Würdest du für einen Gig dieser Sängerin 150 Euro löhnen?

In Japan und China ist sie einer der größten Stars überhaupt. Sie hat bereits mehr als 100.000 Songs und auf Facebook über 2,5 Millionen Fans. Ihre Konzerte sind innerhalb von Sekunden restlos ausverkauft – und das alles, obwohl sie gar nicht wirklich existiert. Trotzdem geht Hatsune Miku jetzt auf große US-Tournee.

Screenshot: The Creators Project/Youtube

Hatsune Miku – eine echte Ikone. Screenshot: The Creators Project/Youtube

Sie ist 1,58 groß und sehr zierlich. Ihr türkises Haar reicht bis zu den Knöcheln. Sie trägt eine Schuluniform, die ihr etwas zu knapp ist und hat riesige Augen. Hatsune Miku sieht aus wie eine Mangafigur – was daran liegen könnte, dass sie eine ist.

Eine ziemlich erfolgreiche obendrein. Toyota und Google werben mit ihr, in Japan trat sie bereits als Support für Lady Gaga auf. Dabei ist sie nur ein Avatar. Für ihre Konzerte wird sie als Hologramm auf die Bühne projiziert. Die Fans feiern das. Denn wenn sie Glück haben, singt Miku ihren Song.

Hinter Hatsune Miku, was so viel wie „Klang aus der Zukunft“ bedeutet, steckt eine clevere Verkaufsstrategie: Erfunden wurde Miku vom Musikunternehmen Crypton Media Future. Das entwickelte eine Software mit dem Namen Vocaloid, mit der jeder Texte und Melodien für Miku schreiben kann. Das Programm bastelt daraus den Song mit Mikus Stimme, die einer populären japanischen Synchronsprecherin nachempfunden ist. Miku kann Japanisch, Englisch – sie singt Pop und Rock. Niemand sonst ist so vielseitig.

Die besten Songs werden auf iTunes und Amazon verkauft. Mit der Software „Miku Miku Dance“ können User auch noch Musikvideos für den japanischen Avatar-Star produzieren.

Der größte Traum ihrer Fans ist es, einmal während eines Konzerts einen Song von ihr zu hören, den sie selbst geschrieben und choreographiert haben. Für Konzerttickets geben Anhänger von Miku zwischen 33 und 150 US-Dollar aus. Begleitet wird Miku von einer Live-Band sowie vier anderen Hologramm-Sänger*innen. Doch keine*r ist so beliebt wie sie.

Miku hat nie ein Interview gegeben oder einen Skandal provoziert. Eine Figur hinter ihrer Oberfläche gibt es nicht. Aber sie darf Dinge, die in Japan kein anderer Popstar darf. Beispielsweise gibt es ein Lied, in dem sie über Selbstmord singt. Niemand aus Fleisch und Blut dürfte sich in ihrer Heimat so gesellschaftskritisch äußern.

Und der Erfolg gibt ihr recht. Selbst Pharrell Williams produzierte für einen ihrer Songs einen Remix. Miku ist der perfekte Popstar – die perfekte Projektion.

Die aktuellen Daten von Mikus US-Tournee gibt’s auf ihrer Facebook-Page.