Wozu Selbstzweifel dienen – und wie ihr sie endlich ablegen könnt

Selbstzweifel fühlen sich blöd an. Die negativen Gedanken über uns selbst halten uns klein, lösen Minderwertigkeitsgefühle und Ängste aus. Und doch haben sie einen Sinn.

Zweifel fühlen sich schlecht an - und haben doch einen Sinn. Foto: Pexels | CC0 Lizenz

Ein Aha-Moment

„Zweifel sind Gewohnheit.“ Als ich diesen Satz aufgeschnappt habe, ging mir ein Licht auf: Aha! Zweifel sind Gewohnheit. Doch bis das Licht wirklich hell leuchtete, musste ich den Satz mehrmals in meinem Kopf hin und her wenden. Zweifel sind Gewohnheit. Zweifel sind Gewohnheit. Zweifel sind … Gewohnheit! Zweifel sind – klar – Gewohnheit! *bling*

Zweifel gehören also irgendwann dazu. Wir trainieren sie uns im Laufe unseres Lebens an. Ein Zweifel ist aber erstmal nur ein Gedanke, der etwas infrage stellt. Nicht mehr und nicht weniger. Doch wenn wir ständig uns selbst, unsere Fähigkeiten und Entscheidungen infrage stellen und dem ganzen Gedankenwirrwarr auch noch unseren Glauben schenken, dann kann das ganze Vorhaben in einer unschönen Spirale enden.

Das Gesetz der Anziehung wirkt nicht nur außen, sondern auch in unserem Inneren: Ein zweifelnder Gedanke zieht den nächsten zweifelnden Gedanken an, und den nächsten und den nächsten. Dann sammeln wir außen fleißig Beweise darüber – in der Regel unbewusst – dass wir’s doch wussten. „Recht hab‘ ich gehabt, die anderen sind besser als ich!“ Es fühlt sich doof an, doch immerhin; recht haben wir gehabt.

Darum könnt ihr Selbstzweifel in die Tonne kloppen

1. Selbstzweifel stellen euer Licht unter den Scheffel

Eure zweifelnden Gedanken – und glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung – sorgen dafür, dass ihr im Dunkeln bleibt, dass euer Licht nur schwach und unscheinbar vor sich hinglimmt. Ein strahlendes Feuer sieht anders aus. Zweifel flößen euch ein, ihr seiet nicht gut genug, nicht schön genug, nicht liebenswert. Selbstzweifel halten euch in euch selbst gefangen.

2. Selbstzweifel machen krank

Zweifel können zu psychischen und physischen Krankheiten führen. Depressionen und Angsterkrankungen können die Folge starker Selbstzweifel sein.

3. Selbstzweifel zerstören euer Selbstvertrauen

Sie nagen und nagen und nagen. Und zwar an dem Wertvollsten, das ihr habt: eurem Selbstvertrauen. Ohne Selbstvertrauen ist es quasi unmöglich, euch weiterzuentwickeln und neue Herausforderungen anzugehen.

4. Selbstzweifel schaden euren Beziehungen

Selbstzweifel gehen in der Regel selten mit wirklich guter Laune einher. Sie lösen eher Konkurrenzgefühle aus und die sind weder für Freund- noch für Partnerschaften heilsam.

5. Selbstzweifel untergraben eure Kreativität

Eure kreative Kraft ist sehr eng mit eurem Selbstvertrauen verbunden und wird am ehesten entfacht, wenn ihr euch zugesteht, Fehler machen zu dürfen. Wer jemals in einem kreativen Schaffensprozess steckte, weiß, dass Fehler beziehungsweise Versuche natürliche Bestandteile des Prozesses sind. Doch Selbstzweifel halten genau diesen kreativen Prozess auf. Genau genommen kommt er wegen ihnen gar nicht zustande.

Und doch: Neben all den Gründen – und es gibt noch viel mehr – haben Selbstzweifel auch einen Sinn, einen Gewinn für uns.

Wozu Selbstzweifel dienen

Auch wenn sich der Gewinn von Selbstzweifeln auf den ersten Blick nicht als solcher identifizieren lässt, so ist er doch vorhanden. Da ist zum Beispiel der Gewinn, dass ich, solange ich zweifle, nicht für mich und meine Projekte losgehen muss. Ich kann in meiner Komfortzone bleiben und muss nicht den Text schreiben, das Angebot online stellen, das Telefonat führen und so weiter. Denn ich bin ja mit zweifeln beschäftigt und wer würde schon einen Text schreiben, ein Angebot online stellen oder ein Telefonat führen, wenn es doch eh zu nichts führt, weil die anderen ja besser sind als ich.

Ein weiterer Gewinn: Solange ich nicht losgehe, kann ich auch nicht scheitern. Meine Zweifel bewahren mich also vor dem befürchteten Scheitern. Außerdem mache ich mich nicht messbar, solange ich mich in meiner Komfortzone verstecke. Ich entziehe mich Bewertungen und möglichen Verletzungen durch andere, die meine Arbeit und mich sehen würden, würde ich mich damit raustrauen.

Und nicht zu vergessen das oben erwähnte recht haben. Recht haben fühlt sich meistens stimmig an, auch wenn das, worüber wir recht bekommen, unschön ist. Wenn ich recht darüber bekomme, dass ich mal wieder schlechter bin als meine Kollegin, weil sie den Auftrag bekommt, dann fühlt sich das zwar nicht gut an, doch stimmig im Sinne von „es passt in mein zweifelndes Gedankensystem“.

Selbstzweifel sind anziehend

Die Gewinne hinter den Zweifeln machen das Selbstzweifeln geradezu attraktiv, auch wenn es sich scheußlich anfühlt. Wir tun das also nicht, weil wir doof sind, sondern weil wir damit unbewusst eine meist schützende Strategie für uns verfolgen.

Dieser Dynamik auf die Schliche zu kommen, also den Gewinn hinter den Selbstzweifeln zu verstehen, ist erhellend. Von diesem Erkenntnispunkt aus haben wir die Möglichkeit, liebevoll unsere Selbstzweifel zu umarmen. Schließlich haben sie uns gedient.

Im nächsten Schritt geht es dann um die neue, bewusste Wahl: Wenn ihr eure Selbstzweifel verstanden habt, sie Stück für Stück liebevoll annehmt, dann könnt ihr euch bewusst für neue Gedanken entscheiden, die das Vertrauen in euch stärken.

Zweifeln, das ist also nichts in Stein gemeißeltes, das ist keine fixe Charaktereigenschaft. Das ist ein unbewusst antrainiertes Mindset. Und wir können dieses Zweifel-Mindset verkleinern und dafür unser Vertrauens-Mindset stärken. Wie einen Muskel.

Welche Gewinne entdeckt ihr noch in euren Selbstzweifeln?

Wozu dienen sie euch?

Wovor beschützen sie euch?


Von Steffi Jungbauer auf EDITION F.

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