Ganz viel nackte Merkel – so ist die erste deutsche Charlie Hebdo-Ausgabe

Seit 1. Dezember erscheint die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ auch in Deutschland. In der ersten Ausgabe heißt das Spott-Opfer Angela Merkel.

Charlie Hebdo verpasst Merkel einen neuen Auspuff. © ze.tt

Auf dem Cover liegt eine dicke Kanzlerin Merkel auf dem Bauch auf einer Hebebühne, unter ihr steht ein VW-Mitarbeiter und hält einen überdimensionalen Auspuff in der Hand. Er sagt: “ Ein neuer Auspuff und es geht noch 4 Jahre weiter“. Der Titel der Ausgabe: „VW steht hinter Merkel“.

Charie Hebdo ist für seine derb-witzigen, teilweise respektlosen Inhalte bekannt und macht auch für die erste deutsche Ausgabe keine Ausnahme. Rund 200.000 Stück Exemplare der ersten Ausgabe wurden gedruckt, in der die deutsche Kanzlerin ordentlich ihr Fett wegkriegt. Auf der Titelseite wird impliziert, dass ihr ein Auspuff in den Hintern geschoben wird. Eine Seite später sieht man sie nackt mit schwarz-rot-goldenen Nippel-Pasties und einem Hula-Hoop-Reifen aus Stacheldraht auf einer EU-Flagge tanzen. Charlie Hebdo macht gewohnt starkes Programm: Durch bissige Provokation macht es auf 16 Seiten auf Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam.

Im Mittelpunkt der Ausgabe steht eine gelungene Deutschland-Reportage namens „Rabenmutti und Vaterstaat: Wer lebt glücklich in Deutschland?“ Auf vier Seiten erzählen Menschen aus Hamburg, Berlin, Dresden wie es ist, deutsch und Deutsche*r in Europa zu sein. Die Befragten stehen für eine bunte, repräsentative Menschenmischung: vom  Straßenverkäufer, über den Studenten, die Schauspielerin und den Antifa-Aktivisten, bis hin zum Ökobauern und zur SPD-Politikerin.

© ze.tt
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Abgesehen von der Reportage sind die restlichen Texte aus dem Französischen übersetzt. In Zukunft soll ein Viertel der Inhalte und ab und zu die Titelseite exklusiv für Deutschland produziert werden. Die kleine französische Redaktion produziert alle Inhalte an einem geheimen Ort, wahrscheinlich in Paris. Es bleibt abzuwarten, ob und wie der provokative französische Humor in Deutschland seine Anhänger*innen finden wird, oder ob der Humor in der Übersetzung ohnehin verloren geht.

Wie es bei Satire immer so ist, wird das deutsche Charlie Hebdo nicht alle begeistern. Für die einen wird es im besten Falle grenzwertig und tabulos, im schlechtesten Falle beleidigend und geschmacklos sein. Andere werden den spöttischen Humor charmant und erfrischend finden und sich wohl für vier Euro auch die nächste Ausgabe kaufen. Erwähnt sei auch: Charlie Hebdo hat über den Spott hinaus auch ernste Themen. Der Artikel über Fidel Fillon auf Seite 3 zum Beispiel ist nicht nur witzig, sondern eine scharfsinnige Kritik an der politischen Landschaft Frankreichs.

[Außerdem auf ze.tt: „Charlie Hebdo“-Sonderausgabe: So sieht das Cover zum Jahrestag aus]

„Es sind die Situationen, die grotesk, absurd und ungerecht sind, nicht der Humor von ‚Charlie Hebdo'“, sagt Minka Schneider, Chefredakteurin der deutschen Ausgabe. „‚Charlie Hebdo‘ ist nicht auf der Suche nach Schenkelklopfern. Den Lesern soll das Lachen manchmal im Halse steckenbleiben“.

Charlie Hebdo stand international in den Schlagzeilen, als bei einem islamistischen Anschlag am 7. Januar 2015 acht Redaktionsmitglieder getötet wurden. Das Attentat löste unter dem Motto #JeSuisCharlie eine Solidaritätswelle in der ganzen Welt aus. Seit dem Attentat ist Charlie Hebdo ein Zeichen für Presse-, Rede- und Meinungsfreiheit.