Mango und Asos lassen Kleidung von Geflüchteten produzieren – darunter auch Kinder

Eine Undercover-Recherche der BBC deckt auf, dass syrische Geflüchtete unter schlechten Bedingungen Billigmode in der Türkei nähen. Die Unternehmen wollen davon nichts gewusst haben.

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Syrische Kinder im Geflüchtetenlager Kilis in der Türkei © dpa

Dass Billigmode unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert wird, ist nichts Neues. Dass dafür syrische Geflüchtete – unter ihnen auch Kinder – ausgenutzt werden, hingegen schon. Die BBC-Doku „Undercover: The Refugees Who Make Our Clothes“ deckte das auf.

Während der Recherche fand das Team heraus, dass Syrer*innen bis zu 12-Stunden-Schichten in einer Fabrik schuften, damit die Jeans später bei Mango und Zara verkauft werden können. Viele der Geflüchteten (genau so wie türkische Mitarbeiter*innen) mussten die Stoffe ohne Gesichtsschutz mit chemischen Mitteln besprühen. In einer Fabrik in Istanbul, die für die Marken Marks and Spencer und Asos produzieren, arbeiteten syrische Erwachsene und Kinder, die mitunter erst zehn Jahre alt waren.

Die Geflüchteten verdienten dabei kaum mehr als einen Euro am Tag – weit weniger als der Mindestlohn (1.647 Türkische Lira brutto = rund 520 Euro) in der Türkei. Die meisten würden über Mittelsmänner in die Fabriken geschleust und unter der Hand bezahlt. „Wenn einem Syrer irgendetwas passiert, werfen sie ihn wie ein Kleidungsstück einfach weg“, sagte ein Mann dem BBC.

Unwissen schützt vor Verantwortung nicht

Auch, wenn alle Unternehmen die Vorwürfe ernst nehmen würden, behaupteten sie, von den Zuständen nichts gewusst zu haben. Asos habe nach Bekanntwerden die benannte Fabrik untersucht und fand heraus, dass tatsächlich elf syrische Erwachsene und drei syrische Kinder unter 16 Jahren dort arbeiteten. Das Unternehmen versprach, die Kinder finanziell zu unterstützen, so dass sie zur Schule gehen könnten.

In einer offiziellen Stellungnahme teilte Asos mit, dass das Unternehmen dieses „Wiedergutmachungsprogramm“ durchgeführt, „obwohl die Fabrik nichts mit Asos zu tun hat“. Auch Mango will nichts gewusst haben und beschuldigt Lieferanten. Untersuchungen des Unternehmens hätten keine Syrer*innen in den Fabriken vorfinden können und die Inspekteure hätten nichts zu bemängeln gehabt, „außer ein paar Arbeitsschutzmaßnahmen“.

Menschenrechtler*innen wie Danielle McMullan von der Organisation Business and Human Rights Resource Centre kritisierten die Unschuldsbekundungen: „Es ist nicht genug zu sagen, wir wussten nichts davon, es ist nicht unsere Schuld“, sagte er der BBC. „Die Unternehmen haben eine Verantwortung, zu überwachen und zu verstehen, wo und unter welchen Bedingungen ihre Kleidung gemacht wird.“

Aktualisierung am 27. Oktober 2016: Nach Hinweis der Pressesprecherin ZARA Deutschland Celin Lange-Hückstädt haben wir die Headline von „Zara, Mango & Asos lassen Kleidung von Geflüchteten produzieren – darunter auch Kinder“ zu „Mango und Asos lassen Kleidung von Geflüchteten produzieren – darunter auch Kinder“ geändert. Wir möchten richtig stellen, dass die genannte BBC-Recherche Zara nicht mit Kinderarbeit in Verbindung bringt.