AfD-Spitzenkandidat: Was bisher über die Neonazi-Verbindungen von Andreas Kalbitz bekannt ist

Andreas Kalbitz wird voraussichtlich als Sieger aus der Wahl in Brandenburg hervorgehen. Seine Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken haben dem AfD-Politiker bisher nicht geschadet.

Andreas Kalbitz AfD Brandenburg Himmler

Wie war das nochmal mit dem Grundgesetz? Foto: Patrick Pleul / dpa-Zentralbild / ZB

Ist jemand, der viele Kontakte zu Rechtsextremen hat, selbst rechtsextrem? Diese Frage wurde AfD-Politiker Andreas Kalbitz beim Sommerinterview des ZDF gestellt. Kalbitz wich aus: Es käme mehr auf die Inhalte einer Partei an als auf die Vergangenheit von Einzelpersonen.

Kalbitz gehört zum sogenannten völkischen Flügel der Partei. Am Sonntag könnte der AfD-Spitzenkandidat als Sieger aus der Landtagswahl in Brandenburg hervorgehen. Laut aktuellen Prognosen der Forschungsgruppe Wahlen liegt die AfD nur einen Prozentpunkt hinter der SPD. Bei einer Wahlkampfveranstaltung im April warnte er seine Unterstützer*innen vor Kampagnen der Medien gegen die AfD. Diese würden die „Nazikeule“ schwingen: „Wenn sie nichts finden, erfinden sie was.“

Dabei fallen Kalbitz Kontakte ins rechtsextreme Spektrum direkt ins Auge. Seine Verbindungen zur Neonaziszene sind eindeutig zu erkennen, aktuelle Enthüllungen des Spiegels zeichnen das Bild von Kalbitz noch klarer. Wir haben alle bisher bekannten Verflechtungen des Politikers zu rechtsextremistischen und neonazistischen Vereinigungen zusammengetragen:

Jugend

  • Als Schüler engagierte sich Andreas Kalbitz in der Pennalen Burschenschaft Saxonia-Czernowitz zu München. Dabei handelt es sich nach eigenen Angaben um eine Verbindung, in der „Werte wie Heimat, Tradition und Ehre noch etwas bedeuten“. Durch die Antwort auf eine kleine Anfrage der Grünen von 2015 geht hervor, dass die Burschenschaft aufgrund rechtsextremer Tendenzen vom Verfassungsschutz geprüft wurde.

1993

  • Laut einer Recherche des ARD-Magazins Kontraste nahm Kalbitz im Juli 1993 an einem Sommercamp des rechtsextremen Vereins Die Heimattreue Jugend e.V. teil. Der Verein wurde später in die Vereinigung Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) umbenannt, mit der Kalbitz mehrfach in Kontakt gestanden haben soll. Dietwald Claus, der ebenfalls an dem Camp teilnahm und inzwischen aus der rechtsextremen Szene ausgestiegen ist, erinnert sich an Andreas Kalbitz als „Scharfmacher“, der mit harten Forderungen auf sich aufmerksam gemacht habe. Kalbitz bezeichnete seine Teilnahme als „alten Hut“ und die Kontraste-Berichterstattung als „Wahlkampfgetöse“.
  • Im selben Jahr trat Kalbitz dem rechtsextremen Witikobund bei, der in den 1950er Jahren von ehemaligen Nationalsozialist*innen gegründet worden war. Entgegen der Einstufung des Bundesministeriums für Inneres erklärte Kalbitz gegenüber der Welt, dass der Bund „keine rechtsextreme Vereinigung“ sei.

2001

  • In einem Text im Witikobrief, der Vereinszeitung des Witikobunds, schrieb Andreas Kalbitz von einem „Ethnozid am deutschen Volk“. Im Gespräch mit der Welt erklärte er, seine „unüberlegte Sprachwahl“ sei sicher seinem Alter geschuldet gewesen.

2004

  • In diesem Jahr erschien der Film Hitler. The Unknown Soldier. 1914-1918, bei dem Kalbitz‘ Schwiegervater Regie führte. 2009 folgte Von Garmisch in den Kaukasus. Die Geschichte der 1. Gebirgsdivision 1941-1942. Kalbitz war sowohl an den Drehs als auch an der Ausarbeitung der Skripte beteiligt. Historiker*innen stufen den Film als geschichtsverherrlichend ein. Insbesondere Hitlers Antisemitismus werde nicht eingeordnet, wodurch der Eindruck einer stillen Zustimmung entstehe.

2007

  • Der Politiker soll an einem Neonaziaufmarsch in Athen teilgenommen haben, bei dem auch eine Flagge mit einem Hakenkreuz gehisst wurde, wie eine Recherche des Spiegels zeigte. Kalbitz selbst streitet seine Anwesenheit nicht ab, will aber von der Gesinnung der 13 Männer, mit denen er sich umgab, nichts gewusst haben – darunter NPD-Chef Udo Voigt und weitere Mitglieder der rechtsextremen Partei sowie ein Mann, der später unter Verdacht stand, einen zweiten Nationalsozialistischen Untergrund aufzubauen.
  • Kabitz besuchte außerdem ein Pfingstlager der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend. Der Jugendverband orientierte sich an der Hitlerjugend und lehrte neonazistische Ideologien.

2008

  • Laut Tagesspiegel stand Kalbitz mit dem Holocaustleugner Horst Mahler in Kontakt, der die NDP zu dieser Zeit als Anwalt in einem Verbotsverfahren vertrat. Kalbitz distanzierte sich später von den Aussagen Mahlers und erklärte, er wisse nichts von einem E-Mail-Austausch.

2009

  • Kalbitz erhielt E-Mails des ehemaligen HDJ-Führers Sebastian Räbiger. Ebenfalls im Verteiler waren ein NPD-Mitglied, weitere ehemalige Mitglieder der HDJ und ein Mitglied der rechtsextremistischen Gemeinschaft Deutscher Frauen.

2014

  • Ein Jahr nach seinem Beitritt zur AfD übernahm Andreas Kalbitz den Vorsitz des Vereins Kultur- und Zeitgeschichte, Archiv der Zeit. Ehemaliger Gründer des Vereins war Waldemar Schütz, SS-Mitglied und Hauptsturmführer der Leibstandarte von Adolf Hitler. Schütz arbeitete nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Verleger und war Teil des Bundesvorstands der NPD. Zum Zeitpunkt von Kalbitz‘ Vorsitz waren mehrere NPD-Mitglieder Teil des Vereinsvorstands. 2015 legte Kalbitz sein Amt im Verein nieder.