Xavier Naidoo fährt für Deutschland zum ESC: der falscheste Kandidat

Xavier Naidoo hält Deutschland für keinen souveränen Staat. Trotzdem fährt er für uns zum Eurovision Song Contest 2016. Ein Kommentar.

© Clemens Bilan/Getty Images

Xavier Naidoo © Clemens Bilan/Getty Images

Xavier Naidoo kann singen. Das sagen zumindest Leute, die auf in Pathos ertrinkende Schnulzen und gesungene Durchhalteparolen stehen: Sei stark, halte durch, glaube an dich und deine Brüder. Das Gründungsmitglied der Söhne Mannheims vertritt Deutschland 2016 beim Eurovision Song Contest (ESC) in Stockholm. 

Xavier für Deutschland. Genau, das ist der Xavier Naidoo, der im ARD Morgenmagazin 2011 das hier sagte: „Wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land. Deutschland hat keinen Friedensvertrag und dementsprechend ist Deutschland auch kein echtes Land und nicht frei.“

Und das ist der Xavier Naidoo, der am Tag der Deutschen Einheit 2014 in Berlin vor den sogenannten „Reichsbürgern“ gesprochen hat. Die Mitglieder dieser verblendeten Gruppierung erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht an, es sind hauptberufliche Verschwörungstheoretiker mit rechtsextremen und antidemokratischen Ansichten. Mitten unter ihnen: Xavier Naidoo. Der Medienjournalist und Blogger Stefan Niggemeier bringt es auf den Punkt:

Zusammenfassen lässt sich das Dilemma so: Jemand, der die Bundesrepublik Deutschland für nicht eigenständig hält, fährt für die Bundesrepublik Deutschland zum Eurovision Song Contest. Kann man auch keinem erzählen.

Wie ist es zu der Besetzung gekommen?

Dieses Jahr gab es noch einen Vorentscheid zum ESC. Bei dem sind unterschiedliche Sängerinnen und Sänger aufgetreten, das Publikum durfte abstimmen. Der Sieger hieß Andreas Kümmert. Zum Wettbewerb nach Wien fuhr trotzdem eine andere Kandidatin, Ann Sophie. Kümmert wollte nicht. Ann Sophie holte den letzten Platz.

Vielleicht haben sich die Organisatoren der ARD diesmal gedacht: nochmal passiert uns sowas nicht. Deshalb bestimmten sie eben selbst einen Kandidaten. ARD-Unterhaltungskoordinator Andreas Schreiber sagt im Interview: „Wir wollten jemanden finden, der sehr gut singen kann, eine authentische Bühnenpräsenz hat und der mit seiner Ausstrahlung die Fernsehzuschauer in Europa verzaubern kann.“ Klar, Xavier Naidoo, wer auch sonst.

#EinLiedFürXavier

Am 18. Februar 2016 dürfen die Zuschauer bei der Show „Unser Song für Xavier“ über das Lied abstimmen, mit dem der Sänger starten soll. Bis dahin werden Lieder für Xavier geschrieben. „Wir wollen uns mit Kompositionsexperten der namhaftesten deutschen Musikverlage zusammensetzen. Und natürlich muss Xavier Naidoo dabei sein, denn er muss die Lieder ja singen können. Und die Kriterien liegen auf der Hand: Wir wünschen uns einen Hit!“, sagt Schreiber.

Die Mühen können sich die Macher eigentlich sparen. Bei Twitter gibt es unter dem Hashtag #EinLiedFürXavier schon gute Vorschläge für den Song:

Trotzdem: Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Xavier Naidoo in Stockholm auf den vorderen Plätzen landet. Schließlich ist er ein Gewinner-Typ. Zahlreiche Preise sammelte er in seiner Karriere, darunter sechsmal den Echo. Erst vor drei Wochen konnte der Sänger wieder eine Trophäe mit nach Hause nehmen: den Goldenen Aluhut, den Oscar für Verschwörungsfreunde in der Kategorie „Rechtsesoterik, Reichsbürger & BRD-GmbH“. Den Preis, der ihm wirklich gebührt, hat Xavier Naidoo also schon gewonnen. 12 Punkte an Deutschland!