4 Tipps, wie du Trauernden durch die Weihnachtszeit hilfst

Fröhliche Festtage? Nicht für jede*n. Wie ein sensibler und hilfreicher Umgang mit Menschen, die einen Schicksalsschlag erlitten haben, rund um Weihnachten aussehen kann, erklärt Sheryl Sandberg.

Die Weihnachtszeit ist für Trauernde oft am härtesten.

Die Weihnachtszeit ist für Trauernde oft am härtesten. © Drew Coffman/Unsplash

Floskeln und Hilflosigkeit

Sheryl Sandberg verlor im Mai 2015 ihren Ehemann Dave Goldberg durch einen Sportunfall. Mit dem Autor Adam Grant hat sie ein Buch über die Zeit danach geschrieben. Und zum Beginn der Adventszeit haben sie und Grant nun wertvolle Hinweise aufgelistet, wie wir Freund*innen nach einem Schicksalsschlag wirklich unterstützen können – und welche vier klassischen Fehler wir auf jeden Fall vermeiden sollten.

Allein in den Floskeln mit guten Weihnachtswünschen, die man sich standardmäßig hin- und herschiebt, bestehe schon ein Problem, schreibt Sandberg. „Fröhliche Weihnachten“, „schönste Zeit des Jahres“ – für Menschen, die einen Schicksalsschlag zu verkraften haben, die möglicherweise einen geliebten Menschen verloren haben, die sich mit Krankheit, einem Unfall, einer Scheidung auseinandersetzen müssen, gehört die Zeit rund um Weihnachten oft zur schwierigsten Zeit des gesamten Jahres. Man trauert, hadert, wenn um einen herum die Menschen feiern wollen. An Weihnachten wird den Betroffenen so schmerzlich wie nie bewusst, was sie verloren haben.

Grundsätzlich, schreibt Sandberg, wüssten die meisten von uns nicht, wie sie mit jemandem umgehen sollen, der*die eine persönliche Tragödie zu verkraften hat: Wir wollen uns nicht aufdrängen, andererseits wollen wir zeigen, dass wir an die Person, an die Familie denken, und dass wir jederzeit helfen, falls Hilfe möglich und erwünscht ist. Wir wollen uns nicht aufdrängen, riskieren so aber womöglich, dass auf der anderen Seite das Gefühl entsteht, wir zögen uns zurück.

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Sandberg schreibt von der Angst vieler Menschen, die Trauernden an ihren Schmerz zu erinnern. Erst als ihr Mann starb, habe sie gemerkt, wie lächerlich dieser Gedanke eigentlich ist: Die trauernde Person denkt doch sowieso an nichts anderes! „Der Elefant ist immer da“, schreibt sie und meint damit das überwältigende Thema der Trauer. Es sei also immer besser, das Thema anzusprechen, als so zu tun, als gäbe es diesen Elefanten nicht. Aber die richtigen Worte zu finden sei ebenso schwer, wie den Mut aufzubringen, überhaupt darüber zu sprechen. Vier Fehler, schreibt Sandberg, haben wir alle in der Vergangenheit höchstwahrscheinlich schon gemacht, wenn es um den Umgang mit dem Elefanten ging, und erklärt, wie wir es besser machen können:

1. Phrasen, die nicht hilfreich sind

Wenn es jemandem schlecht geht, haben wir den Impuls, zu trösten, zu ermuntern: Die Zeit heilt alle Wunden, es hat bestimmt seinen Grund, dass das passiert ist. Aber Interviews mit Menschen, die eine*n Partner*in oder ein Kind verloren haben, zeigten genau das Gegenteil, schreibt Sandberg: Die Trauernden empfanden genau diese Kopf-hoch-Ratschläge als besonders belastend: Betroffene unter Druck zu setzen, sich besser fühlen zu müssen, sei eine Garantie dafür, dass diese Leute sich noch schlechter fühlen. Sandberg zitiert eine Therapeutin: „Manche Dinge können nicht in Ordnung gebracht werden. Sie können nur ausgehalten werden.“

2. Mit eigenen Erfahrungen vergleichen

Ebenfalls ein nett gemeinter, aber völlig kontraproduktiver Weg: Den Betroffenen signalisieren, man könne sie gut verstehen, man selbst habe bereits etwas ähnlich Schlimmes erlebt. Oh, dein Bruder macht eine Chemotherapie? Ich weiß genau, wie du dich fühlst, meine Katze musste sich auch neulich übergeben – um es mal überspitzt darzustellen. Soziolog*innen haben einen Begriff für dieses Verhalten: kommunikativer Narzissmus. Es geht um diesen Moment, in dem wir dem Gespräch eine andere Richtung geben, um uns selbst oder unsere Geschichte in den Fokus zu rücken. Das Wichtigste sei, den Schmerz der anderen Person einfach anzuerkennen, und nicht, ihn mit eigenen Geschichten zu relativieren oder zu vergleichen. Es hilft, einfach zu signalisieren: Ich erkenne deinen Schmerz an.

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3. Gut gemeinte Ratschläge verteilen

Wir alle haben bestimmt schon mal versucht, Menschen in einer Notlage zu helfen, indem wir Ratschläge verteilt haben. Eine weitere Form der absolut nicht hilfreichen Form von Hilfe, schreiben Sandberg und Grant. „Komm doch zur Büro-Weihnachtsfeier!“ – Ja klar, ein bisschen Glühwein, und schon krieg ich das Sorgerecht für meine Kinder zurück. „Mach doch Sport, dann fühlst du dich besser“ – Ja, sicher.

Sandberg und Grant haben eine ganz klare Bitte: auf keinen Fall Ratschläge geben. Viel besser sei es, einfach zu sagen: ,„Es tut mir so leid, dass du das erleben musst, aber du bist nicht allein.“ Tausendmal besser als jeder gut gemeinte Ratschlag.

4. Zu passiv bleiben

Wir signalisieren gern unsere Unterstützung durch unser Angebot: Meld dich, wenn ich irgendetwas für dich tun kann. Natürlich ist das so gemeint, aber es schlägt den Ball zurück in das Feld der Trauernden, die wissen müssen, was sie denn brauchen könnten, und sich wohl damit fühlen müssen, es aktiv einzufordern. Der Autor Brice Feiler empfiehlt: Anstatt das Angebot zu machen, etwas zu tun, tu einfach etwas! Ungefragt. Koch ein leckeres Essen und bring es vorbei. Mach eine Playlist, in der keine glücklichen Rentiere und strahlende Kinderaugen vorkommen. Lad die trauernde Person zu einem Essen bei dir zu Hause ein. Man muss auch nicht seit der Grundschule befreundet sein, um solche Angebote zu machen. Zwischen euch kann trotzdem eine Nähe sein, die der Betroffene gerne sucht.

Der abschließende Rat von Sandberg und Grant: Traut euch, etwas zu tun. Gerade wenn man nicht die richtigen Worte findet. Taten sprechen nicht nur die lautere Sprache – sie werden von den Betroffenen auch tiefer empfunden als Worte.


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