20 Cent pro Kippe: Das haltet ihr von der Idee, auf Zigarettenstummel Pfand zu erheben

Rund 53.000 Menschen fordern in einer Petition eine Pfandabgabe auf Zigarettenstummel. Wir wollten von unseren Leser*innen wissen, was sie davon halten.

Zigaretten Stummel Petition

Sie sind nicht hübsch anzusehen, stinken und verseuchen die Umwelt: Zigarettenstummel. Foto: Martin Gerten / dpa

Rund 200 Millionen Zigaretten werden täglich in Deutschland geraucht. Die Reste landen in Aschenbechern, im Mülleimer, gerne auch mal in ausgetrunkenen Bier- oder Weinflaschen und 4,5 Billionen pro Jahr einfach auf dem Boden. Das hat Folgen für die Umwelt: Expert*innen warnen davor, dass schon eine einzige weggeworfene Kippe 40 Liter Grundwasser verseuchen kann. Plastikfilter würden außerdem erst 12 Jahre später beginnen, sich zu zersetzen. Um dem entgegenzuwirken, verhängen deutsche Städte unterschiedlich hohe Bußgelder für die Verschmutzung durch Zigarettenstummel: In Köln zahlen faule Raucher*innen, die vom Ordnungsamt erwischt werden, etwa 35 Euro, wie auch in Berlin oder Nürnberg. In Stuttgart sind es 75 Euro und in Mannheim sogar 100 Euro.

Das Pfand soll bereits beim Zigarettenkauf erhoben werden

Doch da die Aussicht auf Bestrafung nicht alle zu dem Gang zum Mülleimer bewegt, soll ein positiver Anreiz nun die Lösung sein: In einer Petition auf der Plattform change.org fordern knapp 53.000 Menschen Pfand auf Zigaretten und Schachteln. „Wir wünschten, wir könnten mit den Menschen sprechen, die ihre Zigaretten und – oft übersehen – auch deren Verpackungen auf den Boden werfen und sie würden den Schaden, den sie anrichten, verstehen“, schreibt Stephan von Orlow, der die Petition gestartet hat und 75.000 Unterschriften sammeln will. Er ist Teil der Berliner Initiative Die Aufheber, die unter anderem dazu aufruft, drei Abfallstücke pro Tag von der Straße in den nächsten Müllkorb zu schmeißen.

Viele würden zum Glück bereits ihre Zigarettenstummel ordentlich entsorgen, aber es gebe eben Ausnahmen, so der 49-Jährige im Aufruf für seine Unterschriftenaktion, mit der er sich an Bundesumweltministerin Svenja Schulze wenden will: „Deshalb wünschen wir uns Regeln, die ökologisches Fehlverhalten unattraktiv machen. Eine besonders wirksame Regel wäre ein Pfand auf Zigaretten und deren Packungen.“ Ein solches Pfand würde das sogenannte Kippenproblem schnell und umfassend lösen. Das soll so ablaufen: Für jede Zigarette sollen mindestens 20 Cent Pfand erhoben werden, die bereits beim Zigarettenkauf gezahlt werden. Pro Schachtel wären das rund vier Euro. Das Pfand bekommen Raucher*innen zurück, wenn sie die gesammelten Stummel wieder abgeben. Dazu fordert Stephan von Orlow auch sogenannte Taschenaschenbecher als Transportmittel für Asche und Kippen.

Wir wollten von euch wissen: Was haltet ihr davon? Das sind eure Einschätzungen:


Super Idee!

„Ich bin Raucher und finde die Idee super. Pfand bekommt man zurück und so hat man nicht nur die Motivation seine eigenen, sondern sogar andere Stummel aufzusammeln.“

„Hervorragende Idee! Wenn man damit verhindern konnte, dass Plastikflaschen in der Umwelt landen, sollte man es auch bei den giftigen Stummeln versuchen!“

„Gemessen an den Kippen, die ich meinem Kleinkind schon am Spielplatz aus den Finger ziehen musste, bin ich absolut dafür. Oder einfach das Wegwerfen mit 200 Euro pro Vergehen bestrafen.“

„Absolut richtig. Die einzige Frage lautet doch: Ist die Lobby stark genug, das abzuwenden?“

Ja, aber…

„Grundsätzlich ist das keine schlechte Idee, und das sage ich als Raucher. Das Problem wäre dann nur, dass Automaten entwickelt werden müssten, in die man die ganzen Stummel reinwirft. Weil ganz ehrlich: Als Verkäufer in einer Tankstelle etwa lauter Stummel abzuzählen, wird niemand freiwillig machen, weil das ist echt widerlich.“

„Wenn es eine technische Möglichkeit der Rückgabe gäbe, ohne dass Menschen sie wirklich zählen müssen, und man die Hersteller zur Umsetzung verpflichten könnte, wäre die Idee vielleicht gar nicht so doof. Aber ich möchte niemandem zumuten, diese von Hand zu zählen.“

„Im Prinzip eine gute Idee, aber wohl nicht umsetzbar. Pfandsysteme funktionieren bei Massenware nur dann gut, wenn sie weitestgehend automatisiert ablaufen können, wie etwa der Pfandautomat im Supermarkt. Da funktioniert die Automatisierung, weil die Systeme Gewicht und Form der Flasche verbunden mit dem Pfandsiegel und Barcode überprüfen. Bei Zigarettenstummeln hat man aber weniger Möglichkeiten, solche Kontrollen einzubauen, und somit Missbrauch zu verhindern. Als Abfall- und damit Pfandprodukt bleibt bei der Zigarette lediglich der Filter zurück. Zigarettenfilter sind über das Internet leicht auch außerhalb Deutschlands bestellbar. Die Kosten liegen im niedrigen Cent-Bereich. Der Missbrauch ist quasi vorprogrammiert. Für eine manuelle Kontrolle ist die Masse einfach zu groß. Beim Beispiel eines Kettenrauchers fallen bei einem Päckchen am Tag pro Monat etwa 600 Zigaretten an. Wer soll das kontrollieren können?“

„Ich halte die Idee nicht für umsetzbar, finde sie aber prinzipiell gut. Auch mehr Aufklärung braucht es: Als ich anfing zu rauchen, habe ich mir null Gedanken darüber gemacht und dachte, es wäre normal, die auch mal auf den Boden zu schmeißen. Später hab ich sie dann Ewigkeiten mit mir rumgeschleppt, bis ich einen Mülleimer gefunden habe. Kleine portable Aschenbecher halte ich deshalb für klüger, da kann man sie reinstecken und wegwerfen, wenn man einen Mülleimer findet. So einen hab ich mal in einem Park von Mitarbeitenden der Stadt bekommen, mit Logo drauf und allem – das war super. Bei Pfand müsste das ja noch jemand aussortieren, und das kann ich mir nicht so wirklich vorstellen.“

„Die Grundidee, auch bei dieser Verschmutzung Konsument*innen mit Anreiz zu erziehen, ist gut. Jedoch die konkrete Idee stelle ich mir nahezu undurchführbar vor. Es muss auch möglich sein, anders Nachhaltigkeit zu belohnen, am besten im größeren Stil.“

Neee…

„Ich wäre eher für mehr Mülleimer oder Aschenbecher in den Städten. Ich möchte meine Zigarettenstummel nicht auf den Boden schmeißen, aber sie immer ewig durch die Gegend zu tragen, kann nicht die Lösung sein.“

„Das ist wirklich das Blödeste, was ich je gehört habe. Ich bin selbst Genussraucher und habe noch nie einen Zigarettenstummel wahllos in die Natur geworfen (außer das Endstück einer Zigarre, aber das ist auch zu 100% Tabak). Das Problem ist, dass es innerstädtisch zu wenige Mülleimer gibt. Außerdem: Wie sollte man denn die Stummel transportieren? Ich wäre eher für biologisch abbaubare Zigarettenfilter.“

„Pfand?! Das heißt, Kinder bekommen dann Geld dafür, daß sie Zigarettenstummel abgeben? Sehr gesundheitsfördernd! Dann lieber die 20 Cent als Entsorgungsabgabe oben drauf und direkt an die Kommunen abführen! So wird auch die Stadtreinigung unterstützt. Rauchen kann nicht teuer genug sein.“

„Das wird das Problem nicht lösen, da es die meisten nicht interessiert, und sie die Kippen dennoch achtlos wegschmeißen werden. Wir werden dafür noch mehr Menschen am Rande der Gesellschaft sehen, die sich mit dem Sammeln demütigen, um ein paar Euros zu verdienen. Die Lösung kann nur über Bestrafung gehen. Eine Kippe wegwerfen gleich ein Monatsgehalt Strafe!“

Und was ist mit denen, die drehen?

„Gute Idee, aber schlecht umzusetzen, da man sich ja Zigaretten drehen kann.“

„Ich drehe, gibt es dazu schon eine Idee? Das ist doch wieder offene Türen einrennen… Ich werfe die Stummel in den Müll, sage das all meinen Bekannten, die machen das auch. Wir Menschen sind kooperativ!“