Wollte die AfD als Anglerverein ein Lokal anmieten?

Verwirrung im badischen Linkenheim: Der Pächter eines Vereinslokals sagt, die AfD hätte sich als Anglerverein ausgegeben, um einen Saal zu mieten. Er kam dahinter und stornierte. Die Partei widerspricht, suchte Ersatz – und wurde erneut ausgeladen.

Quelle: Facebook-Seite des Restaurants

Das Restaurant Waldblick Quelle: Facebook-Seite des Restaurants

Seit 2011 betreibt ein Wirt, der seinen Namen hier nicht lesen will, die Pizzeria „Waldblick“ in Linkenheim-Hochstetten (Landkreis Karlsruhe). Auf der Facebook-Seite des Restaurants postet er normalerweise Sachen wie „Mittwoch ist Rumpsteaktag“ – und bekommt dafür 57 Likes. Am Dienstagabend knackte er mit diesem Post die 1000-Likes-Marke:

Hatte die Alternative für Deutschland (AfD) tatsächlich versucht, sich heimlich als Anglerverein einen Saal zu mieten? Ob wahr oder nicht, wie in sozialen Netzwerken üblich, verbreitete sich der Post in Windeseile. Vor allem auf reddit zeigten sich Nutzer kreativ:

 

„reddit“-Nutzer haben ihren Spaß. © reddit

Die AfD schließt eine vorsätzliche Lüge aus. „Das ist eine Räuberpistole ersten Ranges“, sagte Jörg Meuthen, Landessprecher der AfD in Baden-Württemberg. Tatsächlich habe sich folgende Geschichte ereignet: Am 6. November hatten sich Angler zum „Politischen Fischereitag“ im Waldblick getroffen. Dort waren Politiker verschiedener Parteien vor Ort, um ihre Positionen zum Fischereirecht darzulegen – darunter war auch ein AfD-Mann. Dieser habe im Anschluss an die Veranstaltung gefragt, ob das Lokal prinzipiell für Veranstaltungen der AfD zu mieten sei.

Bis hierhin decken sich die Aussagen des Wirts und Meuthens.Was dann passierte, beschreiben beide unterschiedlich:

AfD-Mann Meuthen: Der Wirt habe sich aufgeschlossen gezeigt. Ein AfD-Mitglied (das sich auch als solches zu erkennen gab) buchte daraufhin für Freitag, den 4. Dezember einen Saal für rund 80 bis 100 Leute. Der Wirt sagte zu. Zwei Tage vorher habe er storniert. Meuthen vermutet: „Der arme Mann wurde vom Verein unter Druck gesetzt.“

Der Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Jörg Meuthen, sitzt am 28.11.2015 auf dem 4. Bundesparteitag der Alternative für Deutschland (AfD) in Hannover (Niedersachsen) auf seinem Platz. Foto: Swen Pförtner/dpa
Der Bundesvorsitzende der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Jörg Meuthen. © Swen Pförtner/dpa

Der Wirt: Auf die Anfrage habe er zurückhaltend reagiert und mitgeteilt, dass er das – wenn es soweit wäre – nicht alleine entscheiden könne, sondern mit der Vorsitzenden des Sängerbundes besprechen müsse. Der Verein ist Inhaber des Lokals. Wochen später habe ein Mann angerufen und lediglich mitgeteilt, dass er für einen Anglerverein 80 bis 100 Plätze im Nebenraum reservieren wolle. Der Wirt sagte zu und notierte Name und Nummer des Anrufers.

Die AfD schaltete dann Anzeigen in der Zeitung und bewarb die Veranstaltung „Für unser Land – Für unsere Werte“ in seiner Gaststätte. Das bekam der Wirt zwar nicht mit, wohl aber die Vorstandsvorsitzende des Sängerbundes (und zugleich Inhaberin der Gaststätte). Sie sprach den Wirt darauf an – überließ ihm jedoch die Entscheidung, was zu tun sei.

Der Wirt sagt, dass er der Sache auf den Grund gehen wollte und die Nummer wählte, die er in sein Notizbuch geschrieben hatte. Der Angerufene räumte ein, dass es sich um eine AfD-Veranstaltung handele. Wie der Wirt erzählt, sagte der Mann am Telefon weiter: „Ich hab wohl vergessen, das zu sagen.“ Daraufhin entschied sich der Restaurantbetreiber, die Veranstaltung zu stornieren. Das habe nicht unbedingt politische Gründe gehabt: „Sie haben versucht, mich zu täuschen“, sagt er zu ze.tt.

Die AfD kümmerte sich nach der Absage rasch um Ersatz und wurde gut zwei Kilometer weiter in der Pizzeria „Da Carmelo“ fündig. Sie schaltete Anzeigen mit dem neuen Veranstaltungsort – nur um am Veranstaltungstag erneut eine Absage zu kassieren. „Das ist ziemlich offensichtlich, dass die Wirte unter Druck gesetzt werden“, sagt Meuthen. Beweisen könne man das jedoch nicht. Er will dennoch nach Linkenheim fahren. „Wir werden uns in den Regen vor die Gaststätte stellen – zum Absagen ist es jetzt zu spät.“