7 Geschichten über Coming-outs, die dir Mut machen

Manche Coming-outs sind anstrengend und frustrierend. Diese Geschichten zeigen, dass sich der Kampf um Akzeptanz aber immer lohnt.

Die Coming-outs mancher queerer Menschen verlaufen problemlos, weil ihre Familien und Freund*innen kein Problem mit ihrer Sexualität haben. In anderen, konservativeren Kreisen kann ein Coming-out jedoch zum erbitterten Kampf um die eigene Identität werden. Für unsere Videoserie Out Now! haben wir mit Mitgliedern der queeren Community über ihr Coming-out gesprochen und wie es ihr Leben verändert hat. Anhand ihrer Geschichten wollen wir anderen Menschen zeigen, wie schön es ist, out and proud zu leben, und ihnen Mut, Hoffnung und Freude geben.

„Ich hatte die Hoffnung, diese Krankheit loswerden zu können“

Tugay ist praktizierender Moslem und homosexuell. Zwei Dinge, die nur schwer zusammenpassen, dachte er, und hielt seine Sexualität jahrelang geheim. Er wurde immer konservativer, begann zu fasten und versuchte, seine Homosexualität wegzubeten. Im September 2017, erst viele Jahre nach dem Tod seines strenggläubigen Vaters, traute er sich schließlich, sich zu outen. Anfangs nur vor seiner Schwester und seiner Cousine, später vor dem Rest seiner Familie und seinen Freund*innen. Seinen Glauben hat er deswegen nicht aufgegeben, denn heute weiß Tugay: Homosexualität und Islam lassen sich vereinbaren.

„Als Schwarze lesbische Frau ist es doppelt schwer“

„Du bist hier schon als Schwarzes Kind in der Gesellschaft und jetzt auch noch homosexuell. Ich will nicht, dass du so leidest.“ Als sich zwei ihrer Kinder outeten, machte sich Adis Mutter große Sorgen. Im Video erzählt Adi, dass diese Sorgen über intersektionelle Diskriminierung nicht unbegründet waren. Heute ist sie zwar glücklich mit einer Frau verlobt, das hat sie aber einem langen Kampf um Akzeptanz zu verdanken.

„Einfach mal Titten auf’n Tisch und sagen, was Phase ist!“

Gero sei schon immer anders gewesen, sagt er. So farbenfroh, laut und extrovertiert, dass seine Familie lange vor ihm wusste, dass er später wohl mit der Regenbogenflagge wedeln würde. Seine Oma erkannte es als Erste, da war Gero gerade neun. Ein Coming-out war bei Gero daher nicht notwendig – auch so easy-peasy kann’s manchmal laufen.

„Für mein Coming-out hätte ich in Berlin noch ins Gefängnis kommen können“

Bernd Gaiser, Jahrgang 1945, ist heute das Gesicht des CSD in Berlin, zu dem jedes Jahr Hunderttausende auf die Straße gehen. Gaiser ist allerdings noch in einer Zeit aufgewachsen, in der Schwulsein als krank und kriminell galt. „Schade, dass ihr als Schwule nicht alle vergast worden seid“, brüllte ihm einmal jemand Anfang der Siebzigerjahre hinterher. Aber nicht nur aus der Bevölkerung erfuhr er diese teils extremen Anfeindungen. Auch in gesetzlicher Hinsicht wurde ihm seine Homosexualität nicht erlaubt. Der Paragraph 175 des deutschen Strafgesetzbuches (StGb) stellte alle sexuellen Handlungen zwischen Männern unter Strafe – im schlimmsten Fall mit zehn Jahren Gefängnis. Seine Homosexualität lebte Bernd deshalb lange im Verborgenen.

„Nach meinem Coming-out brachen meine Mutter und ich in Tränen aus“

Caroline, eine angehende Pastorin, hielt ihre Sexualität aus Angst vor Ablehnung lange geheim. Als die Last zu groß wurde, beschloss sie, einen Coming-out-Brief an ihr gesamtes Umfeld zu schreiben. Sie erklärte darin, dass sie lesbisch sei. Sie legte ein Foto ihrer damaligen Freundin bei, kopierte den Brief 50-mal und verschickte ihn. Diesen Trick machten ihr später andere queere Freund*innen nach.

„Ich werde meine Transsexualität niemals verbergen“

Sanni kam mit männlichen Geschlechtsmerkmalen zur Welt. Obwohl sie bereits im Alter von drei Jahren merkte, dass sie sich in ihrem Körper nicht wohlfühlte, outete sie sich mit zwölf Jahren zunächst als homosexuell. Denn ein Outing als trans Person in ihrem Heimatland Brasilien kann lebensgefährlich sein – in keinem anderen Land werden trans Personen häufiger ermordet. Im Alter von 18 Jahren zog sie nach Berlin. Dort wurde sie glücklich: Innerhalb kürzester Zeit outete sie sich als transsexuell, ein paar Jahre später folgte die Angleichung.

„Ich will mehr als nur Er oder Sie sein“

Säye lässt sich als Er ansprechen. So ist es leichter für ihn, den Alltag zu bewältigen. Sei es, im Restaurant bedient zu werden oder eine öffentliche Toilette aufzusuchen. Im Privaten, wenn keine Einordnung von ihm verlangt wird, bezeichnet er sich als me. Geschlechterlabels möchte me nicht auferlegt bekommen, me ist nicht-binär: Säye ist kein Er, keine Sie, kein They, sondern Me. Um so leben zu können, hat Säye lange gekämpft – aber es hat sich gelohnt.


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