Wieso Bodyposipanda die wichtigste Instagrammerin für Frauen ist

Megan Jayne Crabbe, 24, hat einen weiten Weg hinter sich – von Magersucht und Selbsthass zu Gesundheit und Selbstliebe. Auf Instagram inspiriert sie als Bodyposipanda mit ihrer Geschichte über eine halbe Million Menschen.

Bodyposipanda

Links: Megan früher. Rechts: Megan als Bodyposipanda © Bodyposipanda / Instagram

[Hinweis: In diesem Text werden Essstörungen thematisiert]

Es waren nur noch zwei Optionen übrig: zunehmen oder sterben.“ – Megan Jayne Crabbe

Der Krieg mit ihrem eigenen Körper begann, als die kleine Megan aus Essex fünf Jahre alt war. „Ich erinnere mich daran, wie ich gedacht habe, all meine Klassenkameradinnen wären so viel hübscher und dünner als ich“, erzählt Megan laut Independent, „Barbie, Disney-Prinzessinnen, 90er-Popstars und berühmte Schauspielerinnen. Sie alle hatten eins gemeinsam: Sie waren dünn. Und ich lernte, dass ich, wenn ich auch schön sein wollte, nicht dünn genug war.“

Mit zehn war Megan konstant auf Diät. Mit vierzehn wurde bei ihr Magersucht diagnostiziert. Sie wog 29 Kilo und musste im Krankenhaus per Schlauch ernährt werden. „Ich frage mich, wie ich es lebend geschafft habe. Weil ehrlich: Ich sollte nicht hier sein. Vor sieben Jahren lag ich in einem Krankenbett und meine Eltern bekamen gesagt, dass ich die Nacht nicht überleben würde“, das schreibt sie als Bodyposipanda heute auf ihrem gleichnamigen Instagram-Account über den Tiefpunkt ihrer Krankheit. Ihr ganzes Leben hätte damals aus Hunger und Selbsthass bestanden.

Megan Jayne Crabbe hat die Nacht überlebt. Aber damit war nur eine Schlacht gewonnen. Es sollte noch Jahre dauern, bis sie sich in ihrer Haut wirklich wohl fühlte. „Vor sechs Jahren fraß ich, bis mir schlecht war. Vor vier Jahren trainierte ich jeden Tag, bis der Raum sich drehte und mir schwarz vor Augen wurde […] Alles, um mich perfekter zu machen“, berichtet sie weiter.

Doch heute weiß Megan, dass dieses Ideal des perfekten Körpers nicht nur für die meisten schlicht unerreichbar, sondern auch schädlich und gefährlich sein kann. Und wie viel Lebensfreude sich entfaltet, wenn man seinen Körper so annimmt, wie er ist.

Was ihr auf ihrem Weg geholfen hat, ist vor allem die Body-Positivity-Bewegung, die zwanghaftes Kalorienzählen, die Jagd nach dem perfekten Körper und Selbsthass ablehnt. Oder wie Megan sie beschreibt: „Es ist die Ecke des Internets, in die du gehen kannst, wo du – egal, wie du aussiehst – immer gut genug bist. Hier gibt es keinen Druck zu glauben, du könntest erst glücklich sein, sobald du schlanker bist […] Hier wird dir nicht gesagt, dass dein Wert darin liegt, was die Waage anzeigt. Es ist der Ort, den ich vor all diesen Jahren so sehr gebraucht habe.“

Inzwischen ist sie selbst ein wichtiger Teil der Bewegung, über 600.000 Follower hat Bodyposipanda auf Instagram. Darunter viele Menschen, die ähnliche Probleme haben. Ein Kommentar, an den sie sich immer erinnern würde, kam von einem Teenie-Mädchen, das jahrelang mit Essstörungen zu kämpfen hatte. „Sie sagte mir, dass sie dank Body Positivity zum ersten Mal Kuchen an ihrem Geburtstag haben würde. Sie schickte mir auch ein Foto von dem Kuchen, er sah großartig aus!“ Eine Geschichte wie die von tausenden anderen Frauen, deren Leben sich durch Bodyposipanda verändert hat.

Dabei beschränkt sich die Akzeptanz des eigenen Körpers nicht nur auf Kilos, ihr Account zeigt auch Frauen mit Körperbehinderungen oder Narben und dadurch, wie wichtig es ist, zu sich selbst zu stehen und freundlich und gütig mit sich und dem eigenen Körper umzugehen.

Doch es gibt auch Leute, die behaupten, Megan würde ihren Körper ruinieren und falsche Ideale promoten. Ihnen antwortet Megan: „Nö. Ich habe nur aufgehört, mich jeden Tag dafür zu foltern, dass ich einem Bild nicht entspreche, dem ich nie entsprechen sollte.“

Denn ganz egal, wie viel Gewicht sie verloren habe, es hätte immer etwas zu hassen gegeben. „Klar, Menschen müssen nicht zunehmen, um Selbstliebe zu fühlen […] Aber das ist mein glücklicher Körper.“ Wer sieht, wie viel Lebensfreude sie ausstrahlt und wie mutig und authentisch sie auch mit ihren schlechten Tagen umgeht, glaubt es ihr sofort.

„Glück ist keine Kleidergröße“, schreibt Megan und klingt dabei gelassen weise. „Ich habe viel zu viele Jahre damit verschwendet das zu glauben. Ich werde nicht damit aufhören, die Leute wissen zu lassen, dass sie Glück verdienen so, wie sie sind. Sie verdienen es, jetzt zu leben – nicht erst mit fünf Kilos weniger.“