Abdrücke auf der Haut: Diese Fotos hinterfragen Schönheitsideale

Die Fotoserie Impression zeigt, was wir unseren Körpern mit zu enger Kleidung antun – und hinterfragt, warum wir sie überhaupt tragen.

Nackte, blanke Haut. Keine Verhüllung, keine Kleidung, keine Gegenstände verdecken die Körperteile, die auf den Bildern der Fotoserie Impression zu sehen sind. Die schwarz-weißen Bilder von Füßen, Schulterblättern, Oberschenkeln oder Bäuchen zeigen die Körperpartien ganz natürlich, ganz unaufgeregt und legen den Fokus gleichzeitig auf ein entscheidendes Detail: Alle abgebildeten Körper weisen Abdrücke auf, zeigen Spuren dort, wo kurz zuvor noch Kleidung war. So zeichnet sich der Hosenbund an der nackten Hüfte ab, die Abdrücke eines Korsetts sind eindeutig noch auf den Rippen zu erkennen, die Bügel eines BHs haben sich in die Seite gebohrt und die Riemen von High Heels haben tiefe Spuren auf den Füßen hinterlassen.

Der Fotograf Justin Alexander Bartels, der in San Diego, Kalifornien, lebt und arbeitet, hat die Bilder gemacht. Die Idee zu der Fotoserie sei aus Erfahrungen, die er auf Dates mit Frauen gesammelt hat, entstanden. „Mir ist bei den Treffen mit ihnen erst aufgefallen, wie oft sie sich über ihre unbequemen High Heels beschwerten, über enge Jeans, über Bügel-BHs und all sowas. Ich wollte mit den Fotos das Danach zeigen, wenn sie diese Kleidungsstücke abgelegt haben. Ich wollte einen visuellen Beweis für die Unbequemlichkeit schaffen“, sagt Bartels.

Gesellschaftliche Ideal hinterfragen

„Bei Impression geht es darum, unsere gesellschaftlichen Ideale von Schönheit und Modetrends zu hinterfragen. Warum entscheiden sich Frauen dazu, solche unbequemen Kleidungsstücke oder Schuhe zu tragen? Um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden, um sich schön zu fühlen, um gesellschaftlichen Normen zu entsprechen?“, fragt Bartels. In seiner Heimat in Südkalifornien würden viele Frauen so einiges auf sich nehmen, um bei Fashion- und Stylingtrends vorne dabei zu sein, behauptet er.

Auf den Dates seien ihm dann die Abdrücke, welche Kleidungsstücke auf der Haut hinterlassen, aufgefallen. „Ich liebe das Visuelle. Interessante Formen, Muster und Anordnungen auf der Haut zu sehen, hat auf jeden Fall meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Ich war davon fasziniert, aber sobald ich den Schmerz damit verbunden hatte, wollte ich mit dieser Fotoserie genau diesen Schmerz darstellen“, erinnert er sich.

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„Ich dachte, die Abdrücke sind visuell interessant und für spannende Fotos geeignet, aber ich dachte gleichzeitig auch darüber nach, welche sozialen Folgen es haben könnte, diese Dinge zu zeigen und die Frage danach zu stellen, warum sie so unbequeme Dinge tragen“, beschreibt er seine Gedanken. „Mit dem Aufkommen von Social Media und anderen Onlineplattformen für Fotografie, wo unsere Schönheit davon bestimmt ist, wie viele Likes man bekommt, gibt es einen deutlichen Trend bei Frauen, immer mehr von der eigenen Figur zu zeigen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, um sich schön zu fühlen“, erklärt Bartels. An dieser Stelle darf jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass dieser von Bartels beschriebene Trend nicht ausschließlich Frauen betrifft, sondern grundsätzlich alle Personen.

Lass dir nicht von sozialen Normen oder Idealen diktieren, was du anziehen oder wie du dich verhalten sollst.

Justin Alexander Bartels

„Schönheit kommt in unserer Gesellschaft daher, was andere als schön empfinden, nicht von innen. Wir legen viel mehr Wert darauf, was andere über unser Aussehen denken als darauf, wie wir uns selbst sehen. Die Gesellschaft formt unsere Wahrnehmung von uns; unglücklicherweise oft auf eine negative Art“, findet Bartels. Er hofft, dass Menschen erkennen, dass das, was sie besonders und einzigartig macht, von innen kommt und nicht davon, was die Welt über einen denkt. „Lass dir nicht von sozialen Normen oder Idealen diktieren, was du anziehen oder wie du dich verhalten sollst,“ sagt er.


Weitere Arbeiten von Justin Alexander Bartels findet ihr auf seiner Website, auf Facebook und auf Instagram.