Aktivist*innen von HoGeSatzbau legen Attila Hildmann rein

Der Vegan-Koch hat geglaubt, er habe die Mitglieder der satirischen Initiative HoGeSatzbau enttarnt. Stattdessen ist er von den Aktivist*innen getrollt worden.

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Große Klappe, nichts dahinter: Atilla Hildmann verbreitet lieber Fehlinformationen, statt Fakes zu checken. Foto (l.): Carsten Koall /dpa | Screenshot (r.): Hooligans gegen Satzbau | Bearbeitung: ze.tt

Seit Wochen fällt der vegane Kochbuchautor Attila Hildmann durch seine wirren Verschwörungsideologien auf. In Berlin rief er regelmäßig zu Demonstrationen gegen Corona-Maßnahmen und eine geheime Weltordnung auf, organisierte Autokorsos und hielt Ansprachen. Wiederholt nutzte er antisemtische Parolen und rechtsextremes Vokabular, um seine Mythen zu verbreiten. Zuletzt fuhr Hildmann mit einer Reichskriegsflagge samt SS-Slogan durch die Hauptstadt und bedrohte dem Grünen-Politiker Volker Beck mit dem Tod.

Auf die satirische Aktivist*innen-Gruppe Hooligans gegen Satzbau (kurz: HoGeSatzbau) setzte Hildmann ein Kopfgeld aus. Seine Anhänger*innen sollten ihm die Namen der Aktivist*innen liefern, weil sie ihn wiederholt kritisiert hatten. HoGeSatzbau stellte Hildmann daraufhin eine Falle. Die Gruppe erstellte Fake-Profile zweier vermeintlicher Admins ihrer Facebook-Seite, die scheinbar zur Antifa gehörten und übermittelten Hildmann anonym deren Daten. Hildmann feierte den Triumph in seiner Telegram-Gruppe. Tatsächlich hatte ihm die Initiative Fotos und Namen von Anhänger*innen der Neonazi-Szene gesendet.

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Wieso das Ganze?

Hildmann hatte Geld versprochen für Hinweise auf die Mitglieder von HoGeSatzbau sowie Anonymous Deutschland. Anonymous hatte zuvor Hildmanns Webserver gehackt und seine Telegram-Gruppe gekapert, wie Watson berichtet. HoGeSatzbau hatte dazu aufgerufen, Hildmanns Instagram-Account zu melden. Es hatten sich so viele Nutzer*innen an der Melde-Aktion beteiligt, dass der Account von Hildmann daraufhin gesperrt worden war.

Wie lief die Aktion von HoGeSatzbau ab?

Hildmann bekam am Wochenende per WhatsApp Nachrichten, in denen jemand behauptete, die Admins der Gruppe HoGeSatzbau enthüllt zu haben. Als kurz darauf auch noch das Facebook-Profil der HoGeSatzbau offline ging, wähnte sich Hildmann siegessicher: „Die Antifa Seite von HoGeSatzbau mit 180.000 Followern hat nachdem ich alle Namen htte [sic!] ihre Facebookseite deaktiviert“, schrieb er in seine Telegram-Gruppe.

Wessen Daten hatte Hildmann wirklich bekommen?

Die Aktivist*innen der HoGeSatzbau, die sonst unter den Tarnnamen Kiki Klugscheißer, Elsbeth Grammatik und Grafikhool auftreten, präsentierten Hildmann einen Daniel Schmidt sowie eine Marie-Christin Plambeck als vermeintliche Admins ihrer Seite. Daniel Schmidt und Marie-Christin Plambeck sind Neonazis, die Teil des „Aryan Circle Germany“ („Arischer Zirkel Deutschland“) sind, erklären HoGeSatzbau auf ihrer Seite.

Es hätte gereicht, die Namen zu googlen und das Bild von Daniel Schmidt mithilfe der Rückwärtssuche als Fake zu erkennen, schreiben die Aktivist*innen weiter. Dass Hildmann diese Recherche nicht angestellt habe, ist für die Gruppe Beleg für Hildmanns Umgang auch mit anderen Informationen. „Menschen suchen sich ihre Infos so, dass sie zu ihrem bisherigen Wissen passen und hinterfragen Informationen und Quellen nicht mehr, wenn diese ihre Sichtweise bestätigen. Das ist das, was zählt. Mehr noch als jeder belegbare Fakt.“

Was ist aus Hildmanns Kopfgeld geworden?

Eigentlich hätten sie gerne das von Hildmann angekündigte Kopfgeld kassiert, sagten die Hooligans zu T-Online. Sie hätten es an Exit Deutschland spenden wollen, eine Initiative, die beim Ausstieg aus der rechtsextremen Szene hilft. Doch sie hätten kein Geld bekommen – ihrer Annahme nach sei Hildmann inzwischen pleite.

sz