Allein im Urlaub: Vier soloreisende Frauen geben Tipps

Du willst einfach mal auf eigene Faust los? Hier erzählen vier Weltenbummlerinnen von ihren Soloreisen – und welche Länder sich gut dafür eignen.

Allein im Urlaub: Vier soloreisende Frauen geben Tipps

„Ich kenne keine bessere Gelegenheit, sich wirklich mit seinen eigenen Gedanken auseinanderzusetzen, ohne Probleme auch mal den ganzen Tag still zu sein, und viel bewusster den Augenblick zu genießen." Symbolfoto: Pete Johnson / Stocksnap / CC0

Alleine reisen wird auf vielen Blogs gerade gefeiert, als die ultimative Art Urlaub zu machen und sich selbst kennenzulernen. Vor allem Frauen scheint die Idee zu gefallen, unabhängig die Welt zu entdecken.

Viele der Alleinurlauberinnen sind Wiederholungstäterinnen, wie zum Beispiel die Soloreisenden Anika, Deike, Ute und Christina. Hier erzählen sie, was schön am Alleinreisen ist – und was nicht. Außerdem verraten sie ein paar Tipps und Tricks, damit der erste Urlaub alleine ein Erfolg wird.

Anika

„Mit 23 habe ich mich mit gebrochenem Herzen und einem leer geräumten Konto in ein Flugzeug nach Los Angeles gesetzt und keinen Plan gehabt, was ich tun soll, wenn ich dort angekommen bin. Ich habe zwei Wochen in Kalifornien verbracht. Die Zeit war unglaublich bereichernd, denn auch wenn die USA schon lange nicht mehr für dieses Sinnbild von Freiheit stehen, fühlte sich meine Zeit in Kalifornien genau so an: mich frei strampeln von allem, was nicht mehr zu mir passt.

Mittlerweile bin ich zehn- bis 15-mal alleine verreist. Man lernt sich beim Reisen selbst neu kennen: Wie kommuniziere ich, wenn ich die Sprache nicht kann? Wie löse ich ein plötzlich auftauchendes Problem in einem fremden Land? Kann ich den Sonnenuntergang alleine genießen? Das alles finde ich sehr spannend. Außerdem lernt man alleine unterwegs schneller Einheimische oder andere Reisende kennen als in der Gruppe. Man nimmt Szenen und Landschaften manchmal stärker wahr, weil man nicht so viel abgelenkt ist durch den Austausch mit anderen.

Weniger Spaß macht es, wenn eine Situation Angst macht oder überfordert. Man kann sich dann nur an sich selbst lehnen und das muss man üben. Sich selbst beruhigen, sich sagen, dass man das auch alleine hinbekommt. Das Gefühl, über sich hinauszuwachsen, ist umso schöner dann. Frauen die alleine verreisen möchten, kann ich raten: einfach machen, Mut wird immer belohnt!

Ganz praktisch gesehen würde ich vorschlagen, erst mal einen Städtetrip zu machen, da ist man nie alleine, alles ist gut strukturiert und man kommt daher gut zurecht. Die Länder Europas eignen sich gut, denn es gibt unglaublich viel zu sehen. Das vergessen wir manchmal, da sie vor der Haustür liegen. Zudem lassen sie sich nachhaltig bereisen mit Bus, Bahn oder eigenem Camper. Außerdem hat man dann immer das Gefühl, nicht so weit von zu Hause entfernt zu sein – für den Fall, dass man die Reise abbrechen möchte.“

Anika schreibt und macht Podcasts über das Alleinreisen. Du findest mehr von ihr auf ihrer Webseite.

Deike

„Alleine zu verreisen war nicht das, was ich unbedingt immer vorhatte. Aber als ich dann im Herbst endlich nach einem Projektabschluss Urlaub nehmen konnte, hatten weder mein Freund noch Geschwister noch Freund*innen Zeit, Geld oder Interesse an einem Wanderurlaub auf Mallorca. Deswegen dachte ich mir, warum denn nicht einfach alleine mein Ding machen. Außerdem bietet sich gerade eine mehrtägige Wanderung gut an, um alleine zu verreisen. Da kann eigentlich keine Langeweile aufkommen.

Schön ist besonders die Unabhängigkeit frei zu entscheiden, was man wann genau tun möchte, keine Kompromisse einzugehen und dass man viel offener ist, andere Menschen kennenzulernen. Weniger toll fand ich, dass ich schöne Momente oder Aussichten nicht teilen konnte. Es ist schon etwas anderes, wenn man jemanden dabeihat, mit dem man sich gemeinsam über etwas freuen kann.

Besondere Ängste hatte ich eigentlich nicht, ich habe alles auf mich zukommen lassen. Tatsächlich hatten andere Menschen mehr Ängste als ich. Ein erstauntes bis besorgtes ‚Wie, du fährst alleine?‘ habe ich recht oft vorher gehört. Die schönsten Momente waren, wenn ich Hürden alleine überwunden habe. Wie als ich mich verlaufen habe, und den Weg alleine wiedergefunden habe. Man muss sagen, am Ende habe ich mich sehr auf zu Hause und auf Menschen, die mir wichtig sind und mich gut kennen, gefreut. Der Urlaub war schön und eine wunderbare Erfahrung und ich würde das wieder tun, allerdings nicht viel länger als 14 Tage. Mir ist dort auch bewusst geworden, wie wichtig für mich soziale Kontakte sind, die über mehr als ein Gespräch am Abend hinausgehen.“

Deike erzählt in einem Blogeintrag noch etwas ausführlicher von ihrer Wanderung auf Mallorca.

Christina

Tag 1 – aiaiai Leute, die letzen Tage waren wirklich ne Achterbahnfahrt. Letzte Umbauten durchgeführt, letzte Reparaturen nicht möglich sodass ich unterwegs noch ne Werkstatt in den nächsten Tagen finden muss. Aber kriegen Wanda und ich schon hin. . Der Abschied tränenreich, die ersten Kilometer problemlos, der erste Stellplatz großartig direkt an der Elbe. Und für das leckere Rezept darf ich noch @vegan_ivy danken 😊 . Na auf geht’s… auf unbestimmte Zeit durch Europa. Ihr dürft einiges an unterhaltsamem Content erwarten 🚐✌🏼 // Day 1 – aiaiai peeps, the last days were one giant up and down. A few last changes made, last repairs not possible so I’ll have to find a garage in the next days. But Wanda and I’ll make it work. . The farewell full of tears, the first kilometers without problems, the first parking spot right across the Elbe river. And thanks to @vegan_ivy for the amazing recipe 😊 . Here we go… open end through Europe. You may expect quite a bit of entertaining content 🚐✌🏼

A post shared by Christina (@frauunterwegs) on

„Wirklich alleine los ging es das erste Mal im Herbst 2015 nach Israel, für eine Mountainbike-Tour von Jerusalem nach Tel Aviv. Seitdem bin ich fast nur noch alleine verreist. Dabei waren zum Beispiel zwei Wochen Trampen durch den Norden Thailands und eine Woche Fahrradfahren durch Hessen. Schließlich habe ich mich Ende 2016 selbstständig gemacht und lebe und arbeite sozusagen im Unterwegs.

Aktuell reise ich alleine in meinem umgebauten Van durch Osteuropa. Dadurch, dass nur ich am Steuer sitze, wörtlich als auch im übertragenen Sinne, kann ich immer entscheiden, wonach mir der Sinn steht. Noch viel wichtiger aber ist für mich die Möglichkeit zur Reflektion. Ich kenne keine bessere Gelegenheit, sich wirklich mit seinen eigenen Gedanken auseinanderzusetzen, ohne Probleme auch mal den ganzen Tag still zu sein, und viel bewusster den Augenblick zu genießen.

Nun mag das alles sehr romantisch klingen, aber natürlich ist das alleine Reisen auch extrem anstrengend. Erst mal ist man für alles Logistische verantwortlich: Wo schlafe ich, wo esse ich, wo dusche ich, welche Orte möchte ich sehen, wo ist die nächste Tankstelle und ein Geldautomat? Dann hat man vielleicht Heimweh oder einfach nur seit drei Tagen Regenwetter. Einsamkeit spielt natürlich auch eine Rolle.

Manchmal kann es einen ganz schön überrumpeln. Mir hat es auf meiner ersten Solo-Reise geholfen, mich über Couchsurfing direkt an Einheimische zu wenden, die mir die Umgebung, gutes Essen und Einblicke in die Kultur ermöglicht haben. Mit einigen bin ich noch heute in Kontakt, wir sind gute Freund*innen geworden. Ich bin sehr selektiv was meine Couchsurfing-Anfragen angeht und habe so noch nie schlechte Erfahrungen gemacht, aber ich weiß, dass das nicht jedermanns Sache ist. Am besten suchst du dir sonst ein Hostel mit gemütlichen Gemeinschaftsräumen, das auch einige Aktivitäten anbietet – so lernt man immer schnell Leute kennen. Außerdem gibt es in den großen Städten Europas mittlerweile fast überall sogenannte Free Walking Tours, auf denen man ebenfalls leicht Gleichgesinnten begegnet.“

Mehr Details von Christinas Reise mit ihrem Van Wanda findest du auf ihrer Webseite.

Ute

Me in Jordan…

A post shared by Ute Kranz | BRAVEBIRD (@bravebirdsblog) on

„Wenn ich meine ganzen Alleinreisen in Reisezeit zusammenfassen würde, sind es insgesamt sicher vier Jahre, die ich allein irgendwo in der weiten Welt unterwegs war. Das Schönste daran ist auf jeden Fall die Freiheit und die Selbstbestimmtheit: Jeden Tag entscheiden können, wonach einem gerade ist. Und natürlich auch nach Lust und Laune in den Tag hineinleben, ohne irgendjemandem Rechenschaft ablegen zu müssen. Das Besondere sind die vielen außergewöhnlichen Kontakte, die man auf Reisen schließt – sei es mit Einheimischen oder anderen Reisenden.

Für mich persönlich liegt der größte Nachteil in der etwas dürftigen Abendgestaltung in Bezug auf Restaurant-, Bar- oder Clubbesuche. Wenn ich in einer Großstadt bin, gehört für mich eigentlich der Besuch stylisher, romantischer oder kultiger Lokalitäten dazu, aber das ist allein irgendwie ziemlich trostlos. Kann man natürlich alles machen, aber hier fehlt mir definitiv der Genuss, der durch das Teilen einer schönen Atmosphäre entsteht. Allerdings kann man das mittlerweile ganz gut umgehen, indem man in großen Facebook-Communitys nach Gleichgesinnten vor Ort sucht. Andere Nachteile sind noch, dass man anders als bei einer Reise zu zweit nicht die Möglichkeit hat, Kosten zu teilen, wodurch es hier und da etwas teurer sein könnte.

Jeden Tag brechen Hunderte Frauen auf, um sich mit ihrem Rucksack oder Koffer in ihr Alleinreise-Abenteuer zu stürzen und schon diese Tatsache dürfte eigentlich ausreichen, dass man sich selbst sagen kann ‚Wenn die das schaffen, sollte mich das auch nicht davon abhalten!‘ Es gibt zudem so tolle Hilfestellungen wie Facebook-Gruppen (zum Beispiel meine namens Bravegirls mit über 10.000 Mitgliedern, die Fragen beantworten können und mit Fotos und Erfahrungen inspirieren) oder eben Ratgeber und unzählige Blogs, die Tipps zum Alleinreisen geben.

Gut vorbereitet, als Frau mit Beachtung landestypischer Kleidung, kann eigentlich nichts schief gehen. Grundsätzlich ist es am einfachsten, wenn man entweder ein Ziel wählt, das unserem Land und unserer Kultur sehr ähnlich ist (Europa, USA, Kanada) oder man ein Land wählt, in dem sich viele Gleichgesinnte aufhalten. Hierzu gehört eigentlich ganz Südostasien. Andere interessante Länder für Newbies wären in Mittelamerika und diverse karibische Inseln, zum Beispiel Costa Rica, Kuba, Mexiko, Panama oder die Bahamas.“

Noch mehr Tipps für Solo-Reisende hält Ute auf ihrem Blog Bravebird parat.