7 Tipps für deinen Weg ins Praktikum

Du hast den Schulabschluss in der Tasche und willst dich auf Praktikumsplätze bewerben? Unser Schülerreporter hat Tipps gesammelt, wie das am besten funktioniert.

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Nach der Schule ins Praktikum? Kann ganz leicht sein. Foto: Anthony Ginsbrook / Unsplash | CC0

In unserer Reihe Aus der Schule schreiben Schüler*innen für ze.tt, was sie in ihrem Alltag bewegt.


Schulabschluss: Check! Konkrete Vorstellungen für die Zukunft: Fehlanzeige! Bevor du dich jetzt Hals über Kopf für ein Studium einschreibst, das du dann irgendwann abbrichst und in einer Quartlife-Crisis verarbeiten musst, stellt ein Praktikum, oder auch mehrere, eine gute Möglichkeit dar, um dich selbst und verschiedene Berufe zu erproben. Praktika vermitteln dir ein erstes Gefühl dafür, was dich neben nine-to-five, Work-Life-Balance und Überstunden so alles in unterschiedlichen Berufsfeldern erwartet.

Aber auch viele Praktikumsplätze lassen sich nicht mal eben so ergattern, sondern sind umkämpft. In diesem Survival-Kit erklären wir dir aus erster Schülerhand und mit Hilfestellungen eines Experten, auf was du alles bei der Bewerbung und Platzauswahl achten solltest. Mit unseren sieben Tipps gehst du einer tristen Zukunft als „Kopierkasper“ oder „Premium-Barista“ der ganzen Abteilung gekonnt aus dem Weg.

1. Eigeninitiative ist häufig der Schlüssel zum Praktikumsplatz

Eine Tatsache vermiest vielen Schulabsolvent*innen auf Praktikumssuche immer wieder den Spaß am Bewerben: Viele Unternehmen tun sich bei der Besetzung ihrer offenen Stellen von Anfang an schwer mit Schulabgänger*innen. Akzeptiert werden stattdessen frühestens Bachelorstudierende. Aus dieser Situation gleich ein Weltuntergangsszenario zu machen, ist jedoch unnötig: Anbieter*innen, die gerne auch Unerfahrene in ihrem Team schätzen, gibt es genug. Joachim Zak, der als Studien- und Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Stuttgart tätig ist, kennt das Problem vieler Schüler*innen: „Freiwillige Orientierungs- und Schnupperpraktika sind oft nicht auf den Stellenseiten der Unternehmen zu finden. Dann ist viel Eigeninitiative gefragt.“ Eine detaillierte Recherche lohnt sich daher ebenso wie ein Anruf in der Personalabteilung grundsätzlich immer. Hilfreich auf der Suche können zudem die Jobbörse der Agentur für Arbeit, die Stellenmärkte der unterschiedlichen Handels- und Industriekammern oder der Blick auf Plattformen wie meinpraktikum.de sein.

2. Offenheit ist bei der Suche essenziell

Klar möchten viele angehende BWLler*innen zum Praktikum in einer großen Bank landen und wer den Ingenieursberuf für sich entdeckt hat, träumt womöglich von einer Stelle bei den Granden der Automobilindustrie. Es gehört aber schon viel Glück dazu, direkt ein Praktikum bei den Traum-Arbeitgeber*innen zu ergattern. Sich nur auf ein Unternehmen als ultimatives und einziges Ziel einzuschießen ist daher nicht empfehlenswert. Am Ende ist auch die kleine Autowerkstatt um die Ecke ein großer Erfolg und gibt deiner Bewerbungsmappe als bodenständige Referenz vielleicht sogar ihren ganz besonderen Touch. Oft bieten kleinere Unternehmen übrigens die deutlich anspruchsvolleren Praktika an: Sie fordern mehr Eigeninitiative als das viele Branchenriesen ihren Praktikant*innen zugestehen.

3. Private Kontakte können Inspirationsquellen sein

Ja, auch in Zeiten von digitaler Weltläufigkeit ist es immer noch der absolute Geheimtipp in allen Lebenslagen: Vitamin B! Gut ausstaffierte Adressbücher können manch verschlossene Türe in Unternehmen besser öffnen als das Jobportal im Internet. Wenn du jetzt denkst „Na toll, das hab ich aber nicht“, denk vielleicht noch einmal darauf herum. Vitamin B muss nicht bedeuten, dass du enge Verflechtungen in Unternehmer*innenkreisen pflegst. Frage in deinem Verwandtenkreis und bei Freund*innen herum. Kennt sich jemand in der Personalabteilung deiner Traumfirma gut aus? Geht der Lieblingsonkel vielleicht regelmäßig mit deiner zukünftigen Chefin golfen? Auch Arbeitgeber*innen für die du bereits sporadisch auf Minijobbasis gearbeitet hast, können exzellente Anlaufstellen auf dem Weg ins Praktikum sein. Und auch wenn sie nicht aus dem Stegreif viele Kontakte nennen können, liefern sie dir möglicherweise Inspiration für einen anderen, ähnlichen Praktikumsplatz.

4. Peinliche Fehler bei den Bewerbungsunterlagen vermeiden

Bloß weil es um einen Praktikumsplatz geht, bedeutet das nicht, dass du dir bei der Bewerbung weniger Mühe geben brauchst. Auch beim Buhlen um einen Praktikumsplatz ist laut Berater Joachim Zak das klassische Trio aus Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen die Regel. Achte darauf, dass du übliche Fettnäpfchen vermeidest: Die korrekte Anrede will gewählt, der richtige Ton getroffen und das Layout tadellos ausgestaltet sein. Das gleiche Anschreiben an unterschiedliche Unternehmen zu schicken, spart zwar Zeit – generisch erstellte Texte fallen aber in der Personalabteilung garantiert auf. Überlege jedes Mal neu, ob du mit ein bisschen Witz, sofern es zur Stelle passt, oder mit einem schicken Design deine Bewerbung aufwerten kannst.

5. Geduld beweisen und keine Scheu haben

Ist das Anschreiben erst einmal verfasst und abgeschickt, beginnt die große Nervenprobe: Oft mahlen die Mühlen der großen Unternehmen ausgesprochen langsam, während bei dir zu Hause der Geduldsfaden kurz vorm Reißen steht. Und manchmal kommen die Mitarbeitenden in kleinen Unternehmen ebenfalls nicht hinterher mit der Post und den Mails, die täglich in ihren Postfächern landen. Plane daher auf deiner Praktikumssuche auf jeden Fall genug Zeit für die Anfragen ein und übe dich anschließend in meditativer Entspanntheit. Erst nach einer Wartezeit von mehreren Wochen lohnt sich selbst bei den größten Konzernen ein höfliches Nachhaken. Hab aber keine Scheu davor, in Personalabteilungen nach dem Status deiner Bewerbungen zu fragen: Personalabteilung sind dafür da, sich ums Personal zu kümmern – um das vorhandene wie um das zukünftige. Ein freundliches Gespräch kann zudem die Aufmerksamkeit noch einmal auf dich lenken.

6. Die Rechte kennen – und auf sie bestehen

Auch für Praktikant*innen gelten in den Unternehmen arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen, die dich vor einer Ausbeutung schützen. Für die Arbeitszeit bei Jugendlichen, so der Experte Joachim Zak, gilt ohne Einschränkungen das Jugendarbeitsschutzgesetz. Als Volljährige*r kannst du dich auf die „berufs- und betriebsüblichen Umstände“, wie den jeweiligen Tarif, und deinen eigenen Vertrag berufen. Schwieriger wird es hingegen mit deiner Bezahlung. Eine Verpflichtung zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns gibt es bei freiwilligen Praktika mit weniger als drei Monaten Laufzeit nicht. Auch in der Praxis ist eine Vergütung eher unüblich und sollte für dich daher kein Ausschlusskriterium darstellen: Am Ende ist die Währung deines Praktikums nicht der Euro, sondern die gesammelte Erfahrung.

7. Praktikumsangebote genau checken, Enttäuschungen vermeiden

Niemand möchte in seinem Praktikum am Ende nur zwischen Kaffeemaschine und Kopierer pendeln müssen. Check mögliche Angebote daher genau darauf, ob sie deinen Wünschen entsprechen. Der Experte von der Agentur für Arbeit rät in diesem Zusammenhang: „Soweit möglich, sollte man sich vorab über Inhalt und Ablauf des Praktikums informieren und sich ein Bild davon machen, welche Möglichkeiten es bietet, Einblick und Erfahrungen in berufstypische Tätigkeiten zu erhalten.“ Eine hilfreiche Faustregel kennt Praktikumsprofi Zak auch: „Ausbildungsbetriebe haben eine besondere Ausbildungsberechtigung und verfügen über Know-how und Erfahrung im Umgang mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.“ Besitzt das Unternehmen deiner Wahl dieses Gütesiegel, stehen die Chancen auf eine spannende Tätigkeit meist gut.