11 Aktionen, die nötig sind, um dein Haus vor der Luxussanierung zu bewahren

In den Großstädten Deutschlands fürchten sich Mieter*innen vor Immobilienhaien. Doch gemeinsam können sie etwas dagegen tun, dass ihre Häuser teuer saniert oder verkauft werden.

Redet mit euren Nachbar*innen! © Rob Bye | Unsplash

Ende November fiel wieder einmal der Hammer bei einer hochspekulativen Immobilienversteigerung in Berlin. Angeboten wurde ein Gründerzeithaus in bester Kreuzberger Kiezlage. Der Altbau, der nicht nur nach Katalogangaben, sondern auch augenscheinlich sanierungsbedürftig ist, ist das Zuhause von insgesamt 80 alteingesessenen Mieter*innen, die teilweise nur 2,11 Euro Miete pro Quadratmeter zahlen.

Nun allerdings befürchten viele von ihnen, ihre Wohnung in absehbarer Zeit zu verlieren. Für 7,16 Millionen Euro – der Verkehrswert beträgt 5,52 Millionen Euro – hatte ein anonymer Telefonbieter letztlich den Zuschlag erhalten. Der Bezirk versucht nun, sein Vorkaufsrecht geltend zu machen, doch ob das langfristig die Mieterstruktur im Haus bewahren wird, scheint fraglich – zumal noch immer umstritten ist, ob das Vorkaufsrecht überhaupt rechtlich haltbar ist.

Es ist nicht der erste und ganz sicher nicht der letzte Fall eines spekulativen Hausverkaufs in Berlin. Im Prinzip kann es alle Mieter*innen treffen, die in einem Kleinod leben, dessen Vermieter*in eine Privatperson ist und dessen Haus noch den Charme der Vorgentrifizierungszeit versprüht.

[Außerdem bei ze.tt: 599 Euro für zehn Quadratmeter in Berlin]

Sollte auch euer Haus künftig von Verkauf bedroht sein, solltet ihr nicht nur auf die Politik hoffen, sondern selbst die Initiative ergreifen. Wir haben 11 Aktionen gesammelt, die euer Haus retten könnten:

1. Redet mit euren Nachbar*innen

Ihr findet euer Haus im Netz, ihr lest von einer anstehenden Versteigerung in den Medien, ihr erhaltet einen ominösen Brief von eurer Hausverwaltung? Der erste Schritt sollte darin bestehen, die anderen Mieter*innen aus eurem Haus zu informieren und zu einem Treffen zusammenzurufen. Wer weiß was? Wie kann man sich gemeinschaftlich wehren? Wie soll es weitergehen?

Eins ist sicher: Gemeinsam läuft euer Kampf besser!“

2. Informiert die Medien

In jeder großen Redaktion sitzt mindestens ein*e Redakteur*e, die*der sich intensiv mit dem Thema Gentrifizierung beschäftigt. Lasst euch von den Zeitungen, TV-Sendern und Blogs zum zuständigen Angestellten weiterleiten, schickt eine Mail, trefft euch mit den Autor*innen und Fotograf*innen – so könnt ihr Aufmerksamkeit generieren.

3. Gründet eine Initiative

Eine Initiative wirkt stärker als ein einzelner Mieter. Sie bündelt Informationen, benennt einen Ansprechpartner für Medien und informiert über den aktuellen Stand der Dinge. Wichtig ist zudem, eine Website aufzusetzen. Außerdem könnt ihr andere Initiativen mit ins Boot holen – am besten welche, die im Kampf gegen steigenden Mieten bereits Prozesse gewonnen haben.

4. Organisiert öffentliche Kundgebungen

Solange Häuser nur von außen sichtbar sind, kennen die Menschen auch nur die Fassade. Lasst sie hinter die Fassade sehen, zeigt euer Gesicht, erzählt eure Geschichte. Das weckt Empathie und ihr werdet merken, dass der Zuspruch von ganz allein kommt.

5. Ladet eure Vermieter*innen ein

Das ist ein Tipp, der naiv erscheint. Aber einen Versuch ist es wert! Und vielleicht folgen eure Vermieter*innen ja wirklich eurer Einladung, sie sind ja schließlich auch nur Menschen. Befragt sie zu den Gründen des Verkaufs, fragt, ob es Alternativen hierzu gibt. Wenn euch die Vermieter*innen besser kennen, rücken sie vielleicht von ihren Plänen ab.

6. Bittet Lokalpolitiker*innen, sich für euch einzusetzen

„Die da oben“ sind nicht immer so bürgerfern, wie manch einer denkt. Viele Politiker*innen haben mittlerweile verstanden, dass das Gentrifizierungsproblem eines der größten in vielen Großstädten ist. Sie können euch über Strategien informieren und ihrerseits mit allen Streitparteien in Kontakt treten.

7. Sucht euch gute Anwält*innen

Auch wenn die Situation noch nicht allzu schlimm aussieht, schadet es nicht, schon frühzeitig Rechtsbeistand zu suchen. Dieser berät euch nicht nur zum anstehenden Verkauf, sondern kann auch unmittelbar in dem Fall, dass euer Haus den Besitzer wechselt, Maßnahmen ergreifen – gerade dann, wenn die neuen Vermieter*innen versuchen, euch rauszuekeln.

8. Informiert euch über eure Rechte

Auch wenn ihr keinen Anwalt habt, solltet ihr genau wissen, welche Rechte ihr habt. Geht zur Mieterberatung, lest Blogs zum Thema und besucht Workshops. Dann wisst ihr genau, welcher Schritt zu welcher Zeit nötig wird.

9. Zeichnet Banner, Plakate und verteilt Sticker

Ihr meint, schon genügend Aufmerksamkeit generiert zu haben? Da geht noch was. Wenn ihr beispielsweise Banner aufhängt, werden Fotograf*innen aufmerksam auf euch und schon landet euer Anliegen erneut auf Blogs und in Zeitungen.

10. Lasst euch nicht aus der Ruhe bringen

Es ist natürlich schwierig, angesichts einer ungewissen Zukunft die Ruhe zu bewahren, dennoch solltet ihr das tun. Es nützt niemanden etwas, wenn ihr in Panik ausbrecht. Genießt euer Leben in eurer Wohnung.

11. Lasst euch auf keine Kompromisse ein

Einige Vermieter*innen versuchen, euch mundtot zu machen, gar zu drangsalieren oder auch, euch zu einem Kompromiss zu bewegen. Darauf solltet ihr euch keinesfalls einlassen. Nun ja, wenn das Angebot wirklich gut ist, könnt ihr drüber nachdenken. Den anderen im Haus gegenüber wäre das jedoch nicht fair, insofern sie nicht ähnliche Angebote von den Vermieter*innen unterbreitet bekommen.


Von Max Müller auf Mit Vergnügen erschienen.
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