Wir müssen nicht gesund sein, um sexuell anzuregen. Nur gesund aussehen

Durch einen warmen Hautton sehen wir gesünder aus – und wirken dadurch anziehender auf unsere Mitmenschen. Selbst dann, wenn wir in Wahrheit ziemlich krank sind.

Ein warmer Hautton ist der Schlüssel! Pexels/C0

Was wir alle schon längst wussten: Wer einen warmen Teint hat, wirkt frischer, agiler und sexuell ansprechender. Und sieht so aus, als wäre er*sie gesünder.

Wissenschaftler*innen der Universität Westaustralien fanden jetzt zudem heraus, dass wir gar nicht wirklich gesund sein müssen, um attraktiver auf andere zu wirken. Es reicht tatsächlich, wenn wir nur so aussehen, als wären wir’s. Und das tun wir bereits, wenn wir einen leicht orangefarbenen Hautton haben. Mit Betonung auf leicht, nicht trumporange.

Diesen erreichen wir, indem wir die richtige Menge von Beta-Carotin zu uns nehmen. Carotinoide sind dafür zuständig, dass viele Lebensmittel in den appetitlichen Farben Rot, Gelb und Orange in Erscheinung treten. Diese orangefarbenen oder roten Naturfarbstoffe, die in Paprika, Karotten, Aprikosen und anderem Obst und Gemüse enthalten sind, werden im Körper zu Vitamin A umgewandelt. Und während wir zwar nicht rot werden, wenn wir Paprika essen, wird unsere Haut oranger, wenn wir Karotten essen. Diese gelb-rote Farbe lässt uns – ähnlich wie Obst – appetitlicher wirken, wie etliche Studien bisher belegten.

Gibt es Beta-Carotin womöglich nur dafür, sexuelle Anziehungskraft zu steigern?

Das Phänomen, dass wir gesund aussehende Menschen attraktiver finden, nennt man sexuelle Selektion oder Indikatorwahl. Oder umgekehrt: Dinge, die man bei anderen anziehend findet, sind oft Anzeichen für eine gute Gesundheit.

Aber ziehen uns dann gesunde Menschen an? Oder nur die Vorstellung davon, dass sie gesund sind? Beta-Carotin könnte laut den australischen Wissenschaftler*innen die Antwort sein. Es verändere zwar den Hautton und suggeriert unseren Mitmenschen dadurch, wir wären gesünder – aber eben ohne die Gesundheit tatsächlich zu verbessern.

Es wird angenommen, Beta-Carotin reduziere Oxidationsprozesse, reguliere das Zellwachstum, steuere Reaktionen des Immunsystems und erfülle viele weitere wichtige Funktionen im Körper. Aber bewiesen sei das nicht. Vögel verwenden Beta-Carotin offenbar in ähnlicher Weise, auch ohne gesundheitliche Vorteile, nur um mit dem Pigment ihre Federn zu färben. Hellere Federn machen Vögel attraktiver für andere Vögel. Es scheint also, als steigere Beta-Carotin auch die sexuelle Anziehungskraft für andere Geschöpfe. Womöglich ist es auch nur deswegen da.

Die Gesichter auf der rechten sind mehr gelb-rötlicher und wurden deshalb als attraktiver empfunden. © Yong Zhi Foo

Um das zu beweisen, verabreichten die Forscher*innen männlichen Probanden kontrollierte Mengen von Beta-Carotin, um ihren Hautton langsam zu ändern. Anschließend zeigten sie weiblichen Probanden Bilder – und diese empfanden die Männer mit wärmerem Hautton durchschnittlich attraktiver und gesünder. Obwohl sich an der Gesundheit nichts änderte. Die Männer hatten einfach einen mehr gelblich-rötlichen Hautton als vorher. Das reichte schon aus, attraktiver zu sein.

Also: Selbst wenn uns nichts daran liegt, gesünder zu werden – indem wir uns zum Beispiel generell vernünftig ernähren und uns genug bewegen – können wir ja immer noch Karotten knabbern, um zumindest so auszusehen. Oder Süßkartoffeln, oder Kürbisse, oder Spinat. Ja, in Spinat ist auch Beta-Carotin.

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