World Press Photo Awards: So düster ist die Welt nun auch nicht

Flucht unter einem Stacheldrahtzaun, fliehende Menschen im Dunkel der Nacht auf Lesbos, die Ruinen nach der Explosion von Tianjin. 2015 war kein gutes Jahr, der World Photo Award reflektiert das ziemlich deutlich. Die Bilder zeigen auch: Wir geben nicht auf. Ein Kommentar.

© Warren Richardson

Das Siegerbild. Hoffnung auf ein neues Leben. © Warren Richardson

Einen wichtigeren Preis gibt es nicht. Warren Richardson bekommt den World Press Photo Award für sein Foto eines Vaters, der sein kleines Kind unter einem Stacheldrahtzaun hindurchreicht. Es ist die Grenze von Serbien nach Ungarn. Für viele Flüchtende ist der Weg da noch lange nicht zu Ende.

Als wäre es Kohle auf einem Blatt, sagt einer der Juroren über den Stil des Fotos. Man fühlt  mit dem Vater; es stand heraus unter den anderen Einreichungen, es ist ein gutes Symbol für die Flüchtlingskrise des Jahres 2015.

Mein erster Impuls war, mich erneut über die düsteren Sieger der Awards zu ärgern. Aber die Welt ist so düster, leider. Wir müssen ihr uns stellen.

© Mauricio Lima
Ein IS-Kämpfer mit schweren Verbrennungen. © Mauricio Lima

Der World Photo Award zeigt uns die Realität, ja. Und doch sind die Bilder ausgewählt, kuratiert. Die Juroren zeichnen außergewöhnliche Leistungen aus. Fotojournalisten rund um die Welt riskieren an jedem Tag ihr Leben, um uns die Realität zu zeigen. Es ist eine fordernde, verzehrende Aufgabe.

© Chen Jie
Tianjin nach der Explosion. © Chen Jie

Es gibt so viel Gutes in der Welt

Was fehlt, ist dennoch das Licht. Es gab viel Gutes im vergangenen Jahr. Menschen die Flüchtenden helfen, die Leben retten. Männer, die für ihre verlorene Liebe gigantische Sonnenblumenfelder pflanzen oder Mütter, die zwischen Uni, Job und Ehrenamt tanzen und alles irgendwie auf die Reihe bekommen. Oder Emily und Kate: Das lesbische Paar bekam zwei Söhne, nur wenige Tage nacheinander. Nun ziehen sie sie gemeinsam auf, die Fotografin Sara Naomi Lewkowicz begleitet sie. Dafür bekam sie den dritten Preis in der Kategorie Contemporary Issues.

© Sara Naomi Lewkowicz
Emily und Kate nach der Geburt ihrer Söhne. © Sara Naomi Lewkowicz

Es sind diese Geschichten, an die wir denken müssen. Es ist manchmal verführerisch, schlimme Bilder zu zeigen – viele Leser klicken darauf. Aber wir erzählen auch die guten Geschichten.

© Tim Laman
Ein Orang Utan im Dschungel. © Tim Laman

Oft sind sie irgendwie klein, ziemlich persönlich, sie zeigen das große Ganze nicht und, naja, die Action fehlt. Das ist eine traurige Feststellung. Wir sollten uns wieder mehr Zeit für die guten Geschichten nehmen.


Alle Siegerbilder findet ihr hier.