Zum ersten Mal tritt eine Aborigine im Wettkampf um den Titel von Miss Australia an

Die Aborigines sind die diskriminierteste Ethnie Australiens, obwohl sie die Ureinwohner des Landes sind. Auch in der australischen Modebranche herrschte bisher ein blond-blauäugiges Ideal – bis die 19-jährigen Aborigine Maminydjama Maymuru den Laden aufmischte.

Foto: © facebook/Magnolia Maymuru Miss World NT

Magnolia bei ihrem ersten Fotoshoot. Foto: © facebook/Magnolia Maymuru Miss World NT

Maminydjama Maymuru lebt in Yirrkala, einer kleinen Gemeinschaft im Outback des australischen Bundesterritoriums Northern Territory. Erst 1976 übergab die Regierung das ehemalige Reservat mit dem „Aboriginal Land Rights Act“ wieder in den Besitz der Aborigines.

Heute definieren sich circa 2,5 Prozent der australischen Bevölkerung als Aborigine. Etwa 30 Prozent davon leben im Distrikt Northern Territory. Maminydjama Maymuru ist die erste Aborigine, die als Repräsentantin des Distriktes bei dem Finale für Miss World Australia antritt.

Erstmal Schulabschluss, dann Model-Karriere

Vor einem Jahr sprach Modelagent Mehali Tsangaris die Teenagerin an. Damals ging sie nicht auf das Angebot ein. Während jedes andere Mädchen wahrscheinlich alles hätte stehen und liegen gelassen, beabsichtigte Maminydjama zuerst ihre Abschlussprüfungen an der High School zu absolvieren.

Ein Jahr später traf sie denselben Agent erneut im Supermarkt. Diesmal willigte sie ein, „um mal etwas anderes zu probieren“, sagte sie in den ABC News.

Ein von ABC News (@abcnews_au) gepostetes Foto am

Modelagent Mehali Tsangaris verkündete: „Ich glaube, dass Magnolia das Mädchen ist, welches eine ganze Revolution auslösen könnte.“

Mit ihrer dunklen Haut, ihren großen, braunen Augen bricht sie mit allen Stereotypen der Modebranche. Sie definiert Schönheit neu und symbolisiert, dass Models nicht weiß, blauäugig und brünett sein müssen, um erfolgreich zu werden. Und sie repräsentiert eine Ethnie, die bisher in der Modewelt so gut wie unsichtbar war.

Nachwirkungen britischer Kolonialherrschaft

Politisch und gesellschaftlich gelten die Ureinwohner noch immer als die unterprivilegierteste Bevölkerungsgruppe in Australien. Durch die Kolonisierung Australiens durch die Engländer vor mehr als 200 Jahren, rückte die Ethnie der Aborigines an den Rand der Gesellschaft. Die Kolonialherren betrachteten sie als minderwertige Personen und nahmen ihnen Würde, Recht und Land. Diese Konsequenzen dieser Unterdrückung halten bis heute an.

Die taz berichtet, dass sich Aboriginal-Gemeinden noch heute durch ihre hohe Kindersterblichkeit, Krankheiten, Arbeitslosigkeit, sexueller Missbrauch von Kindern, Jugendsuizid und Alkoholmissbrauch auszeichnen. Erst 1967 erkannte die Regierung die Aborigines als gleichwertige Bürger an und erhielten das Stimm- und Wahlrecht.

Innerhalb der Gesellschaft muss sich also noch viel bewegen. Mit dem Erfolg von Magnolia wird ein kleiner Schritt in Richtung Gleichberechtigung indigener Völker getan – auch wenn es sich nur um die Modewelt handelt.