10 Milliarden US-Dollar für die Umwelt: Mitarbeiter*innen kritisieren Jeff Bezos‘ Doppelmoral

Amazon-Chef Jeff Bezos will zehn Milliarden US-Dollar für den Klimaschutz zur Verfügung stellen. Für viele Mitarbeiter*innen ist das nur Heuchelei.

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Weltretter Jeff Bezos. Foto: © Mark Ralston / AFP via Getty Images

„Ich bin heute hocherfreut, zu verkünden, dass ich den ‚Bezos Earth Fund‘ gründe“, schrieb Jeff Bezos, Gründer und Chef des Internetkonzerns Amazon, gestern Abend auf Instagram. Mit der weltweiten Initiative will er Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und NGOs finanziell unterstützen, die dazu beitragen können, „die natürliche Welt zu erhalten und zu beschützen“. Zehn Milliarden US-Dollar stellt Bezos dafür bereit, umgerechnet sind das rund 9,2 Milliarden Euro.

Auf Bezos‘ Umweltschutzankündigung reagierte die Gruppe Amazon Employees for Climate Justice in einem Blog-Eintrag eher verhalten. Für sie steckt hinter der großzügigen Spende eine Doppelmoral: „Wir applaudieren Jeff Bezos‘ Philanthropie, aber eine Hand kann nicht das geben, was die andere wegnimmt“, heißt es in ihrer Stellungnahme. Dass der Firmenchef einerseits Geld für den Klimaschutz spende und das Unternehmen gleichzeitig dem Klima schade, passt in ihren Augen nicht zusammen.

Doppelmoral des Unternehmens

Bezos ist mit einem geschätzten Vermögen von 130 Milliarden US-Dollar der reichste Mann der Welt, Amazon der weltgrößte Onlineversandhandel. Doch für eine besonders klimafreundliche Einstellung ist das Unternehmen nicht bekannt. Erst Ende Januar hatten Hunderte Amazon-Angestellte die Klimapolitik des Unternehmens öffentlich kritisiert – unter anderem aufgrund der Zusammenarbeit mit den Ölkonzernen Exxon, BP und Shell.

In ihrem aktuellen Statement fragt die Gruppe erneut, wann Amazon damit aufhören wird, die Umwelt zerstörenden Öl- und Gasunternehmen zu unterstützen. Die Firmen nutzen den Cloud-Computing-Dienst Amazon Web Services, ein Tochterunternehmen des Versandhändlers, das speziell auf die digitalen Belange der Öl- und Gastindustrie zugeschnitten ist. Außerdem wollen die Mitarbeiter*innen wissen, wann das Unternehmen die finanzielle Unterstützung von Thinktanks einstellt, die den Klimawandel leugnen. Im Juli vergangenen Jahres berichtete die New York Times darüber, dass Amazon (wie übrigens auch Google) das Competitive Enterprise Institute unterstützt, das die Klimakrise infrage stellt.

Wird Jeff Bezos uns wahre Führungskraft beweisen oder wird er weiterhin an der Beschleunigung der Klimakrise mitschuldig sein, während er so tut, als würde er helfen?

Die Mitarbeiter*innen gehen zudem darauf ein, dass Amazon damit gedroht hatte, Angestellte zu entlassen, die sich kritisch über die Rolle des Unternehmens in der Klimakrise und in der Öl- und Gasbranche äußerten. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 8.000 Angestellte einen offenen Brief an Bezos unterzeichnet, in dem sie ambitioniertere und engmaschigere Klimaziele des Unternehmens forderten.

Gleichzeitig äußern sich die Mitarbeiter*innen in ihrem Statement positiv über das Aufbegehren ihrer Kolleg*innen bei Amazon. Es zeige Wirkung, wenn sich die Beschäftigten zu Wort melden würden. Davon bräuchte es jetzt noch mehr. Für die Mitarbeiter*innen bleibt am Ende jedoch vor allem eine Frage bestehen: „Wird Jeff Bezos uns wahre Führungskraft beweisen oder wird er weiterhin an der Beschleunigung der Klimakrise mitschuldig sein, während er so tut, als würde er helfen?“

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