Akne hat viele Gesichter – und alle sind wunderschön

Mit dem Fotoprojekt Epidermis möchte eine Fotografin zeigen, dass Akne normal ist – und so andere Frauen bestärken.

Große, rote Flecken am Kinn, eitrige und schmerzhafte Pickel auf der Wange oder der Stirn, Narben im Gesicht, am Rücken oder auf dem Oberkörper: Akne kann in ganz unterschiedlicher Form und Ausprägung vorkommen. Für die Betroffenen ist es meist alles andere als angenehm – nicht nur, weil Akne schmerzhaft ist, sondern auch weil sie sich dafür schämen. Denn Akne wird in unserer Gesellschaft nur selten thematisiert und erscheint daher fast wie ein Tabuthema. So lächeln uns von Werbeplakaten auf der Straße hauptsächlich Menschen mit glatter Haut und perfekten Poren entgegen, auf den Gesichtern der Hollywood-Schauspieler*innen findet sich nicht der Hauch einer Unreinheit und in diversen Werbespots wird für Mittel geworben, die für eine makellose Haut sorgen sollen.

[Außerdem bei ze.tt: Diese Fotos zeigen, dass Akne ganz normal ist]

Dabei ist Akne eine ernstzunehmende, hormonelle Hauterkrankung, die nicht nur bei Jugendlichen in der Pubertät, sondern auch im Erwachsenenalter vorkommen kann. Wie der NDR in einem Ratgeber zusammenfasst, wird Akne häufig durch das männliche Geschlechtshormon Androgen verursacht, welches die Talgdrüsen anregt und auch dafür sorgt, dass sich mehr Hornmaterial bildet. In der Folge verstopfen die Talgdrüsen, Mittesser entstehen und bestimmte Bakterien vermehren sich in den verstopften Drüsen, was dann zu den schmerzhaften Pickeln und Pusteln führen kann.

Gegen Stigma, für Vielfalt

Auch die Londoner Fotografin Sophie Harris-Taylor weiß genau, wie sich Akne anfühlt: „Ich litt in meinen Teenager-Jahren und auch in meinen 20ern unter Akne, fühlte mich davon unglaublich gehemmt und wollte unbedingt ,normale‘ Haut.“ Doch Normalität, so erklärt Sophie, werde letztlich von den Bildern definiert, die wir um uns herum sehen. Deshalb beschloss sie, sich diesem Thema künstlerisch zu nähern und fotografierte und interviewte mehr als 20 Frauen ungeschminkt und mit unterschiedlichen Hautkrankheiten. Die Bilder präsentiert sie nun in ihrem neuen Projekt Epidermis.

Wir sollen glauben, dass alle Frauen makellose, perfekt Haut haben – aber das stimmt nicht.“ – Sophie Harris-Taylor

„Ich wollte etwas erschaffen, dass andere bestärkt und Frauen erlaubt, ihre Haut zu lieben, ganz egal in welchem Zustand sie ist“, bekräftigt Sophie. Die Fotoreihe möchte mit dem Stigma, das oft mit Akne verbunden wird, aufräumen und die Vielfalt feiern. „Wir sollen glauben, dass alle Frauen makellose, perfekt Haut haben – aber das stimmt nicht. Ob einfach nicht gezeigt oder versteckt: Viele Frauen leiden unter Akne, Rosazea oder Ekzemen und die meisten dieser Frauen fühlen den Druck, das unter eine Maske aus Make-up zu verstecken und somit das zu überdecken, was sie eigentlich einzigartig macht.“ Auf ihren Bildern, so Sophie, würden diese wunderschönen Frauen ihre Haut stolz zeigen.

Die Foto-Reihe "Epidermis" kämpft gegen das Stigma und feiert Vielfältigkeit.
Louise Latham, 23 / © Sophie Harris-Taylor

„Seitdem ich etwas älter bin, strebe ich nach Selbstakzeptanz. Ich denke, es ist wichtig zu lernen, sich selbst zu lieben und sich diese ‚Mängel‘ zu eigen zu machen.“ – Louise Latham, 23

Die Foto-Reihe "Epidermis" kämpft gegen das Stigma und feiert Vielfältigkeit.
Indiana Wrigley, 21 / © Sophie Harris-Taylor

„Ich habe das Gefühl, dass Menschen davon ausgehen, dass du nicht gut isst, dich nicht wäschst oder nicht professionell sein kannst, wenn du Akne hast.“ – Indiana Wrigley, 21

Die Foto-Reihe "Epidermis" kämpft gegen das Stigma und feiert Vielfältigkeit.
Joice Gonzales, 22 / © Sophie Harris-Taylor

„Mit Akne aufzuwachen hat mein Selbstbewusstsein auf jeden Fall stark strapaziert – sogar so sehr, dass es mir unangenehm war, rauszugehen.“ – Joice Gonzales, 22


Weitere Information über Sophie und ihre Arbeit findet ihr auf ihrer Webseite, Twitter und Instagram.