ze.tt gr.een Was ist das?

A Beginner’s Guide to Telefonsex

Wenn wir einander gerade schon nicht anfassen dürfen, dann lasst uns doch wenigstens gegenseitig unsere Fantasien zuflüstern. Oder zuschreien, je nachdem. Eine Anleitung für alle Anfänger*innen.

telefonsex
Gedanklich einstimmen kann auch helfen. Foto: Jonathan Borba / Unsplash | CC0

Telefonsex. Das Wort klingt ein wenig angestaubt. Nach Seidenunterwäsche und gerollten Kabeln, die beim Telefonieren um den Finger gewickelt werden. Nach Dirty Talk und ein bisschen Fremdscham. Nach Werbung auf VOX und Kabel1 nach Mitternacht unter der Woche. 0900 drei mal die undsoweiter. Aber ein fieser Ruf sollte euch nicht im Weg zu sexueller Abwechslung stehen. Telefonsex kann Spaß machen.

Telefonsex ist dabei nicht unbedingt die schlechtere Alternative zu anderen Sexvarianten, sondern kann das sonstige Sexleben total bereichern. Die wenigsten von uns haben gelernt, die eigenen sexuellen Wünsche gut und unumwunden zu kommunizieren. Telefonsex bietet die Chance, dem eigenen sexuellen Bewusstsein nachzuspüren, damit zu spielen und manchmal kreative und für uns neue Erfahrungen zu machen. Die Distanz zum Partner oder zur Partnerin kann dabei sogar helfen, die eigene Schambarriere ein bisschen zu senken. Sich freier zu fühlen, bislang Verschwiegenes mal auszusprechen. Denn wenn wir mal ganz ehrlich sind, haben wir alle ein, zwei, drei Fantasien, von denen unser*e Partner*in noch nichts weiß.

Aber klar, einfach ist das alles nicht. Wer unsicher ist, wie Telefonsex geht, für den*die haben wir eine Handreichung zusammengestellt. Was gibt es zu beachten? Was könnt ihr sagen, wenn euch gar nichts mehr einfällt? Und wie beseitigt ihr Störfaktoren?

Die wichtigste Regel: Keine Regeln!

Wir möchten euch hier ein paar Ideen und Anregungen geben, nicht mehr und nicht weniger. Wenn ihr die nicht braucht: super. Wenn ihr ganz andere, eigene Ideen habt: super. Wenn ihr euch anstatt auf das kuschlige Sofa lieber auf die kalten Fliesen im Badezimmer legt, an die Heizung kettet und das Telefon mit Gaffa-Tape an eurem Kopf fixiert: super.

Macht das, was euch am meisten Spaß macht.

Die Vorbereitung

Wer noch nicht so versiert ist in Sachen Telefonsex, der*die tut sich einen Gefallen, die ganze Sache ein wenig vorzubereiten. Vorbereitung gibt Sicherheit. Hilft bei Prüfungen genauso gut wie beim Telefonsex.

An erster Stelle steht natürlich, dass ihr ein möglichst ruhiges, störungsfreies Umfeld schafft. Euch ins Schlafzimmer zurückzieht, der WG unmissverständlich klar macht, dass ihr nicht gestört werden möchtet und soweit es geht alle sonstigen möglichen Unterbrechungen abfangt: Keine Waschmaschine mehr anstellen, keinen Kuchen im Ofen haben und bestenfalls sogar Push-Benachrichtigungen auf dem Smartphone ausstellen.

Ansonsten: Macht es euch gemütlich. Fläzt euch auf eine Couch oder in einen Sessel, auf’s Bett oder wo auch immer ihr euch wohl fühlt. Stellt sicher, dass ihr guten Empfang habt. Dimmt das Licht, legt euch gegebenenfalls schon ein Sex-Toy parat, wenn ihr mögt. Zieht euch etwas an, in dem ihr euch wohlfühlt. Oder begehrenswert. Oder zieht einfach gar nichts an.

Der Einstieg

Wer sich an Telefonsex herantasten will, sollte mit Sexting loslegen. Also nicht einfach eine Uhrzeit für ein Telefonat verabreden, sondern sich zunächst ein bisschen schriftlich in Stimmung bringen. Das hilft, die erste Schamhürde zu nehmen und sich einzustimmen. Beschreibt euch gegenseitig, wo ihr gerade seid, an was ihr denkt. Schickt euch Fotos. Die Überleitung zum Telefonat gelingt mit: „Ich würde jetzt gerne deine Stimme hören …“

Die Handlung

Telefonsex ist ein Narrativ, das ihr gemeinsam erzählt. Es geht nicht darum, dem*der anderen nur plump mitzuteilen, was ihr gerade macht („Und jetzt f*** ich dich.“), sondern dialogisch miteinander eure Lust zu entwickeln. Klingt zu abstrakt? Machen wir’s konkret: Startet mit Fragen wie „Was machst du gerade?“, „Was hast du an?“, „Was möchtest du mit mir machen?“. Versucht zu beschreiben, was ihr mögt: „Als du neulich XY gemacht hast, da bin ich sehr geil geworden.“ Sex, den ihr vor Kurzem miteinander hattet, zu beschreiben, kann den Einstieg in alles Weitere sehr erleichtern: „Weißt du noch, als du neulich XX gemacht hast und ich dann YY?“

Hast du das auch schon mal gemacht?

Im nächsten Schritt könnt ihr über Fantasien sprechen. Wenn euch das noch schwer fällt: Lest euch doch zunächst etwas vor. Vielleicht eine Geschichte aus einem Portal für erotische Literatur (findet ihr über jede Suchmaschine). Wem das zu viel Sucherei ist, die*der kann auch auf eine Sexszene aus einem Buch, die ihr*ihm besonders gut gefallen hat, zurückgreifen. Oder beschreibt eine Szene aus einem Film oder Porno, die euch angemacht hat. Fragt nach: „Hast du das auch schon mal gemacht?“ Beschreibt, was ihr euch vorstellt: „Ich trage nur ein dünnes Kleid …“ oder entwickelt gemeinsame Erlebnisse weiter: „Als wir neulich im Restaurant waren und der Kellner dich so angestarrt hat, stell dir vor, er hätte dir einen Zettel zugeschoben, auf dem stand …“

Vielleicht hilft es auch, wenn ihr einfach mal die Rollen tauscht oder euch andere Rollen zuschreibt: „Ich möchte, dass du mir jetzt sagst, was ich tun soll.“

Der*die andere

Das Schöne am Telefonsex im Gegensatz zu Videotelefonie: Man kommt gar nicht erst in Versuchung, sich zu sehr mit sich selbst zu beschäftigen. Ständig zu checken, ob das Licht noch schmeichelhaft genug ist. Nur die Stimme einer anderen Person zu hören, kann ein sehr intimer Moment sein – gerade weil es ein Moment ist, in dem wir unsere Sinne reduzieren und vor allem hören. Lasst euch darauf ein und versucht nicht, die Unterhaltung oder das, was ihr selbst sagt, zu redigieren. Lasst los, Telefonsex lebt von Direktheit, der Geschwindigkeit und Lautstärke der Stimme. Dem Atem, den ihr am anderen Ende der Leitung vernehmt.

Geht auch: Sex, der in echt nicht geht

Beim Telefonsex lassen sich in euren Fantasien auch Dinge entwickeln, zu denen ihr sonst (noch) nicht bereit seid. Es ist der Ort, an dem ihr diese Fantasien austesten könnte. Zum Beispiel Fantasien der Unterwerfung, vom Sex in der Öffentlichkeit oder mit anderen Personen. Geht auch: Sex, der in echt nicht geht. Ihr könnt tun und lassen, was ihr wollt. Ihr müsst es nur beschreiben können. Erinnert ihr euch an das Aliensex-Mädchen aus Sex Education auf Netflix? Ich wette, die findet Telefonsex mega.

Aber bedenkt, dass es auch Dinge gibt, die ihr oder die andere Person trotz Telefonleitung zwischen euch nicht hören wollt. Wie bei jeder Art der sexuellen Begegnung gilt: jede*r nur dass, was gut gefällt. Lasst euch zu nichts hinreißen, was ihr nicht möchtet und achtet die Grenzen der anderen Person.

Störfaktoren

Beim Telefonsex ist es wie in der Oper: Es kann wunderbar sein, wenn man sich mitreißen lässt und auf einmal fällt einem wieder auf, wie absurd die Situation doch eigentlich ist: Da singen sich Leute gegenseitig an! Aber macht euch keine Sorgen, diese Situationen sind normal und passieren immer mal wieder. Das Gute am Telefonsex: Anders als in der Oper könnt ihr hier einfach darüber lachen. Über euch selbst natürlich, nicht über den*die andere*n. Wenn ihr irgendwas Schräges gesagt habt, dass euch plötzlich peinlich vorkommt, nehmt es mit Humor. Sex ist keine Performance und selbst wenn es Pausen gibt, in denen euch beiden nichts mehr einfällt: egal.

Über solche Pausen könnt ihr einfach hinweggehen, indem ihr einen Handlungsfaden aus eurem Gespräch wieder aufnehmt („Als du eben gesagt hast, ich soll …“) oder einfach nachfragt: „Fasst du dich immer noch an?“ Und wenn der*die andere etwas sagen sollte, was euch unangenehm ist, müsst ihr auch nicht direkt abbrechen, sondern könnt überleiten: „Ne, sorry, so nicht. Können wir über etwas anderes sprechen?“

Happy Ending

Telefonsex kann natürlich enden, wie ihr mögt. Aber meistens zielt er eben darauf ab, dass alle Beteiligten zum Orgasmus kommen. Wenn das passiert ist, müsst ihr aber nicht gleich auflegen. Denkt es euch wie beim „echten“ Sex: Auch da kann es schön sein, sich hinterher noch ein wenig zu unterhalten oder einfach nur ein paar Nettigkeiten zuzuflüstern. Oder zu schreien, je nachdem.

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