zuhause bleiben. Irritiert, wütend, besorgt, entmutigt, enttäuscht, überwältigt, neidisch, beschämt, gelangweilt, ängstlich. Diese Emotionen, zählt Leah Weiss auf, seien durchaus typisch für unseren Arbeitstag. Aber sollte Arbeit nicht Selbstverwirklichung sein? Müssen wir nicht alle etwas machen, das Spaß macht? Und wenn unser Tag scheiße war: Haben wir es dann selbst verbockt?

Die Wahrheit ist: Arbeit tut manchmal weh. Weil wir Kollegen haben, weil wir Verpflichtungen haben, E-Mails, und Besprechungen, weil es schon dunkel ist, wenn wir Feierabend haben.

Wenn der Job nervt, dann einfach kurz ans Geld denken? Das hilft nicht wirklich. Es sei denn, ihr verdient so viel, dass ihr weniger arbeiten müsst. Das kann funktionieren.

Aber Einfluss auf unser Seelenleben haben wir durchaus. Weiss ist Dozentin und will unsere Arbeitsplätze angenehmer machen. An der Universität Stanford unterrichtet sie die Anführer von morgen darin, nett zu ihren Angestellten zu sein, aufmerksam und mitfühlend. Sie lehrt auch Meditationstechniken. Gerade die können aber zu einem neuen Punkt auf unserer ToDo-Liste werden – und ziemlich nerven, wenn wir sie nicht erledigen. Weiss‘ Tipps für angenehmere Arbeitstage sind garantiert meditationsfrei – auch wenn ein paar bewusste Atemzüge noch niemandem geschadet haben.

Diese drei Fragen sollten wir uns auf Post-Its kleben. Und sie uns ab und zu mal stellen.

Was machst du gerade?

Wie oft kommen wir abends heim und haben keine Ahnung, was wir den Tag über gemacht haben? Der Grund ist einfach: Wir haben nicht aufgepasst.

Was wir brauchen, ist ein Moment der Ruhe, der Aufmerksamkeit. Wie soll unser Gehirn irgendetwas abspeichern, das wir selbst kaum wahrnehmen?

„Breathe“, atme. So lautet das Computer-Passwort einer Studentin von Weiss. Die junge Frau holt ihre Aufmerksamkeit mit kleinen Remindern wie diesem zurück in die Gegenwart. Atme durch, konzentrier dich auf das, was du gerade tun willst. Und dann mach das – und nichts anderes. Weiss schreibt über ihre Studentin: „Statt ihre Mails zu checken arbeitet sie an einem Projekt, das wichtig für sie ist. Das macht sie produktiver und zufriedener mit der Art, auf die sie ihre Zeit und Energie verwendet.“ Das macht uns nicht nur zufriedener, sondern auch produktiver.

Bist du ehrlich zu dir selbst?

Betretenes Schweigen im Meeting, die Stille wird immer unerträglicher und – oh, war das gerade meine Stimme? Genau vor diesen Momenten sollten wir kurz nachdenken, rät Weiss. Wollen wir nur jemanden zufriedenstellen? Oder haben wir Angst, dass man es uns übel nähme, wenn wir nichts sagen?

Dann sollten wir vielleicht lieber den Mund halten. Niemand dankt es uns, wenn wir unliebsame Routine-Aufgaben übernehmen. Und niemand wirft es uns vor, wenn wir es nicht tun. Der einzige Effekt: Wir selbst verlieren Zeit für jene Projekte, die uns am Herzen liegen. Stattdessen sollten wir einen Augenblick nachdenken: Wollen wir das, was wir gleich sagen werden, wirklich? Nein. Dann: Klappe halten. In Ruhe nachdenken. Und dann überlegen, ob wir unsere Entscheidungen aufgrund unserer Unsicherheit treffen wollen, oder ob uns bessere Faktoren einfallen.

Wo willst du hin?

Es gibt zwei Arten von Feierabend. 1. der, nach dem wir einfach nur vergessen wollen, was hinter uns liegt. 2. wir regen uns noch vier Stunden lang darüber auf, bis endlich Schlafenszeit ist. Das Problem: Wenn wir wieder wach werden, haben wir etwa 45 Sekunden Zeit, bis wir anfangen, uns in die Sorgen des neuen Tages hineinzusteigern, bis wir endlich frustriert am Schreibtisch sitzen, alles hinter uns bringen und wütend wieder nach Hause gehen. Unglücklicher kann man sich selbst gar nicht machen.

Was fehlt ist eine kleine Manöverkritik. „Am Ende eines Tages, eines Meetings, eines Mailwechsels, tatsächlich, nach jeder Aufgabe, die du erledigt hast: Nimm dir einen Moment Zeit und überlege dir, wie es lief“, rät Weiss. Und dann sollten wir uns an unsere Ziele erinnern. „Selbst, wenn wir beim nächsten mal nichts anders machen würden: Uns selbst an unsere Ziele zu erinnern, hält sie lebendig und wirksam.“

Allzuoft geben wir unsere guten Vorsätze auf, sobald wir es einmal verbockt haben. Schade! Denn ein Moment der Ruhe und Selbstreflektion kann uns wieder auf Kurs bringen, beobachtet Weiss. Wir sind nicht perfekt, auch nicht am Arbeitsplatz. Dort, wie vor der Schublade mit den Süßigkeiten, müssen wir uns unsere Schwächen verzeihen. Nur dann können wir am nächsten Tag neu durchstarten. Und vielleicht sogar den Spaß am Arbeitsplatz entdecken.