Zum ersten Mal hat ein Roboter mit künstlicher Intelligenz an einer UN-Konferenz teilgenommen

Sophia ist schlau, witzig, freundlich – und ein Roboter, der vielen Angst macht. Die UN prüft nun, wie wir uns vor ihr und kommenden Robotern schützen können.

Sophia ist ein Roboter mit Humor und offener Schädeldecke. © Fabrice Coffrini/AFP/Getty Images

Roboter, die mit ihrer überlegenen Intelligenz die Menschheit vernichten, sind ein beliebtes Thema für Science Fiction und Horrorfilme. Es ist also nicht verwunderlich, dass viele sich vor dem Roboter Sophia fürchten.

Sophia ist ein Produkt der Firma Hanson Robotics, deren Firmensitz sich in Hong Kong befindet. Ihr Gründer, der US-Amerikaner Dr. David Hanson, verbrachte die vergangenen Jahre damit, Roboter so menschenähnlich wie möglich zu machen – vor allem wenn es um die Darstellung von Gefühlen geht.

Hansons Ziel ist es, nicht nur die Robotik voranzubringen, sondern vor allem auch die Entwicklung künstlicher Intelligenz, im Englischen Artificial Intelligence (AI). Seine Roboter haben inzwischen die Möglichkeit, Gefühle mit ihren Gesichtern auszudrücken, auch wenn sie natürlich keine empfinden, und in einem gewissen Rahmen mit Menschen zu interagieren.

Auf der Internetseite seines Unternehmens heißt es: „Unsere Roboter werden schon bald mit uns interagieren und leben, um uns zu unterrichten, zu dienen, zu unterhalten, zu erfreuen und uns Gesellschaft zu leisten. Sie werden von uns lernen und wir von ihnen. Jede menschliche Interaktion wird einen Einfluss auf ihre Entwicklung haben und darauf, wer sie eines Tages sein werden.“

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Hanson Robotics treibt nicht nur die Forschung und Entwicklung von Prototypen voran, die Mitarbeiter*innen legen auch den Grundstein für eine Massenproduktion (PDF) verschiedenster Robotertypen, wie beispielsweise Sophia.

Sophia – Botschafterin der Roboter

Sophia war in den vergangenen Tagen der Stargast auf der UN-Konferenz AI for Good Global Summit in Genf. Dort diskutierten Expert*innen, wie wir mithilfe künstlicher Intelligenz die Gesellschaft zum Positiven weiterentwickeln können. Gemeinsam arbeiteten die Fachleute an Handlungsanweisungen und Rahmenbedingungen für die Entwicklung denkender Maschinen und überlegten, welche Regulierungen und ethische Standards notwendig sein könnten.

UN-Generalsekretär António Guterres sagte eingangs in einer Videobotschaft an die Konferenzteilnehmer*innen: „Künstliche Intelligenz hat das Potenzial den Fortschritt hin zu einem würdevollen Leben in Frieden und Wohlstand für alle Menschen zu beschleunigen. Die Zeit ist für uns alle gekommen – Regierungen, Industrie und Zivilgesellschaft – in der wir abwägen müssen, wie künstliche Intelligenz unsere Zukunft beeinflussen wird.“

Die Angst bleibt

Sophia repräsentierte auf der UN-Konferenz den aktuellen Stand der Technik. Die meisten der Teilnehmer*innen reagierten jedoch eher verstört auf sie und ihre künstlichen Geschwister. Eine Sorge ist, dass Roboter in zunehmendem Maße menschliche Arbeiten übernehmen und somit zu höherer Arbeitslosigkeit führen könnten. Diese Entwicklung hat in einigen Branchen bereits begonnen.

Außerdem forderten Vertreter*innen der internationalen Gemeinschaft wie Amnesty-International-Generalsekretär Salil Shetty eine klare Festlegung ethischer Standards zur Erforschung und Entwicklung künstlicher Intelligenz, mit der Roboter ausgestattet werden.

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Während Sophia ausschließlich freundlich und unterhaltsam mit Menschen interagiert, gibt es im Moment kaum Regeln, wenn es um die Entwicklung von Kampfrobotern geht. So friedlich und faszinierend Sophia auch ist – eine intelligente und mit einem Bewusstsein ausgestattete Waffe wird sich kaum jemand von uns wünschen.

Noch ist es nicht ganz soweit. Sophia besitzt kein Bewusstsein, keine Gefühle und eine vergleichsweise oberflächliche Intelligenz, die sich noch nicht mit der von Menschen vergleichen lässt. Wenn es nach Dr. David Hanson geht, ist sie jedoch ein weiteres entscheidendes Glied in einer Kette von Maschinen, die uns zu solchen Robotern führen werden. Diese könnten durchaus das Potenzial besitzen, uns nicht nur zu übertreffen, sondern auch gefährlich zu werden. Was würde eine intelligente Maschine davon abhalten, die Menschheit tatsächlich auszulöschen?

Doch Dr. David Hanson hat bereits eine Lösung parat, die diese hypothetische Entwicklung verhindern soll: „Wir müssen sie lehren zu lieben“.

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