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Autos, Autos, Autos, überall Autos

Ich besitze keinen Führerschein. Warum sollte ich auch? Mein ganzes Leben habe ich in Großstädten verbracht, in denen man mit öffentlichen Verkehrsmitteln meist schneller und zuverlässiger ans Ziel kommt als mit dem Auto. Gut, zugegeben, damals habe ich mich eher aus Bequemlichkeit vor der Fahrschule gedrückt, aber mittlerweile hinterfrage ich die individuelle Mobilität noch aus ganz anderen Gründen. Ein eigenes Auto besitzen? Ich wüsste nicht, wozu.

Ich komme aus Stuttgart. Wie keine zweite Stadt in Deutschland steht die baden-württembergische Landeshauptstadt für die Automobilität. Daimler, Porsche, Bosch, Mahle – rund 110.000 Menschen in der Region sind im unmittelbaren Automobil-Cluster beschäftigt. Fast 45 Prozent des Umsatzes der gesamten Industrie in der Region Stuttgart kommen aus der Kfz-Branche. Aber wie keine zweite trägt Stuttgart seit Jahren auch den unrühmlichen Titel der dreckigsten Stadt Deutschlands. Im Stuttgarter Talkessel wird immer wieder der EU-Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten. Die Stadt erstickt an ihrem eigenen Schmutz.

Während man in Stuttgart wie in vielen anderen Städten beim Radfahren stetig um sein Leben fürchten muss, sind in Kopenhagen mittlerweile mehr Fahrräder auf der Straße als Autos. Die Hauptstadt Dänemarks verfolgt seit Jahren das ambitionierte Ziel, eine reine Fahrradstadt zu werden. Im Fahrrad-Index der Copenhagenize-Gruppe, die die Radler*innenfreundlichkeit von Metropolen untersucht, steht sie derzeit auf Platz eins, vor Utrecht und Amsterdam. Berlin kommt auf Platz fünfzehn. 

Wien bietet seinen Bewohner*innen ein Jahresticket für den Nahverkehr für nur einen Euro am Tag, Tallinn setzt noch einen drauf: dort darf jede*r der 430.000 Bewohner*innen ohne Fahrschein fahren. Die Stadt bezahlt.

Es gibt sie also, die Ideen, wie wir unsere Städte zu lebenswerteren Orten machen können. Für Autos sind sie einfach nicht gemacht.

 

Markus