Zach Miko zeigt, dass auch Männer ohne Sixpack Models werden können

Er ist das erste fülligere männliche Model bei der renommierten Modelagentur IMG Models. Sein Erfolg steht für eine kleine Revolution in der Modewelt.

© Bryan Bedder/Getty Images for NYFW: The Shows

Er modelt auch ohne Waschbrettbauch © Bryan Bedder/Getty Images for NYFW: The Shows

Zach Miko hat keinen Sixpack, sondern einen Bauchumfang von 107 Zentimeter. Und doch ist der 1,98 Meter große Mann als Model äußerst gefragt. Jetzt hat er sogar einen Vertrag bei IMG Models in der Kategorie „Brawn“ unterschrieben.

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Alleine der Name dieser Kategorie zeigt, dass sich etwas in der Mainstream-Modeindustrie bewegt: Übersetzt bedeutet „Brawn“ so etwas wie „Muskelprotz“ oder „muskelbepackt“. Gemeint sind damit Männer, die kräftiger als die meisten Models sind.

„Das Wort hat eine positive Message. ‚Brawn‘ steht für körperliche Stärke“, sagte Präsident von IGM Models Ivan Bart der Zeitschrift Women’s Wear Daily. Die meisten Models in seiner Kartei sind schlank und durchtrainiert. Mit der neuen Kategorie gehe es ihm allerdings nicht darum, den großen, starken Mann zu zeigen – sondern Diversität: „Zu zeigen, dass es eine Vielfalt an Größen gibt, ist wichtig und etwas, dass mittlerweile allen im Kopf herumschwirrt. Wir müssen die Debatte auf den Mann ausweiten.“

Vor seiner Modelkarriere arbeitete Zach Miko als Schauspieler und Comedian und war unter anderem in den amerikanischen Serien „Limitless“ und „Shades of Blue“ zu sehen.

Für mehr Vielfalt in der Mode

Sicherlich ist der Begriff „Muskelprotz“ mit Vorsicht zu betrachten, denn Attribute wie körperliche und muskuläre Stärke erinnern sehr an traditionelle Männerbilder.

Trotzdem kann man der Kategorie etwas Positives abgewinnen: Sie könnte zukünftig die Bezeichnung „Plus-Size“ ersetzen. Denn diese funktioniert nur als Gegenpart zu dem, was als „normal“ gilt – und das schrumpfte ja in den vergangenen Jahren immer mehr in Richtung „zero“.

Irgendwann können Modemacher vielleicht sogar ganz auf Kategorien verzichten, weil einfach alle Körper als individuell betrachtet werden.

Zudem bringen Models wie Miko (etwas) mehr Vielfalt – und vor allem Realität – in die Modewelt. Sie zeigen, dass es auch andere Körperformen gibt als Waschbrettbauch, hohe Wangenknochen und Monster-Trizeps.

Anhänger des Body-Positive-Movement dürfte diese Entwicklung freuen. Sie setzen sich für mehr körperliche Vielfalt in Mode und Medien ein. Ihnen geht es darum, dass alle möglichen Formen von Körper gezeigt werden: dicke, queere, schwarze, weiße und alles dazwischen.

Fülligere Models waren noch nie so beliebt

In der weiblichen Modewelt gibt es diese Debatte um Zero- bis Plus-Size seit Jahren. Dort hat sich schon mehr getan: Noch nie waren fülligere Models so beliebt wie jetzt, sie zieren auch die Cover von großen Sportmagazinen wie „Women’s Running“ und „Sports Illustrated“.

Models wie Precious Lee, Ashley Graham und Tess Holiday sind international erfolgreich und vermitteln ein diverseres Bild des weiblichen Körpers. Die Modeindustrie scheint verstanden zu haben, dass wir keine Einheitskörper mehr sehen wollen. Bei Frauen wie Männern.

Doch Zach Miko und seine Kolleginnen sind erst ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Bis Laufstege tatsächlich die Realität widerspiegeln, wird es wohl noch etwas dauern.