An diesen Orten finden Berliner*innen einen Ausgleich zum Großstadtstress

Mauerpark, Brandenburger Tor oder Fernsehturm kennen alle. Was ist aber mit den weniger bekannten Orten in der Hauptstadt? Unsere Autorin hat Menschen in Berlin nach ihren Lieblingsplätzen gefragt und davon ein paar Fotos geschossen.

Gerade im Winter würde ich mich am liebsten mit Tee und Netflix unter der warmen Bettdecke verkriechen. Tu ich großteils auch, aber leider ist der Berliner Winter so lang, dass kein Netflixprogamm der Welt ausreichen könnte, um damit auf höhere Temperaturen zu warten. Deswegen beschloss ich wider Willen, doch meine Komfortzone zu verlassen und die schönste Natur, die gemütlichsten Cafés und coolsten Bars von Berlin zu suchen. Dazu habe ich mich umgehört und Leute, die schon lange in Berlin wohnen oder erst kürzlich zugezogen sind, nach ihrem Lieblingsort gefragt, um mich selbst von der Schönheit dieser Plätze zu überzeugen.

Für Naturliebhaber*innen

1. Märchenbrunnen im Volkspark Friedrichshain

Der Märchenbrunnen
Der Märchenbrunnen / © Debbie Schmitt

Evka ist 39 und wohnt seit 2016 in Berlin. Er liebt diesen Brunnen, weil er prunkvoll aussieht und ihn der Barockstil anspricht. Die Skulpturen auf dem Brunnen sind aus diversen Märchen bekannt und das plätschernde Wasser dazu gibt Evka die nötige Ruhe mitten in der Stadt.

2. Tempelhofer Feld

Tempelhofer Feld
Tempelhofer Feld / © Debbie Schmitt

„Wo einst mal ein Flughafen war, ist jetzt das Tempelhofer Feld, eine riesige freie grüne Fläche, die so viel bietet. Auf dem ehemaligen Rollfeld kann man toll Fahrrad oder Inliner fahren. Auf der Wiese kann man schön picknicken. Im Sommer findet dort auch oft ein Drachenfest statt“, sagt die 21-jährige Tamara, die seit September 2016 in Berlin lebt.

3. Rehberge

Rehberge
Rehberge / © Debbie Schmitt

Andreas ist 24 Jahre alt und studiert seit Oktober 2017 in der Hauptstadt. Die Rehberge mag er so, weil er sich zwar als Stadtmensch bezeichnet, aber trotzdem auch Natur braucht, um sich zu entspannen. Bei Spaziergängen im Wald kann er frische Luft schnappen, ohne viele Abgase einzuatmen und ohne gestressten Leuten zu begegnen. Hier entkommt er dem sonst so schnelllebigen Alltag und schafft sich dazu einen Ausgleich.

4. Schlachtensee

Schlachtensee
Schlachtensee / © Debbie Schmitt

Zu zweit um den Schlachtensee zu spazieren, das macht Sara (23) in Berlin am liebsten. Wenn sie nicht gerade sonntagnachmittags dort ist, ist es nicht so voll und sie kann im Sommer auch gut dort schwimmen gehen. Es gibt auch ein kleines Restaurant und einen Imbiss in der Nähe.

5. Maybachufer

Maybachufer
Maybachufer / © Debbie Schmitt

Caroline (25) ist seit August 2014 in Berlin. Sie erzählt: „Im Sommer ist das Maybachufer in Kreuzberg einer der schönsten Orte in Berlin. Man kann sich ein Picknick aus allerlei türkischen Köstlichkeiten vom Wochenmarkt zuammenstellen, sich ans Ufer setzen und die kleinen, vorbeifahrenden Boote beobachten. Der Sonnenuntergang ist übrigens von der Admiralsbrücke am schönsten. Dann unbedingt noch ein oder zehn Bierchen in der Ankerklause, um den Tag ausklingen zu lassen.“

Für die Kaffeepause

1. Garcia

Garcia
Garcia / © Debbie Schmitt

Sahra ist 22 und lebt seit 2014 in Berlin. Das Café Garcia ist ihr allerliebster Ort der Stadt, weil es zu einer Zeit, in der sie noch niemanden in Berlin kannte, fast wie ein zweites Zuhause wurde. Konrad und Marila, die Betreiber*innen, haben es geschafft, im Café eine perfekte Wohnzimmeratmosphäre zu erzeugen. „Ob im Sommer draußen auf der Bank, während ich den Moabiter*innen beim Flanieren über die Waldstraße zuschaue, oder im Winter gemütlich im Warmen. Im Garcia habe ich meine wichtigsten Entscheidungen getroffen. Ich habe dort meinen jetzigen Freund kennengelernt, meine zukünftige Mitbewohnerin auch, und mich für berufliche Wege entschieden. Und das ganze immer mit dem viel zu ehrlichen Rat von Marila und Konrad, die mir durch meinen ersten kalten Winter in Berlin geholfen haben.“

2. Kreuz & Kümmel

Kreuz & Kümmel
Kreuz & Kümmel / © Debbie Schmitt

In diesem Café im Prenzlauer Berg ist Constantin (21) am liebsten. Er ist im Oktober 2017 nach Berlin gezogen. Hier kann er produktiv und konzentriert arbeiten und lernen, aber auch freie Zeit genießen und entspannt einen Kaffee schlürfen und ein leckeres Stück Kuchen essen.

3. Café am Neuen See

Café am Neuen See
Café am Neuen See / © Debbie Schmitt

Sara, die mir auch schon den Schlachtensee empfohlen hatte, hat mir außerdem verraten, dass sie gerne in das Café am Neuen See im Tiergarten geht. Sie liebt es, zuerst am Ufer des Sees entlang zu spazieren und sich danach in das Café zu setzen. Weil es sowohl einen Innen- als auch einen Außenbereich hat, ist Sara im Sommer wie auch im Winter oft dort. Es gibt Kaffee und Kuchen, aber auch die Pizzen und Flammkuchen sind sehr gut. Draußen entsteht eine gemütliche Atmosphäre durch Lichterketten und drinnen scheinen Kerzen und das Kaminfeuer. Das fühlt sich für Sara heimisch an.

Für Bücherwürmer

1. Theologische Fakultät

Ausblick der Theologischen Fakultät
Ausblick der Theologischen Fakultät / © Debbie Schmitt

Der majestätische Ausblick auf die alten, schönen Gebäude, den Dom und die Museumsinsel macht die Theologische Fakultät für Sophie (20) zu ihrem Lieblingsort in Berlin, wo sie auch geboren und aufgewachsen ist. Außerdem liebt sie die Kombination aus Wasser, der Brücke und dem Dom im Hintergrund. In der Bibliothek kann sie gut lernen, kreativ sein und auch mal vom Unialltag abschalten, weil sie nicht so überlaufen ist.

2. Ocelot bookstore

Not just another bookstore
Not just another bookstore / © Debbie Schmitt

Ich selbst liebe diese Buchhandlung, weil sie eben nicht nur eine Buchhandlung ist, sondern viele Dinge miteinander verbindet. Eine großartige Atmosphäre entsteht durch gute Literatur, das Café, ruhige Musik im Hintergrund, viel Licht und vor allem nette Leute. Anfang 2017 entdeckte ich diesen Ort durch Zufall, als ich ohne Ziel durch die Stadt schlenderte. Ich war sehr lange dort und konnte mich erst gar nicht für ein Buch entscheiden. Kaffee- und Büchergeruch miteinander vereint, gibt es etwas Schöneres? Letztendlich entschied ich mich doch für Ehre von Elif Shafak und nahm das sogar mit auf meine Reise nach Kenia. So hatte ich da Gefühl, ein Stück Berlin dabeizuhaben

Für Genießer*innen

Dolores am Hackeschen Markt

Dolores
Dolores / © Debbie Schmitt

Warum Steffi (32), die in der Nähe Berlins geboren ist, das Dolores am Hackeschen Markt so liebt, hat sie mir geschrieben: „Ich liebe es dort, weil es mich auf eine schöne Art und Weise an Arizona erinnert, verdammt lecker ist und ich dort ein wunderschönes Date hatte.“

Um den Tag ausklingen zu lassen

1. Kugelbahn Wedding

Kugelbahn
Kugelbahn / © Debbie Schmitt

Yvonne (24) ist hier am liebsten, weil die große, gemütliche Bar in ihrer Nachbarschaft liegt und sie dort mit ihren Freund*innen bereits viele großartige Abende erlebte hatte. Das Besondere ist, dass man im Keller noch auf der alten Kegelbahn kegeln kann und dort auch ab und zu Live-Konzerte stattfinden. Inzwischen wurde das Gebäude gekauft und es soll ein Altenheim entstehen.

2. Vagabund Brauerei

Vagabund Brauerei
Vagabund Brauerei / © Debbie Schmitt

Frederik ist 24 und seit September 2017 in Berlin. Er geht gerne in die Vagabund Brauerei, weil es dort eine große Auswahl an Craft Bieren gibt. Außerdem genießt er die gemütliche und entspannte Atmosphäre.

3. Zur Glühlampe

Zur Glühlampe
Zur Glühlampe / © Debbie Schmitt

Dieser Ort ist zu Leas Lieblingsort geworden, weil er zum Teil ihrem Freund gehört. Sie lernte ihn sogar dort kennen. Ein Jahr lang kam sie immer wieder in die Bar, bis er sie endlich nach einem Date fragte. Entspannte Leute von 18 bis 88 Jahren sitzen hier nebeneinander. Es gibt immer gute Musik, gute Drinks und gute Gespräche. Lea ist 30 Jahre alt und seit 2012 in Berlin.

Spätestens jetzt kann es also wieder mindestens einen Ort mehr auf der imaginären Dort-muss-ich-hin-Liste geben. Diese Orte sind den kalten Weg vom Bett dorthin absolut wert!