Wissenschaft streitet, ob wir wegen dieses riesigen Eisbergs durchdrehen sollten

Ein Eisberg, dessen Fläche etwa dem Zweifachen von Luxemburg entspricht, ist von der Antarktischen Halbinsel abgebrochen. Die Folgen und Ursachen sind umstritten.

Eismassen der Antaktis. Foto: Mario Tama/Getty Images

Es regnet, es schneit, es ist kalt, es ist warm – wie immer halt. So direkt bekommen wir nicht so viel mit von diesem Klimawandel. Aber er ist im Gange, auch wenn er weit weg passiert. Am Mittwoch meldeten Wissenschaftler*innen des britischen Forschungsprojekts MIDAS, dass einer der größten je beobachteten Eisberge in der Antarktis abgebrochen ist.

Das bedeutet, dass nun ein 5.800 Quadratkilometer großer Eisblock, der den Namen A68 trägt, im Wasser umhertreibt. Schon seit Mai beobachteten die Forscher*innen eine fortlaufende Abtrennung, in der Fachsprache: Kalbung des Eisblockes vom Schlefeis Larsen-C. Das abgebrochene Stück bewegt sich derzeit mit dem Strom in Richtung Norden, schreibt ZEIT ONLINE.

Hat das was mit dem Klimawandel zu tun?

MIDAS-Mitarbeiter Martin O’Leary bezeichnete das Ereignis als einen natürlichen Vorgang, eine direkte Verbindung zum Klimawandel sei nicht gegeben. Eisinseln lösen sich regelmäßig und wachsen am anderen Ende wieder nach. Ob das auch bei Larsen-C der Fall sein wird, ist ungewiss. „Fest steht allerdings, dass das Schelfeis durch den Verlust einer so großen Fläche verletzlicher geworden ist“, sagt O’Leary.

Viele Klima-Expert*innen bewerten die Situation allerdings drastischer: Für sie ist das Kalben von Larsen-C ein eindeutiges Zeichen für die Auswirkungen des menschenindizierten Klimawandels.

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Einen unmittelbaren Anstieg des Meeresspiegels hat der Bruch von Larsen-C nicht zur Folge – obwohl sich die Wissenschaftler*innen und demzufolge auch Berichterstattungen da wieder nicht ganz einig sind. Am Mittwoch kündigten diverse Medien, unter anderem auch die tagesschau und die taz einen Anstieg des Meeresspiegels um zehn Zentimeter an und knüpften Zusammenhänge mit dem Klimawandel. Heute revidierten sie das. Nach Informationen der FAZ würde es sich selbst im schlimmsten Falle nur um einen Anstieg von wenigen Millimetern handeln.

Und wie geht es nun weiter für den Eisberg?

„Wie weit der Eisberg treiben wird, hängt unter anderem von der Bodentopografie ab“, sagte Thomas Rackow vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven der FAZ, „er könnte als ganzer Eisberg erhalten bleiben oder schnell in viele kleinere Stücke zerfallen. Im ersten Fall stehen die Chancen gut, dass er zunächst für etwa ein Jahr entlang der Antarktischen Halbinsel durch das Weddell-Meer treiben wird. Dann dürfte er Kurs Richtung Nordosten nehmen. Das heißt, er würde in etwa Südgeorgien oder die Süd-Sandwich-Inseln ansteuern und hier verstärkt schmelzen.“

Wie Adrian Luckman, leitender Forscher bei MIDAS der New York Times sagte, ist das übriggebliebene Schelfeis nun auf die kleinste jemals gemessene Größe geschrumpft. „Das ist eine Riesenveränderung. Karten werden umgezeichnet werden müssen“, sagte er. Wer möchte, kann sich auf Twitter und auf dem Blog des Forschungsprojekts MIDAS auf dem Laufenden halten.

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