Willst du lieber Koks oder Keime in deinem Trinkwasser?

Wasserfilter liegen zur Zeit groß im Trend. Das hat auch etwas mit der Angst vor Drogen im Trinkwasser zu tun.

Dein Wasserhahn bringt dir nicht nur Wasser. Er erfreut dich auch mit Krankheitserregern und Spuren von Kokain. © Sean Gallup/Getty Images

Eine zunehmende Zahl an Menschen, die ein festes Gehalt haben, nur am Wochenende ausgehen und ihre Nussmischung im Fachhandel kaufen, filtern mittlerweile ihr Wasser. Nein, schlimmer: Sie finden ungefiltertes Wasser ekelhaft. Ekelhaft! Also, verschimmelte Leberspätzle sind ekelhaft. Meinetwegen auch Wodka-Red Bull. Aber unser Leitungswasser?

In meiner Grundschule gab es das Fach Heimat- und Sachunterricht. Da besprach man unter anderem die Wasserreinigungsanlagen unseres Heimatdorfes. Uns wurde erklärt, dass wir unser Grund- und Regenwasser trinken könnten, ohne Angst vor Keimen haben zu müssen. Was waren das nur für unbeschwerte Zeiten.

Im Berlin der Gegenwart, der Metropole der Buchenweizen-Burger und des Berghains, ist das ein bisschen anders. Laut Abwasserstudien geraten hier und anderswo zunehmend Medikamenten- und Drogenreste in unser Grund- und Abwasser. Obwohl das Wasser im Klärwerk und Uferfiltrat gesäubert wird, sollen sich Reste von knapp zweieinhalb Kilo Koks in Berlins Abwasserkanälen herumtreiben.

[Außerdem bei ze.tt: Das ist unser Gehirn auf Drogen]

Viele meiner Bekannten geraten angesichts solcher Schlagzeilen in Panik. Sie kaufen sich zusätzliche Wasserfilter, durch die sie das Wasser zu Hause fließen lassen. Danach schmeckt es in der Tat weicher und süßlicher als das harte Großstadtwasser. Der Kalkgehalt wird reduziert Keime angeblich ausgesiebt. Theoretisch jedenfalls. Praktisch befinden sich nach dem Filtern unter Umständen mehr Keime im Wasser als zuvor. Die können sich an der Oberfläche des Aktivkohlefilters sammeln, durch den das Wasser fließt. Im feuchten Milieu vermehren sie sich ganz hervorragend und werden dann in das Wasser abgegeben.

Und was ist mit den Drogenresten? Man könne keine Spuren im Leitungswasser feststellen, sagte der Abwasserforscher Fritz Sörgel 2015 der taz. Die Rückstände, die sich im Grundwasser befinden, seien unmessbar klein. Sowieso hat Stiftung Warentest dem deutschen Leitungswasser im vergangenen Jahr attestiert, mehr Mineralien und weniger chemische Rückstände zu beinhalten als viele Mineralwasser.

Statt sich vor Leitungswasser zu ekeln und Filter mit fragwürdiger Wirkung einzusetzen, sollten wir uns daran erinnern, dass Wasser aus einem Hahn in der Wand ist eine ziemlich luxuriöse Sache, an der möglicherweise gar nicht mehr viel herumgetüftelt werden muss. Außer man gibt eben gerne Geld für sinnlose Gadgets aus.