Wieso Distanz wahrer Freundschaft nichts anhaben kann

Es gibt nicht nur Fernbeziehungen, sondern auch Fernfreundschaften. Aber wie bleibt man befreundet, wenn man tausende Kilometer voneinander getrennt wohnt? 

Freundschaft

Zum Glück können wir heutzutage auch ohne Flaschenpost Co. über Ozeane hinweg miteinander kommunzieren © Pellegrina/ Photocase

Mit manchen Menschen passt einfach alles: Gleicher Humor, gleiche Werte, gleiche Wellenlänge. Ihr versteht einander fast ohne Worte. Dumm nur, wenn ihr an verschiedenen Orten leben müsst.

Entfernung an sich ist jedoch kein allzu großes Hindernis, wenn ihr es nicht zu einem werden lasst. Wahre Freundschaft hat nichts damit zu tun, wie oft oder wie selten man sich sieht. Zwar belegen Studien, dass räumliche Nähe die Entstehung und den Erhalt von Freundschaften begünstigt; Aber das Herz bestimmt, wen und was es will und insbesondere, wie viel Mühe es zu investieren bereit ist.

Wie kann das klappen?

Fernfreundschaften erfordern meiner Erfahrung nach vor allem drei Dinge: Zeit, emotionale Eigenständigkeit und Verständnis.

Man muss sich einfach hin und wieder Zeit für ausgedehntere Skype- oder FaceTime-Sessions nehmen, um den Anschluss an das Leben der anderen Person nicht zu verlieren. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen und zu akzeptieren, dass ihr beide ein eigenes Leben habt.

Wer schnell eingeschnappt ist, weil sich der*die andere nicht sofort meldet und ständig auf Nachricht lauert, wird es schwer haben.

[Außerdem bei ze.tt: Der Unterschied zwischen Herzensfreunden und Durchschnittsfreunden]

So läuft eine gute Fernfreundschaft:

Ihr zeigt euch immer wieder, dass ihr euch wichtig seid. Und sei es auch nur eine kurze „Ich denk an dich“-Nachricht.

Und ihr schickt euch auch manchmal kleine Geschenke. Vielleicht ein Buch, ein Aufkleber, eine Tüte Weingummis oder ein Glas Nutella.

Ihr seid unendlich dankbar für den technischen Fortschritt. Morgens Snapchat, mittags Facebook, abends Facetime oder Skype – ohne Internet und soziale Netzwerke wäre es viel schwieriger für euch.

Ihr beantwortet eure Nachrichten immer, ohne Ausnahme. Es dauert wegen der Zeitverschiebung zwar manchmal ein wenig, aber die Antwort kommt.

Ihr wisst, was ihr aneinander habt. Auch, wenn ihr euch das nicht mehrmals täglich mit glühenden Freundschaftsschwüren versichert.

Für alberne Streits über Nichtigkeiten und Ego-Kram habt ihr keine Zeit.

Ihr habt die jeweiligen Orte und Uhrzeiten zusätzlich auf dem Handy eingestellt. Damit ihr immer wisst, wie das Wetter bei der anderen Person ist.

Wenn ihr nachts wach liegt oder beschwipst nach Hause kommt, dann ist am anderen Ende der Welt jemand, der auch wach ist und zuhören kann – weil es da drüben einfach mal mittags ist.

Ihr müsst nicht zusammen in Clubs und Bars abhängen, ihr könnt auch auf Skype wilde Partys feiern.

Eure Gespräche mögen nicht so häufig stattfinden, wie ihr es gern hättet – dafür sind sie manchmal so hilfreich und intensiv wie Therapiesitzungen.

Ihr schmiedet gemeinsam Wiedersehenspläne und denkt euch neue Abenteuer aus.

Wenn ihr euch dann wieder seht, ist es so, als wäret ihr keine Sekunde getrennt gewesen.

Freundschaft, die es wert ist

Ich habe zwei sehr gute Freundinnen in Übersee, eine in Los Angeles und eine in Rio de Janeiro. Trotz der Distanz und des Zeitunterschieds stehen wir uns sehr nah. Wenn Menschen so fest im Herzen verankert sind, dann können auch mal Wochen ohne Kontakt vergehen – das Band der Freundschaft bleibt stark. Um füreinander da zu sein, wenn es drauf ankommt, braucht man keine gemeinsame WG-Küche.

Ja, es ist manchmal nicht ganz einfach, aber ihr wisst: Diese Freundschaft ist es definitiv wert.

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