7 Comics, die endlich zu Serien werden sollten

The Walking Dead, Happy! und The Umbrella Academy haben gezeigt, wie gut Comics als TV-Serien funktionieren. Hier kommen Vorschläge, welche Graphic Novels ebenfalls tollen Serienstoff hergeben würden.

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Diese Comics sollten unbedingt zu Serien werden. Bilder: DC Vertigo, Image Comics / Cross Cult, Dark Horse / Matt Kindt, Les Humanoïdes Associés / EPIC Comics, Panel Syndicate, DC Comics

Wir erleben gerade das goldene Zeitalter der (TV-)Serien. Alleine im vergangenen Jahr sind weltweit fast 8.000 neue Fernseh- und Streamingproduktionen gestartet. Klar, darunter ist sehr viel Schrott, der nicht über eine Staffel oder gar eine Pilotfolge hinauskommt. Aber tatsächlich gibt es derzeit auch so viele brillante, fesselnde und intelligente Serien zu sehen wie nie zuvor. Das ist auch sehr oft gedruckten Vorlagen zu verdanken. Das sind nicht nur Romane wie bei Game of Thrones, sondern immer öfter auch Comic-Reihen und Graphic Novels.

Tatsächlich sind die gezeichneten Geschichten grandios geeignet, um in Bewegtbild und Ton übersetzt zu werden. Sie bringen nämlich nicht nur Handlung, Charaktere und Dialoge mit, sondern auch Ideen zu deren Aussehen, der Optik der Kulissen und gesamten Inszenierung. Beispiele? Natürlich The Walking Dead, dessen Vorlage seit 2003 erscheint und schon längst über 180 Hefte zählt. Aber auch das irrwitzige Rache-Epos Happy!, die Teenager-Mysterien Riverdale und Chilling Adventures of Sabrina oder auch das genial-surreale Superheld*innendrama The Umbrella Academy gehen auf Comics zurück.

Davon möchten wir mehr sehen. Und natürlich haben wir auch einige Vorschläge, welche Comics und Graphic Novels bitte als nächstes von Netflix, Amazon, HBO und Co. umgesetzt werden sollten.

Transmetropolitan

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Bild: DC Vertigo

Spider Jerusalem ist ein egozentrisches Ekelpaket, aber auch ein verbissener Journalist. Und als solcher schreibt er im 23. Jahrhundert gegen Korruption, Machtmissbrauch und Kriminalität in der Mega-Metropole The City an. Die ist die Heimat von Milliarden armer Schlucker*innen, bekloppten Gen-Mutant*innen, ultra-reichen Schnösel*innen, drogensüchtigen Katzen und einer korrupten Politiker*innenkaste. Letztere sieht die Stadt als ihren Selbstbedienungsladen. Das gilt vor allem für Das Biest, einen psychopathischen Richard-Nixon-Verschnitt, der nach einem wahnwitzigen Wahlkampf zum Präsidenten gewählt wird.

Die Comic-Saga Transmetropolitan stammt von Warren Ellis und ist von 1997 bis 2002 in 60 Heften erschienen. Dabei wirkt sie heute beängstigend zeitgemäß und aktuell. Sie verarbeitet Themen wie Populismus, Nationalismus, Sexismus, Rassismus, Fake News, Presse- und Redefreiheit, Drogen und Leaks – und das auf ebenso scharfsinnige wie bitterböse Weise. Das alles findet vor einer vor Farben triefenden und von schrillen Charakteren durchsetzten Kulisse statt. Das würde eine aberwitzige wie aber sicherlich auch total kultige Serie ergeben.

Der Incal

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Bild: Les Humanoïdes Associés/EPIC Comics

Der Planet Terra 21 wird fast vollkommen von einer Stadt überspannt. Dort wohnt und arbeitet John Difool, ein tollpatschiger, aber ebenso beherzter Detektiv. Bei einem Auftrag bekommt er von einem sterbenden Mutantenwesen einen merkwürdigen Kristall in die Hand gedrückt – den Incal, ein Artefakt, das angeblich eine unerschöpfliche Kraft beherbergt. Prompt wird Difool zum meistgesuchten Menschen der Galaxis. Sowohl irdische Regierungsbehörden als auch die außerirdischen Bergs, schräge Techno-Priester und eine nebulöse Geheimgesellschaft sind hinter ihm her.

Die sechsteilige Der Incal-Reihe ist eine rasante Jagd durch ein absurdes Universum. Das ist mal humorvoll, mal finster, aber auch immer von mystischen, existenzialistischen und politischen Kommentaren durchzogen. Kein Wunder, stehen doch hinter der erstmals 1981 bis 1988 veröffentlichten Reihe der Kult-Regisseur Alejandro Jodorowsky und die 2012 verstorbene Comic-Ikone Moebius. Seitdem gab es immer wieder Anläufe, Der Incal sowohl als Animationsfilm (wie im obigen Konzepttrailer) als auch als Realfilm umzusetzen. Geglückt ist das nicht. Wohl auch weil die Story für einen Film allzu episch ausfällt. Für eine Serie wäre sie jedoch perfekt.

Paper Girls

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Bild: Image Comics / Cross Cult

Der 1. November des Jahres 1988 beginnt für Erin, Mac, KJ, und Tiffany eigentlich recht unspektakulär. Wie jeden Morgen tragen sie mit ihren Fahrrädern die Zeitung aus. Doch dann werden sie von seltsam aussehenden Teenagern überfallen. Sie verfolgen sie anschließend bis zu einer mysteriösen Maschine: einer Zeitmaschine. Wie sich bald zeigt, sind die Mädchen mitten in einen stillen Krieg hineingestolpert. Zwei Fraktionen von Zeitreisenden kämpfen darum, die Vergangenheit zu ändern oder so zu bewahren, wie sie bisher verlaufen ist.

Paper Girls erscheint seit 2015, ist quirlig und stets überraschend. Neben dem liebenswerten Heldinnenquartett, das alsbald quer durch die Zeit springt, gibt’s nämlich immer wieder bizarre Monster, Kampfroboter, Liebe und neue Mysterien, die aufgeklärt werden müssen. Bei alldem vermeiden die Comic-Autoren Brian K. Vaughan und Cliff Chiang trotz 80er-Jahre-Setting allzu schmalzige Nostalgie. Sollte Netflix also nach einem Ersatz für Stranger Things suchen, Paper Girls wäre dafür die beste Wahl.

MIND MGMT

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Bild: Dark Horse / Matt Kindt

Meru Marlow ist Schriftstellerin und fasziniert von sonderbaren Unglücksfällen. Vor allem einer lässt sie nicht mehr los. Vor zwei Jahren hatten alle Mitreisenden einer Passagiermaschine aus Sansibar urplötzlich ihr Gedächtnis verloren. Marlow wittert eine Geschichte, forscht nach und stößt auf die Spur eines Geheimdienstes namens MIND MGMT, der Menschen mit übernatürlichen Fähigkeiten rekrutiert. Einer seiner Ex-Agent*innen kam zu dem Schluss, dass diese Behörde allzu mächtig und einflussreich geworden war und versucht nun, sie zu zerschlagen.

Die Comic-Reihe von Matt Kindt ist unkonventionell und erstaunlich komplex – so sehr, dass man gerne über den eigenwilligen Zeichenstil hinweg schaut. Allem voran erschafft MIND MGMT in seinen 36 Ausgaben irre Charaktere und eine wahnsinnig dichte Atmosphäre aus Paranoia und Irritation. Das ist selten. Daher hatte der Alien-Regisseur Ridley Scott eine Verfilmung geplant – aber wieder aufgegeben. Auch von einer Serie war vor Jahren die Rede, die aber bisher nicht zu Stande kam. Zeit wird’s also.

Orbiter

Vor zehn Jahren hat die NASA das Space Shuttle Venture ins All geschossen. Dann verschwand es einfach – und niemand weiß, wohin. Nun ist es wieder aufgetaucht und legte eine Bruchlandung auf der Erde hin. Als ob das nicht schon merkwürdig genug wäre, ist es noch in eine fleischige Haut eingehüllt, Marssand quillt aus dem Fahrwerk und von den einst sieben Astronaut*innen ist nur noch einer Bord. Und der ist vollkommen durchgeknallt.

Nach dem Verschwinden des Shuttles wurde die NASA geschlossen. Daher soll nun eine freie Expert*innengruppe herausfinden, was passiert ist, und vor allem: wo das Raumschiff war. Darunter sind Ex-Astronautin Michelle Robeson, die Psychologin Anna Bracken und der Physiker Terry Marx. Mit dem Comicbuch Orbiter erzählen Warren Ellis und Colleen Doran eine bildgewaltige Mystery-Geschichte, die zwar nicht zum Zehn-Staffel-Serien-Epos taugt, aber zu einer binge-watching-würdigen Mini-Serie, die noch nach mehreren Tagen grübeln ließe.

Clean Room

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Bild: DC Vertigo

Erst vor wenigen Monaten war der Verlobte von Chloe Pierce in die Selbsthilfeorganisation der Milliardärin Astrid Mueller eingetreten. Dann schoss er sich plötzlich eine Kugel durch den Kopf. Die Journalistin will nun herausfinden, was ihn dazu trieb und was hinter Mueller und ihrem Kult steckt. Denn die Sektenführerin wird ebenso verehrt wie gefürchtet. Und das nicht ohne Grund. Was hier als simpler Thriller beginnt, wandelt sich schnell zum Gänsehaut-Psycho-Horror, der mit Dämonen, Aliens und kosmischen Kreaturen um sich wirft.

Das Werk der Comic-Autorin Gail Simone erschien von 2015 bis 2017 und ist stellenweise schmerzhaft, grausam und brutal. Es spielt gekonnt mit Urängsten, Ungewissheiten, dem Subgenre Body Horror und verwischt die Grenzen zwischen Gut und Böse. All das wird in klare und fast schon pragmatisch gezeichnete Bilder gegossen, deren Inhalt dadurch umso härter zuschlägt. Wer Serien wie Preacher, The OA, The Strain oder Fringe mag, würde eine Serienadaption von Clean Room lieben und sollte unbedingt einen Blick auf das Comic werfen.

The Private Eye

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Bild: Panel Syndicate

Es war abzusehen, aber keiner wollte es wahrhaben: Die Cloud, der Speicher, der all unsere Daten und Geheimnisse kennt, platzt. Von einem Moment auf den anderen sind die Krankenakten, Nacktbilder, Suchverläufe, ja einfach alles von allen bekannt. Was folgt? Totales Chaos. Die Regierungen der Welt reagieren mit Härte. Das Internet wird abgeschaltet, Journalismus verstaatlicht und Privatsphäre zum höchsten Gut erklärt. Das macht den Job von P.I. so lukrativ wie gefährlich. Er beschafft Informationen über Menschen.

Im Jahr 2076 sind digitale Datenbanken Vergangenheit und nahezu jede*r läuft in der Öffentlichkeit mit Maske und Kostüm herum. Gekonnt jongliert The Private Eye mit den Herausforderungen und Unsicherheiten, die unser digitales Alltagsleben birgt und erschafft dabei eine so humorige wie auch knallharte Dystopie. Dadurch ist die zehnteilig Digital-Comic-Reihe wie für eine Serienadaption gemacht. Sie würde sich fantastisch neben Produktionen wie Mr. Robot und Black Mirror einreihen.


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