Die gemeinsame Schönheit von Mensch und Natur

Die Fotografin Alicja Brodowicz stellt Aufnahmen von Körpern und Natur gegenüber und hebt damit ihre Gemeinsamkeiten hervor. Ein Kunstprojekt, das auf kreative Weise zeigt, wie sehr der Mensch Teil der Natur ist.

Alicja Brodowicz fotografiert den menschlichen Körper – den Mikrokosmos. Seine kleinsten Teile, seine Merkmale und Besonderheiten. Haare, Narben, Hautstrukturen, Falten, individuelle Eigenheiten und Unregelmäßigkeiten. „Unvollkommenheiten habe ich am liebsten“, sagt sie.

Und Alicja Brodowicz fotografiert die Natur – den Makrokosmos. Die darin vorkommenden Strukturen und Formen, Wasseroberflächen, Gras, Baumrinde, Früchte und vertrocknete Blätter. „Ich möchte den menschlichen Körper und die Natur einen“, sagt sie und sucht auf beiden Fotos Ähnlichkeiten, übereinstimmende Linien und analoge Muster.

Mensch und Natur gehören zusammen

Je älter Brodowicz wird, desto mehr wächst ihr Verlangen, sich in der Natur aufzuhalten, sagt sie. Ihr Fotoprojekt Visual Exercise sei eine visuelle Inszenierung dessen. Durch den Vergleich des menschlichen Körpers mit verschiedenen Bestandteilen der Natur möchte die Fotografin zeigen, dass alles natürliche Leben miteinander vernetzt ist. Und dass das eine nicht ohne das andere existieren kann.

Sie mache sich Sorgen, sagt Brodowicz. Um die Umwelt, die zu zerbrechen droht, aufgrund der scheinbar unüberwindbaren, vom Menschen auferlegten Last, die sie tragen muss. „Wir sind Teil der Natur und wenn wir sie weiterhin zerstören, so wie wir es jetzt tun, zerstören wir auch uns selbst.“

Die Paradoxie der Schönheit

In der Natur gibt es in Sachen Schönheit keine Regeln, denn Perfektion existiert gleichzeitig im Überfluss und gar nicht. Erst die Existenz von Fehlerhaftem, von Mängeln und Fehlbildungen definiert Schönheit als schön. Erst durch sie wird Schönheit glorifiziert und verherrlicht. Es muss beides geben, Perfektion und ihr Gegenteil, damit sie voneinander zehren und eine Art von Geltung beanspruchen können.

Brodowicz wählte die Worte der US-amerikanischen Schriftstellerin und politischen Aktivistin Alice Walker als ihr Motto: „In der Natur, nichts ist perfekt und alles ist perfekt. Bäume können deformiert und seltsam verbogen wachsen – trotzdem sind sie schön.“ Geht es nach Brodowicz, gilt dasselbe für den menschlichen Körper. Ihre Bilder zeigen daher verschiedene Stellen des Körpers, meist in Nahaufnahme, in all seiner Menschlichkeit. „Ich wollte nicht nur die Schönheit von jungen und gesunden Körpern zeigen, sondern auch von gealterten.“ Schlaffe Haut, Falten, Altersflecken – Brodowicz scheut nicht davor zurück, auch diese Seiten abzulichten. Der Grund dafür ist einfach: Menschen sind vergänglich. Wir alle werden älter, unsere Körper verändern sich, wir sterben. Und genau wie die Natur selbst unterliegt auch der Mensch im Laufe seines Lebens der Paradoxie der Schönheit.

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